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XICöATL: Ausgabe 90
INHALT:
Guadi Calvo wurde 1955 in Buenos Aires geboren, und ist Schriftsteller und Journalist. Zehn Jahre lang war er als Fotograf tätig, seit mehr als fünfzehn Jahren ist er es nicht mehr, um sich voll und ganz der Literatur zu widmen. Er verwirklicht und organisiert Literaturwerkstätten und Seminare. Zu seinen Veröffentlichungen zählen: El Guerrero y el Espejo (1990) und Señal de Ausencia (1993). Er ist auch als Filmkritiker in verschiedenen Medien Argentiniens und Lateinamerikas tätig.
Adresse: Montevideo 1980 7ºA, (1021) Buenos Aires, Argentinien. Tel.: 54-11-4813-1313. E-mail: guadicalvo@ciudad.com.ar .
In Kolumbien darüber zu sprechen, was vor sich geht, kann dich das Leben kosten. Marta Rodríguez. Was soll ich tun, um nicht zu weinen, mein Bruder? Marta Rodríguez. Marta Rodríguez und ihr Mann Jorge Silva sind die Pioniere des kolumbianischen anthropologischen Dokumentarfilms. Sie bilden die Hauptachse dieses Genres in ihrem Land und sind sicher Klassiker des Genres in Lateinamerika. Seit ihren filmerischen Anfängen hatte María eine klare Vorstellung von den Absichten, die sie mit ihren Arbeiten verfolgen wollte. Eine Absichtlichkeit, die im Wesentlichen auf der bekennenden Begleitung der Studenten-, Arbeiter-, Bauern-, indigenen und afrokolumbianischen Bewegungen ihres Landes beruht. Heute sind ihre Filme ein riesiges Fresko, in dem ein großer Teil der dringendsten Probleme der kolumbianischen Realität der letzten fünfzig Jahre behandelt wird.
Marta Rodríguez wurde 1933 in Bogotá geboren. Mit gerade erst fünfzehn Jahren wurde sie Zeugin des sog. „Bogotazo“, sie erinnert sich, das Zentrum Bogotás gemeinsam mit einer Schulfreundin durchquert zu haben, wobei sie ein weißes Tuch schwingen mussten. Mit diesen Ereignissen vertiefte Kolumbien noch weiter die Spirale der Gewalt, aus der es noch immer nicht herauskommt, und für María wird das ein Stempel sein, dessen sie sich nie mehr entledigen kann. Nach Beendigung des Gymnasiums reiste Marta 1951 nach Barcelona, wo sie an der Soziologischen Fakultät zu studieren begann. 1957 ließ sie sich in Paris nieder und studierte an der Sorbonne französische Sprache und Landeskunde. Parallel dazu wurde sie zu einer begeisterten Besucherin der Cinemathek, während sie gleichzeitig begann, mit Kreisen exilierter spanischer Arbeiter in Kontakt zu treten, die von der frankistischen Tyrannei verfolgt wurden. In Paris lernte sie auch den kolumbianischen Priester und späteren Märtyrer Camilo Torres kennen, mit dem sie eine große Freundschaft aufbaute, und der eine Schlüsselfigur für ihre Interpretation der Wirklichkeit werden sollte. 1959 war ein entscheidendes Jahr ihres Lebens. Sie kehrte nach Kolumbien zurück und trat ins eben geschaffene Institut für Soziologie der Nationalen Universität ein, das von Camilo Torres gegründet worden war, dessen Idee sie aufgriff, die ihr Leben und ihre Option für die Armen prägen sollte: die „wirksame Liebe“.
Im Jahr darauf, nach diesem kurzen Aufenthalt in Kolumbien, kehrt sie nach Paris zurück, wo sie im „Museum des Menschen“ beim Cineasten und Anthropologen Jean Rouch, Schöpfer des Klassikers Moi un noir (Ich ein Schwarzer, 1958), Film studiert. Rouch macht sie mit dem sogenannten Cinéma Vérité bekannt, das er vertritt, in dem er die Gewichtung auf die Realität des Gefilmten legt und formalere Elemente wie das Drehbuch, die Verarbeitung und die Beleuchtung an die zweite Stelle treten lässt. „Ein Kino, welches das kinematographische Werkzeug benutzt, ohne das Leben der Menschen und ihre Aktivitäten zu verletzen“ wird Rouch selbst erklären.
