XICÖATL 76

 

XICöATL

XICöATL: Ausgabe 76

XICöATL Nr. 76, Juli/September 2006
XICöATL 76

INHALT:

  • Wettbewerb: 2. Wettbewerb für Umweltfotografie XICöATL "Ziehender Stern". Luis Alfredo Duarte Herrera
  • Mozart: Der widergeborene Mozart. Juan María Solare
  • Lyrik: Gedichte. Patricia Muñoz Mesa
  • Portugiesisch: Warum Portugiesisch in Salzburg studieren? Elóide Kilp
  • Erzählkunst: Bleich aber ungetrübt. Carlos Eduardo Zavaleta
  • Österreich: Gedichte. Petra Haller

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Wettbewerb

Luis Alfredo Duarte Herrera

2. Wettbewerb für Umweltfotografie XICöATL "Ziehender Stern" - Luis Alfredo Duarte Herrera

1997 veranstaltete unser Verein für lateinamerikanische Kunst, Wissenschaft und Kultur "YAGE" in Österreich, den ersten Wettbewerb für Umweltfotografie XICöATL "Ziehender Stern". Die Einladung zur Beteiligung wurde von einer großen Zahl von Menschen, die sich der wachsenden Bedrohung bewusst sind, die die Industriegesellschaft für das Leben auf diesem Planeten darstellt, auf verschiedenen Ebenen begeistert aufgenommen. Wir haben sehr dankbare Erinnerungen an dieses Ereignis, das eine TeilnehmerInnenzahl von 76 FotografInnen aus 16 verschiedenen Ländern, besonders aus Lateinamerika, aufweist. Einige von ihnen waren Berufs-, die überwältigende Mehrheit HobbyfotografInnen.

Durch diese Veranstaltung erzielten wir eine große Anzahl an positiven Auswirkungen in verschiedenen Ländern, darunter auch die, dass das Österreichische Umweltministerium in der Folge einen internationalen Preis für Umweltprojekte ausschrieb, der alljährlich vergeben wird, analog zu unserem, aber gut dotiert. Aus diesem gingen schon mehrere lateinamerikanische Umweltschutzinitiativen als Siegerprojekte hervor. Auf internationaler Ebene sind die Reflexion und das Agieren, das wir bewirkt haben, wert, hervorgehoben zu werden; wir wurden später über die Lösung einiger der Probleme informiert, die wir auf den Seiten der 39/40. Ausgabe des Lateinamerikanischen Kulturmagazins XICöATL (Nov./Dez. 1998 - Jän./Feb. 1999) aufgezeigt hatten. Diese Nummer schickten wir an alle WettbewerbsteilnehmerInnen, sowie an verschiedene spezialisierte Autoritäten und Einrichtungen in verschiedenen Ländern. Auf lokaler Ebene gelang es uns, eine schöne didaktische Ausstellung zusammenzustellen, die wir - was uns mit Stolz (und gleichzeitig mit Sorge) erfüllt - zwei Monate lang an der Naturwissenschaftlichen Fakultät der Universität Salzburg und danach in verschiedenen Bildungs- und sozialen Zentren des Bundeslandes Salzburg zeigten, begleitet von zahlreichen Vorträgen über verschiedene, speziell auf Lateinamerika als Beispiel bezogene, allgemeine und spezifische Umweltthemen.

Fast zehn Jahre nach dieser wunderbaren Erfahrung wollen wir diesen Geist des Umweltschutzes, der uns seit dem Beginn unserer Aktivitäten begleitet, von neuem bestätigen. Aus diesem Grund rufen wir alle jene Menschen auf, an unserem Projekt teilzunehmen, die sich der Notwendigkeit bewusst sind, konkrete Aktionen zu unternehmen, die in einer Verbesserung der individuellen sowie der gemeinschaftlichen Lebensqualität ihren Niederschlag finden. Nach der bewussten persönlichen Sorge, die zu tragen jeder das Recht und die Pflicht hat, stellt der Schutz der Umwelt, in der sich unser Leben abspielt, die dringendste Notwendigkeit dar, um ein harmonisches und glückliches Leben führen zu können.