Marta nimmt auch Stunden bei Claude Lévi-Strauss, der sie in ihrer späteren Herangehensweise bei der Forschungsarbeit für ihre filmischen Projekte entscheidend beeinflussen sollte. In dieser ersten Etappe ihrer filmischen Lehrzeit drehte Marta Rodríguez gemeinsam mit dem Mexikaner Tomás Pérez Turrent ihren ersten Film, einen Essay über den Flohmarkt von Paris. Sie kehrt 1965 nach Kolumbien zurück, wo sie ihr Anthropologiestudium wieder aufnimmt, während sie im Filmbereich an der französischen Botschaft arbeitet. Auf der Fakultät für Soziologie trifft sie Camilo Torres wieder, mit dem sie eng zusammen arbeiten sollte, und der sie in die Landkarte der großen Ungerechtigkeiten Kolumbiens einführt. Sie lernt auch den Fotografen Jorge Silva kennen, der zum unersetzlichen Partner ihres privaten und beruflichen Lebens werden sollte. Mit Jorge drehte sie Chircales ("Ziegeleiarbeiter") (1967-1972), nach einer Idee des Autors Arturo Alape, ein Dokumentarfilm über die Familie Castañeda, bestehend aus Alfredo, Marta und ihren zwölf Kindern, die sich in der Gemeinde Tunjuelito im Süden von Bogotá mit der Herstellung von Ziegeln mit primitiven Methoden durchs Leben schlagen. Wie die Castañeda haben hier fünfzigtausend Familien, zum Großteil durch die Gewalt Vertriebene, die das Land erlebte und noch erlebt, die Ausbeutung in der Landwirtschaft durch die städtische Ausbeutung ersetzt, wie im Film erklärt wird. In den Chircales werden nicht nur Erwachsene und Kinder gleichermaßen ausgebeutet, sie müssen nicht nur die schrecklichen Arbeitsbedingungen ertragen, die auf die kolonialen Mitas und Yanaconazgos zurückgehen, sondern sie werden auch noch von ihrem Herrn, dem Doktor Guillermo Pardo Morales, ihres Stimmrechts beraubt, da Pardo Morales mit den jeweils amtierenden Politikern die Stimmen seiner Angestellten aushandelt.
Diese erste Arbeit, die mit entliehener Ausrüstung realisiert werden musste, begann 1966 unter der Prämisse der „anteilnehmenden Beobachtung“. Das Duo Rodríguez – Silva geht an das tiefe Drama jener Ausgebeuteten nicht wie Besucher heran, sondern sie begleiten und leiden unter ihrer Ausbeutung. Die Herstellung von Chircales (1967 - 1972) dauerte, von den Forschungsarbeiten bis zum Drehen, fünf Jahre. Nach und nach entblößten Rodríguez und Silva ihre Figuren in ihren furchtbaren Alltagsleben, in menschenunwürdige Lebensbedingungen gestürzt, was sie tief im Schlamm der Chircales versinken lässt. Mit höchster Aufmerksamkeit zeigen die Filmemacher das Umfeld, in dem die Familie überleben muss, heimgesucht von Krankheiten, Unfällen und dem stets nahen Tod.
Noch lange bevor sie zu filmen begannen, mussten sie eine lange und geduldige Arbeit auf sich nehmen, um das Vertrauen der Familie Castañeda zu erringen, was es ihnen erlaubte, sich ihrem Familienleben zu nähern. Um auf die zweiundvierzig Minuten zu kommen, die der Film dauert, verbrachten sie lange Arbeitstage der Nachforschung und Suche, immer bemüht, ihre Intimität nicht zu verletzen. Chircales ist eine langsame Reise durch die Arbeit, die Religiosität, das Sexualleben und die Ideologie der ProtagonistInnen. Vielleicht sind der Gang eines Erstkommunionmädchens in ihrem weißen Kleid durch die Chircales und die Kinder, die auf ihren Schultern Ziegel schleppen, die gewaltsamsten und bestimmendsten Szenen des Films.
Chircales wurde 1968 auf dem Treffen des Lateinamerikanischen Kinos in Mérida, Venezuela, uraufgeführt und erreichte große Wirkung. Später sollte er Auszeichnungen auf den Festivals von Leipzig, Deutschland 1972; Oberhausen, Deutschland; Tampere, Finnland und Cartagena, Kolumbien erhalten.
1970 finden in den östlichen Tälern des Departements Vichada eine Reihe von Massakern am indigenen Volk der Guahibos durch das kolumbianische Militär statt, das von Großgrundbesitzern der Gegend aufgehetzt wird. Marta und Jorge reisen dort hin und drehen den Dokumentarfilm Planas, Zeugnis eines Etnozids (1971), wo sie gegen die Folterungen und Morde an den Guahibia-Gemeinschaften Anklage erheben, die von der Jagd, Fischerei und Landwirtschaft in bescheidenem Ausmaß lebten. Die Großgrundbesitzer, die sie ihres Landes berauben wollen, organisieren gemeinsam mit der Regierung eine Militäroperation unter dem Motto: „Weder ist der Indio ein Mensch, noch ist Casava ein Brot“. Die Operation rottete die indigenen Anführer aus und zwang die Gemeinden, ihre Siedlungen zu verlassen und Zuflucht im Urwald zu suchen. Das Militär brannte die Siedlungen nieder, verfolgte und ermordete die indigenen Menschen und entfesselte eine Treibjagd, um Rafael Jaramillo Ulloa zu suchen, Anführer und Organisator der Integralen Landwirtschaftlichen Kooperative, die die Guahibos gegen die Übergriffe der Großgrundbesitzer und Händler verteidigte. Dieses Massaker sollte das erste von vielen vom kolumbianischen Heer verübten sein, welches im Senat besprochen wurde. Dieser Prozess demaskierte die Mechanismen der Ausbeutung und Verfolgung derer, die die Opfer waren und es heute noch sind: der indigenen Menschen.
Im Film werden einige Überlebende interviewt, wie Isaías Gaitán, Sprecher der Gemeinde, Cecilia Quintero und das Kind Luis Quintero, die berichten, wie beim Exodus in Richtung Urwald Kinder, Frauen und alte Leute durch die Hand der Soldaten sterben, welche die Überlebenden foltern und verhaften.
Fünf Jahre dauerten die Arbeiten zu Campesinos (1970 – 1975), ein Film, der mit einem langsamen Schwenk beginnt, der einen Anhaltspunkt zu suchen scheint, bis er die Grimasse eines toten Kindes bildet. So wird die Schwere der Behandlung der Campesinos sein, die die Bedeutung der Erde für die Indios analysiert, ihren symbolischen, kulturellen und religiösen Inhalt.
Ihre nächste Arbeit ist Nuestra voz de tierra, memoria y fuego (Unsere Stimme der Erde, der Erinnerung und der Zukunft) (1973 – 1980). Der Film versucht, zwei Begriffe zu vereinigen, die einander zu widersprechen scheinen: die dokumentarische Erfassung und die Inszenierung. Hier versuchen sie zu ergründen, wie der Prozess verläuft, der in vielen indigenen Gemeinschaften von der Unterwerfung bis zur Selbstorganisation führt, um das wirtschaftliche und kulturelle Überleben zu gewährleisten. Der Film konzentriert sich auf die Denkprozesse der Weltanschauung der indigenen Kultur, wo Schauspieler als Herren und Diener gegenüber gestellt werden; historische Usurpation und jahrtausende alter Besitz, Organisation, Magie, Mythos und Ideologie. Unsere Stimme der Erde, der Erinnerung und der Zukunft wurde 1982 auf den Filmfestivals von Cartagena, Huelva und Berlin ausgezeichnet. Zu der Zeit, als Marta und Jorge Unsere Stimme… drehten, müssen sie unterbrechen, um den sechzehnminütigen Kurzfilm La voz de los sobrevivientes (Die Stimme der Überlebenden) (1980) zu drehen. Der Film wurde auf die Bitte der indigenen Menschen hin gedreht und klagt die Ermordung der Anführer der Gemeinde Coconuco im Caucatal an, weil sie ihr Recht auf Land einforderten. Der Kurzfilm wurde vom CRIC (Consejo Regional Indígena del Cauca – Regionaler Indigener Rat des Cauca) verwendet, um bei Amnesty International Anklage zu erheben.
Am 13. November 1985 erschüttert eine weitere Tragödie Kolumbien, diesmal ist es eine Naturkatastrophe. Gegen Mitternacht führt der Ausbruch eines Kraters des Nevado del Ruiz zu einem Ansteigen des Lagunilla-Flusses, wodurch das Dorf Armero ausgerottet wird: 25.000 Tote und 20.700 Geschädigte und Verletzte, viele verstümmelt und mit schweren psychischen Folgen bleiben zurück. Die wirtschaftlichen Verluste sind unschätzbar. Rodríguez und Silva reisen an den Ort und drehen Nacer de nuevo (Neugeboren) (1987). Von allen tragischen Bildern, die sie vorfinden, verweilen sie auf einem alten Paar, María Eugenia Vargas (71 Jahre) und Carlos Valderrama (75 Jahre), die bis zur Nacht der Tragödie nahe am Fluss Gualí lebten. Die beiden Alten werden zum Sportstadion der Stadt Honda gebracht, wo sie mit anderen Geschädigten zusammenleben. Der Wohnbauplan RESURGIR (WIEDER ERSTEHEN), der die internationalen Hilfsleistungen organisiert, beginnt, die Familien in neue Behausungen zu übersiedeln, außer María Eugenia und Carlos, die aufgrund ihren hohen Alters nicht begünstigt werden. Die beiden Alten bleiben ihrem Schicksal überlassen auf dem einsamen Gelände. Diese Arbeit wurde im selben Jahr in Leipzig, Deutschland und 1988 auf den Festivals von Cartagena, Kolumbien und Oberhausen, Deutschland ausgezeichnet. Kolumbien ist der zweitgrößte Blumenproduzent der Welt, nach Holland, und der größte Exporteur in die USA. Diese Industrie hat viele Nutznießer, aber noch viel mehr Opfer, nämlich die Lager- Verpackungsarbeiterinnen. Marta Rodríguez dreht im Jahr 1987 den mittel langen Film Amor, mujeres y flores (Blumenfrauen) über die Ausbeutung dieser Arbeiterinnen, wobei die Gesundheit und das Leben vieler von ihnen in Gefahr gebracht werden. Blumenfrauen wurde 1989 in D’Aurillac, Frankreich; in San Francisco, USA; Mannheim und Freiburg, Deutschland und 1990 in Bogotá ausgezeichnet.
Mitten unter den Dreharbeiten zu diesen beiden Filmen stirbt im Jänner 1987 Jorge Silva, was für Marta sowohl im privaten als auch im Berufsleben einen vernichtenden Schlag darstellt, der sie zwingt, diese Arbeiten allein fertig zu stellen und mehrere Jahre bis zu ihrer nächsten Arbeit zu brauchen. Erst 1992 macht sie wieder einen Film, und in diesem Fall wird es Lebendige Erinnerung sein; gegen Ende 1991 werden zwanzig Menschen der etnischen Gruppe der Páez auf der Hacienda El Nilo in Caloto, Cauca, ermordet. Das Massaker kann von zwei Indígenas der Abteilung für Kommunikation des CRIC gefilmt werden. Marta Rodríguez arbeitet gemeinsam mit dem bolivianischen Cineasten Iván Sanjinés und unter Mitarbeit des Páez Jesús Piñakwe mit diesem Material, wobei sie verurteilt, dass das Massaker von Caloto durch die Drogenmafia begangen wurde, die begann, sich im Departement von Cauca einzunisten.
Marta dreht zusammen mit ihrem Sohn Lucas Silva drei Filme deren Problematik dieselbe, aber in verschiedenen Stadien, ist. In den kolumbianischen Anden, in der Gemeinde Inzá im Departement Cauca, befindet sich Tierradentro, Gebiet der Páezkultur. Diese Gegend verfügt über eine lange Tradition des Widerstands. Dort entstanden Heere, die der spanischen Herrschaft Widerstand leisteten, wie das der Cacica Gaitana 1539, oder in jüngerer Zeit, in den Dreißiger Jahren des vergangenen Jahrhunderts, das des Páez Manuel Quintín Lame, der die Kämpfe für die Rückgabe des Landes der indigenen Gemeinschaften anführte. Das Departement Cauca umfasst den größten Teil der indigenen Bevölkerung Kolumbiens: Paeces, Guambianos, Yanaconas und Coconucos, ausschließlich von der Landwirtschaft lebende Völker, die ihre Einnahmen aufgrund des internationalen Verfalls des Kaffee- und Fiquepreises dahinschwinden sahen; das wurde von den Drogenhändlern ausgenützt, um den Anbau von Mohn anzukurbeln, eine Pflanze, die man für den Gewinn von Heroin braucht. Mit dem Ziel, diesen Anbau auszurotten, benützt das Amt für Drogenbekämpfung, finanziert von den USA, hoch giftige Herbizide wie Glyphosat, was bei den Bauern, ihren Familien und der Umwelt schwere Schäden hervorruft. Über dieses Eindringen des Staates, um den illegalen Anbau mit verschiedenen Mitteln zu vernichten, dreht Marta Rodríguez Los hijos del trueno (Kinder des Donners) (1994 – 1998), Amapola, la flor maldita (Mohn, die verfluchte Blume) (1994 – 1998) und La hoja sagrada (Das heilige Blatt) (2001).
Die Gewalt der Paramilitärs in Kolumbien hat mehr Opfer hervorgebracht, als die Regierung und die Medien zuzugeben bereit sind. Sie haben ganze Gemeinden ausgerottet, Tausende Friedenskämpfer ermordet und eine Entwicklung Hunderter Gemeinden verhindert. In Kolumbien bringt der Krieg täglich Tausend Heimatvertriebene hervor, afrokolumbianische, indigene und Landarbeiter-Gemeinden werden in militärische Zeile verwandelt. Diese Wanderbewegungen von Menschen verändern die Gebiete nachhaltig: Tausende Landarbeiter verlieren ihr Land und ihre Kulturen; gleichzeitig treten neue Landbesitzer auf den Plan: Paramilitärs, mit ihnen verbundene Politiker und Drogenbosse, was in Wahrheit ein und dasselbe ist.
Diese neue Landkarte der Angst setzt sich zusammen aus verdammten Gemeinden und Geisterdörfern, in denen unzählige Massaker durchgeführt wurden: das Massaker von Mapiripán, das Massaker von Mejor Esquina, das Massaker von Apartadó, das Massaker von Chende, und die Liste ließe sich wie ein teuflisches Echo fortführen. Davon handelt die Trilogía de Urabá (Trilogie von Urabá), Marta Rodríguez’ jüngste Arbeit.
Den ersten Teil dieses Tryptichons bildet Nunca más (Nie wieder) (1999 – 2001), wo die hoffnungslose Lage der durch die Gewalt Heimatvertriebenen klar herauskommt, da ihr Recht auf Leben, seelische und körperliche Gesundheit, persönliche Sicherheit und Freiheit in Gefahr ist, ebenso wie ihr Recht auf Nichtdiskriminierung, Bewegungsfreiheit und Freiheit des Wohnsitzes und alles, was dies mit sich bringt, vom sozialen über wirtschaftliche bis zu kulturellen Auswirkungen. Die kolumbianischen BürgerInnen, die sich aufgrund der Gewalt gezwungen sehen, ihre Heimat zu verlassen, sind dazu verdammt, unter menschenunwürdigen Umständen, zusammengepfercht, unterernährt und ohne medizinischen Beistand zu leben.
Dieser Dokumentarfilm versucht die Erinnerung aufrecht zu erhalten, damit die Welt mit Bildern und Zeugnissen von den Opfern der Paramilitärs und des Heeres aus den Gemeinschaften von Urabá, Antioquia und el Choco, an der kolumbianischen Pazifikküste Kenntnis bekommt, als 1996 eine Wirtschaftsblockade errichtet wurde, die überhaupt keine Waren, nicht einmal Lebensmittel und Medikamente, durch ließ, bis sie erreichten, dass alle Landarbeiter der Gegend vertrieben wurden.
Der zweite Film dieser Saga ist Una casa sola se vence (Man gewinnt nur ein Haus) .Der Dokumentarfilm dreht sich um das schreckliche Zeugnis einer Vertriebenen, Marta Palma, im Jahr 1999. Er berichtet von der Flucht ihrer afrokolumbianischen Gemeinden von Cacarica, am Unterlauf des Atrato. Marta Palma erzählt ihr Leben im Hafen von Turbo, dem Ort, den sie nach einem langen Marsch erreichten, ihrem Kampf ums Überleben ohne Mittel noch Beistand, allein mit ihren vier Kindern; ihr Mann wurde in einem Slum ermordet. Marta Palma starb im August 2002 an einem depressiven Krankheitsbild.
Soraya, Amor no es olvido (Soraya, Liebe ist nicht Vergessen) (2006) schließt die Trilogie von Urabá ab. Gleich wie im vorangegangenen Film, erzählt die Geschichte wieder eine Frau: Soraya Palacios, eine Vertriebene von Puente América im Choco; ihr Mann wurde von Paramilitärs ermordet, sie ist Witwe mit sechs Kindern und muss in einem Slum von Puerto Turbo ohne jegliche offizielle Hilfe überleben.
Die Filme von Marta Rodríguez sind ein langer Diskurs der Erinnerung eines Volkes, das seit dem Entstehen seiner Nation nie aufgehört hat, zu bluten. Sie sind Teil des unendlichen Einsatzes Camilo Torres’. In die Stimme Martas fließen die Stimmen von Indígenas, Landarbeitern, Vertriebenen, Ausgebeuteten, Überlebenden und Opfern ein, die ihre nie zurückbekommen. Ihre Filme sind, gleich den Molas der Indígenas Kuna, mit unendlicher Geduld durchbohrte Schichten, um eine einzige Zeichnung entstehen zu lassen: die Tragödie ihres Volkes. Guadi CALVO Buenos Aires - ARGENTINIEN Übersetzung: Ulrike ZOMORRODIAN-SANTNER
Der 1958 in Filadelfia (Kolumbien) geborene Flóbert Zapata ist Autor der Gedichtsammlungen „Copia del insecto“ (1991), „Después del colegio“ (1994), „Declaraciones“ (1999) und „Ataúd tallado a mano“ (2005) sowie des Science-Fiction Romans „La bestia danzante“ (1995) und einiger Werksammlungen. Für sein Werk hat er verschiedene Auszeichnungen erhalten. 1997, 2001 und 2002 war er jeweils in der Endausscheidung zum „Premio de poesía del Ministerio de Cultura de Colombia“ („Lyrikrpreis des kolumbianischen Kulturministeriums“).
Postadresse: carrera 9C No 57F-04 Barrio La Carolita. Manizales. Kolumbien. E-Mail: flobertzapata@yahoo.com
Gedichte entnommen aus dem Buch „Ataúd tallado a mano“ (Der handgeschnitzte Sarg): 1 Ich schlief immer schon sehr schlecht. Auch nach meinem Tod werde ich sicherlich weiterhin schlecht schlafen. Ich werde ein schlechter Toter sein, ich werde ein müder Toter sein. Nichts beunruhigt mich angesichts des Todes, außer dieser Gewissheit, dass ich weiterhin schlecht schlafen werde. 6 Vor dem Sterben gilt es einige Vorkehrungen zu treffen. Zum Beispiel die letzte Zigarette, die du rauchst, mit besonderer Sorgfalt auszudämpfen. Käse, Schinken, frisches Brot und Milch in der Speisekammer einzulagern, dies spricht für deine Ordnung und deine vorsorgende Intelligenz. Türen und Fenster doppelt verriegeln, Bargeld an einer sichtbaren Stelle liegen lassen, 2 oder 3 Ratschläge geben, dies wird das Zeugnis dafür sein, dass du nicht immer nur ein Träumer warst. Unerlässlich ist die Liste mit Anweisungen zu den Angelegenheiten, gelöst oder ungelöst, die in diesem Leben von größter Bedeutung sind und die zu gegebener Zeit mit dem nächsten Leben in Beziehung stehen können. Fern ist der Ort, wo du hingehst und alles muss in voller Ordnung zurückbleiben: Wenig könntest du machen, sollte etwas passieren. Da es ist nicht sicher, ob du eines Tages zurückkehrst, ist es gut letztendlich alles bereit zu haben - für den Fall der Fälle. INFARKT Man überreicht uns den Tod in Stückchen. Es bleibt kein anderer Weg, als den Tod in Stückchen zu bekommen. Stückchen heutiger Habsucht und Verlangens. Stückchen gestriger Müdigkeit und Angst Morgen in immerzu blauen Stückchen, mit Klavieruntermalung im Frühling. Dynamische Stückchen: du denkst an das Ende. Statische Stückchen: das Foto des toten Vaters, der lächelt. Stückchen mit Krebs. Nachrichten in Stückchen: der Tod eines Freundes. Brennende Stückchen mit Laster oder Geld, Stückchen mit Liebe Mit Schokoladenglasur überzogen und Totenköpfen als Füllung. Stückchen mit Ruhm mit Blut und Wunden oder Einkaufsrechnungen. Man überreicht uns den Tod in Stückchen und manchmal kommt er in einem Stück. 93 Unter den Säugetieren gibt es eines, das läuft und läuft und niemals anhält. Damit es stillhält und dabei nicht platzt, gebe man ihm ein Beruhigungsmittel, verstaue es in einer Holzkiste, verriegle alles gut mit Nägeln und lasse es 2 Meter unter die Erde. Flóbert ZAPATA Manizales – KOLUMBIEN Übersetzung: Christoph Hülsmann, Katrin Mangelberger, Birgit Krempke, korrigiert von Elisabeth Prantner-Hüttinger
RICTUS Wir durchdringen schändlich subtil Universum und Funke es bleiben die Straßen. REMINISZENZ Für Alberta Bild, das aus dem Vorzeichen entsteht, die Bißwunde beobachten ist nicht der Code der erste Tag war die Wut des zweiten das Fehlen des Bisamhirsches Wasserlaufen das Gespenst Es ist nicht Vecchio die entfernteste Erinnerung an meinen Strand. LEVITATION für Gilda María Wenn du in der Einsamkeit meinen Körper nicht findest meinen schwimmenden Körper, der einen Platz in meinen Rippen sucht - den deinen – wenn du mich nicht in deinem Blut schmeckst... öffne die Fenster. OHNE TITEL Dort, wo ich den Hurrikan sprenge damit niemand die Grotte verlassen kann Ich bin nicht mehr der Bevorstehende Alle wollen eine Erinnerung kaufen sich ein Schaufenster schenken Und die Sonnenwende wer wird sie emporheben Meine Hände sind Ketzer sie applaudieren nicht Schlaflos suche ich die Stadt die irgendjemand nicht wollte und zerbeiße die Münzen Der Tag ist in Hiroshima gestorben Es regnet auf dem Platz in meinen Neuronen Die eigenen Unerfahrenheit brachte den Tag um Goethe mäßigte die List eines berühmten Einarmigen und ein Quijote nagelte mich an MEHR-LICHT. Jorge C. CORCHO PADRÓN Havanna – KUBA Übersetzung: Angelika MOSER Adresse: San Lázaro No 880, entre Soledad y Marina, 10300 Havanna – KUBA.
Amado Storni ist das Pseudonym von Jaime Fernández, einem Dichter, Liedermacher und Schriftsteller. Er wurde in Madrid (Spanien) geboren und wohnt in La Alcarria. Unter seinen veröffentlichten Büchern befinden sich: Biografía, otros poemas, el mundo que me mata (2004), Próxima estación: primavera (2005), Versos en los labios (2007), Postales sin remite (2008) und La memoria de mi olvido (2008). Er hat außerdem zwei CDs mit seinen Liedern aufgenommen: Mi asignatura pendiente und Primera persona del singular.
Webseite: www.amadostorni.com E-mail: poesia68@hotmail.com und jaime7@andaluciajunta.es
REALITÄT UND UTOPIE Die Utopie lief vor der Realität davon. Ihr Schritte schienen fest und sicher zu sein, aber ihre Flucht war verzweifelt und ohne Kontrolle. Für jeden Schritt, den die Utopie machte, machte die Realität zwei. In ihrem Eifer, nicht eingeholt zu werden, suchte die Utopie Hilfe. So geschah es, dass sie auf einen Bankier traf, aber dieser, an Zinsen und Kapital interessiert, hörte ihr nicht einmal zu. Auf ihrer überstürzten FLUCHT traf sie auf einen Geistlichen, der ihr zuerst zuhörte. Sie schienen dieselbe Sprache zu sprechen, obwohl sie sich manchmal nicht verstanden. Es war so, dass das spirituelle Leben, von dem der Priester sprach, nicht das der Utopie war. Ihr Leben war eines, das sich nach dem Leben mit den Fundamenten eines Vertrauens errichtete, an das selbst der Geistliche nicht glaubte. So floh die Utopie weiter und traf auf einen Politiker, den sie sofort erkannte. In einer nicht allzu lange vergangenen Zeit waren beide Hand in Hand gegangen. Aber als die Wahlkampagne zu Ende war und der Politiker den Status erlangt hatte, den er angestrebt hatte, blieb die Utopie wieder alleine zurück. Und der Politiker, glaubhaft und diplomatisch, kehrte ihr den Rücken. Die Utopie traf auch auf einen Mann. Einen Mann, der einst jung gewesen, einst Kind gewesen war. Und dieser Mann, dem die Utopie als Kind und Jugendlicher Freude bereitet hatte, grüßte sie nicht einmal, weil er sie nicht erkannte. Zu jenem Zeitpunkt, als die Utopie von der Realität eingeholt wurde, traf sie auf einen Dichter, der von Versen übermannt wurde und voll unheilbarer Träume steckte. Der Dichter schien distanziert zu sein, aber als die Utopie anhielt, um mit ihm zu sprechen, hörte er ihr zu. Sie verstanden sich und grüßten einander, weil sie sich erkannten. Und die Utopie sah, dass sie sich mit dem Dichter sicher fühlte. Als sie die Realität kommen hörte, versteckte sich die Utopie. Die Realität blieb vor dem Poeten stehen und fragte ihn, ob er die Utopie gesehen hätte. Aber weder der Poet verstand die Realität, noch verstand die Realität ihn, weil das, was die Realität Utopie nannte, für ihn Realität war. Und als sie dieses Missverständnisses müde geworden war, musste die Realität von dannen ziehen. Es war der Augenblick, als die Utopie sich des Körpers des Dichters bemächtigte, weil sie fühlte, dass dies ihr richtiges Zuhause war. Und deshalb wissen die Dichter so viel von den Träumen und die Träume verstehen sich so gut mit den Dichtern. DIE EINSAMKEIT Samstag, 14. April 2007: EINWEIHUNG DES EINKAUFSZENTRUMS „EL BULEVAR“ „Der Industrierat legte gestern während der Einweihungsfeier des Einkaufszentrums „El Bulevar“ dar, dass die Eröffnung des Zentrums ein Wetteinsatz für ein ausgeglichenes Wirtschaftsmodells sei. Das Einkaufszentrum, gebaut auf den Trümmern der ehemaligen Stadtbibliothek, hat fünf Stockwerke, 130 Geschäftsräume und ca. 1 000 Parkplätze. Die Investition hatte 100 Millionen Euro betragen“. An jenem Aprilnachmittag entdeckte ich die Einsamkeit. Ich war nie alleine gewesen. Nie werde ich so alleine sein. An jenem Aprilnachmittag merkte sich die Einsamkeit meinen Namen. Die Bücher der ehemaligen Stadtbibliothek, die meine Augen, mein Geruchssinn, meine Lippen und mein Mund gewesen waren, waren für immer fortgegangen, ohne sich von mir zu verabschieden. Sie lehrten mich, dass die Fantasie das einzige Vaterland des Menschen ist, dass die Worte sein einziges Zuhause sind. Sie lehrten mich, dass es Welten ohne Flaggen gibt, verrückte Träume des Verstands, vernünftige Träume von Verrücktheiten. Sie lehrten mich Liebe, Illusion, Traurigkeit und Leidenschaft. Das, wonach die Küsse schmecken, die ich dir gegeben habe. Die ich dir gegeben habe, ohne dass du es wusstest. Samstag, 14. April 2007: SCHLIESSUNG DES EINKAUFSZENTRUMS „EL BULEVAR“ „Der Wetteinsatz für Modernität, der die Eröffnung des Einkaufszentrums „El Bulevar“ sein hätte sollen, löste sich gestern mit der Schließung des Zentrums in Luft auf. Der Industrierat stellte fest, dass die modernen Gesellschaften sich am kulturellen Niveau ihrer Einwohner messen und dass die Zerstörung einer Bibliothek zugunsten des Aufbaus eines Einkaufszentrums zwar wirtschaftlich akzeptabel, aber kulturell und moralisch falsch sei.“ Selten zwar, aber manchmal doch, steuert das Herz den Kopf. Dies ist dann der Fall, wenn die Welt Fortschritte macht, man weiß zwar nicht, in welche Richtung, aber es geht voran. Mit Riesenschritten. Und es ist so, dass eine Welt ohne Herz weniger Welt ist. Ein Sicherheitsbeamter sagte, er habe in den Gängen Julia gesehen, als sie Romeo Zungenküsse gab, und eine Verkäuferin von Coronel Tapioca versichert, sie habe Robinson Crusoe einen Kompass verkauft. Man murmelt, dass jemand ein Kind in einem Haustiergeschäft gesehen hat, das das mit Watte ausgestopfte Fell von Platero streichelte, und dass am Postamt ein kolumbianischer Oberst nach seiner Kriegsveteranenpension auf Lebenszeit gefragt haben soll. Aufgrund dieser seltsamen Vorkommnisse beschlossen die Investoren „El Bulevar“, das Einkaufszentrum zu schließen. Seit gestern ist die Einsamkeit ein bisschen einsamer. IHRE STIMME Ich schloss die Augen, damit ich, wenn ich sie sprechen hören würde, ihre Stimme noch eindringlicher hören könnte. Damit ich, wenn ich sie sprechen hören würde, ihre Worte wie meine fühlen würde. Denn ihre Worte machten aus meinem Herzen einen unzähmbaren, betont starken Muskel, der überquoll an unmöglichen Zukunftsvisionen, an schweigenden, aber großen Hoffnungen. Sie sprechen zu hören machte aus mir einen treuen Ergebenen, fast einen Märtyrer ihrer Worte. Ebenso war es, sie zu sehen. Oder zu atmen. Ein einziges ihrer Worte war wie ein frischer Hauch, ein Windstoß voller Leben. Ich stellte sie mir immer vor, wie sie mir ihr Schweigen ins Ohr flüsterte. Schweigen voller Liebe. Voll von abenteuerlicher, nomadischer, uneigennütziger Liebe. Einer unendlichen, immer währenden Liebe. Ich hatte mich in sie verliebt. Bis über beide Ohren. So wie jemand, der sich in ein altes Paar Schuhe verliebt. Eines, das ihm wie angegossen passt. Ich brauchte ein Monat, um mir ihren Namen zu merken. Zwei, um zu erfahren, wo sie wohnt. Ein Jahr, um ihre Hobbies zu teilen. Selbst jetzt kenne ich ihren Geburtstag nicht, auch nicht die Marke ihres Parfums, den Geruch ihrer Unterwäsche. Ich weiß auch immer noch nicht, warum ich mich in sie verliebt habe. Bis über beide Ohren. So wie jemand, der sich in ein paar kaputte Socken verliebt. In solche, die nach seinem Geschmack kaputt gegangen sind. Jene verrückte Liebe, die im Sommer ungelegen und ohne es zu wollen zu keimen begann, wurde chronisch. Ich hörte auf, ihre Stimme zu hören, um zu sehen, ob ihre Abwesenheit mich heilte. In jenem Jahr war der Herbst einer der schlimmsten. Der Winter war ein unendlicher Winter. Vielleicht fiel mir ihre Telefonnummer zufällig, vielleicht aus Beharrlichkeit in die Hände. Ich musste ihre Stimme hören, in ihren Worten den Sinn meiner eigenen wiederfinden. Ich wollte nicht, dass meine Liebe sterben sollte wie die Blumen in der Vase, so wie kalt und berechnend zu seiner Zeit der Altweibersommer dem Sommer ein Ende setzt. Jedes Jahr. Denn ich war der Angstzustände leichte Beute, ebenso wie der Nervosität und dem Mangel an Gewohnheit. Ich erinnerte mich nicht daran, je so verrückt gewesen zu sein. Verrückt vor Liebe. Zum Schluss entschloss ich mich und wählte: Neun. Eins. Sieben. Sechs. Eins. Sieben. Fünf. Zwei. Drei. Ich ging noch einmal im Geiste durch, was ich ihr sagen würde. Noch einmal und noch einmal. Auswendig. Das Warten wollte kein Ende nehmen. Endlich sagte eine mechanische und distanzierte Frauenstimme: - Hallo! Die Nerven gingen mit mir durch. Aber jene mechanische und distanzierte Frauenstimme insistierte: - Ja? Nervös antwortete ich. - Beatriz? Und diese mechanische und distanzierte Frauenstimme sagte: - Es tut mir Leid. Sie haben sich verwählt. Amado STORNI La Alcarria – SPANIEN Übersetzung: Elisabeth HOFER
Hubert Tassatti wurde 1977 in Öblarn geboren. Zahlreiche Lesungen in Österreich. Beiträge im Radio, Veröffentlichungen in Anthologien und Literaturzeitschriften in Österreich, Deutschland und Südtirol. Eigenverlage.
Adresse: Kaplanhofstraße 45, A-4020 Linz. Telefon: ++43 (0)699 / 81 84 47 60 E-Mail: ossaria@gmx.at Grobe Erde Ich übersetze mich in die Sprachen der Zeit und nehme den Vorhang ab, um ihn der Tiefe zu übergeben. Du schenkst dich mir neu nach meiner Offenbarung und wirst mir zum Anfang, zur Mitte, zum Ende. Wir zeigen dem Himmel die Fremde und tauchen ein in unsere Verzweiflung, die von der Erde genommen wird, weil sie das Blut unserer Vater, Mütter, Brüder, Schwestern, auch schon getrunken hat. Wir sind uns beide Die Burg, die Rettung, und sterben noch nicht. Wir erklären uns täglich neu und geben uns Heimat.
Erntedank Blätterwald im Herbst. Schmal ist der Weg inmitten heller Gaben. Blätterwald im Herbst. kriegsverweigerer bruder waffenlos stehe ich dir gegenüber! wem nützt das morden noch der unschuldigen geschlechter? gib deine hände frei von schlagstock deiner herren! sie stehen nicht an blutverschmierter front. abschied es wird nacht im haus der vollen zeit. einer ist immer, der den vorhang schließt, die augen küsst zum letzten mal, die hand zum eingang führt und die tür zum abschied öffnet, tränenreich im leid. im lager wächter, hörst du meine stimme nicht im gang deiner festen schritte? wenn die posaune tönt im lager unserer wirklichkeit, schenkst du uns allen schläge. nur den hunden nicht, sie sind dir freunde. ******** geheimnis des glaubens: bäche, dem durst still entgegen. und kein wellenschlag auf müde rücken. alle gedichte: linz, 2008 Hubert TASSATTI Linz