Wir wissen um das wunderbare, ebenso dienliche wie destruktive Potential, das die Industriegesellschaft hervorgebracht hat. Wir sind bezüglich der Zukunft der Menschheit optimistisch, aber es ist notwendig, am Bewusstsein für verschiedene Umweltprobleme und an ihren Lösungen zu arbeiten, um die nötigen Korrektive in die Praxis umzusetzen, zu verhindern, dass die Zerstörung fortschreitet, und schließlich die Lebensqualität aller und jedes einzelnen Lebewesens, das auf diesem außergewöhnlichen und in Staunen versetzenden Planeten mit den anderen zusammen lebt, zu retten und zu verbessern. Als Beispiel können wir die Fortschritte während der kurzen Zeitspanne unseres Projekts nehmen: die rasche Entwicklung und der massenhafte Zugang zum technologischen Fortschritt werden dem 2. Wettbewerb für Umweltfotografie XICöATL "Ziehender Stern" durch die Verwendung der digitalen Technologie und des Internet eine größere und zugleich umweltfreundlichere Verbreitung ermöglichen. Von diesem Gesichtspunkt aus stellen die Ersparnis an Papier, Tinte und chemischen Produkten für den Druck, den Transport auf dem Land- und Luftweg, sowie die Ersparnis von Kosten und von persönlichen Dienstleistungen einen Fortschritt dar, der all jenen hinzuzurechnen ist, die täglich auf der ganzen Welt zugunsten der Verbesserung der Lebensqualität geleistet werden. In diesem Geiste laden wir Sie herzlich ein, auch diesmal wieder an unserer erneuten Bestandsaufnahme der Umweltprobleme und deren Lösungen teilzunehmen, oder aus einer anderen Perspektive auch die ganze Poesie, Schönheit und das Wohlwollen des großartigen Planeten, den wir als ein Geschenk erhalten haben, fotografisch darzustellen.

Andererseits danken wir Ihnen für Ihre großzügige Unterstützung bei der Verbreitung der Grundlagen und Ziele des Wettbewerbs; nur das wird garantieren, dass wir die Ziele erreichen, die wir uns gesteckt haben, sowie die Freude, unsere Probleme, Lösungen, Träume und Hoffnungen im Hinblick auf die Umwelt im nächsten Jahr mit einer außergewöhnlichen Gruppe von Menschen in der ganzen Welt teilen zu können.

Luis Alfredo DUARTE HERRERA

Übersetzung: Ulrike ZOMORRODIAN- SANTNER

WETTBEWERBSBEDINGUNGEN:

- THEMEN: Der Wettbewerb hat drei Themen:
a) künstlerische Fotografie zu einem ökologischen Thema,
b) Umweltprobleme,
c) Lösungen für Umweltprobleme.
- FOTOS: Zu einem Thema können maximal 5 Digitalfotos eingeschickt werden, in Farbe und/oder schwarz-weiß, Maximalgröße für jedes Foto 500 KB, Format jpg, bmp oder gif.
- BEILAGEN: Die Fotos sollen mit zwei Word Dateien beigefügt werden.
1.) Eine Datei mit dem Titel "Pseudonym+Beschreibung" (Maximal 1 Seite Format Din A4), die kurz die Botschaft, das Problem oder die Lösung umreißt, und die Pseudonym des Teilnehmers enthalt.
2.) Eine Datei mit dem Titel "Pseudonym+Daten" mit Name und Nachname, Pseudonym, Postanschrift, e-Mail Adresse, Telefon und/oder Fax und kurzer Lebenslauf des Teilnehmers.
- Einsendeschluss für die Arbeiten: 31. Oktober 2006.
- Die Ergebnisse werden im Heft Nr. 79 von XICöATL "Ziehender Stern", sowohl gedruckt als auch digital auf unserer Homepage www.euroyage.com, bekannt gegeben (April/Juni/2007).

PREISE:

- Es gibt insgesamt 7 Preise: 4 PREISE à € 200 für Probleme und/oder Lösungen, und 3 PREISE á € 200 für künstlerische Fotografie. Außerdem die Veröffentlichung in unserem dreisprachigen lateinamerikanischen Kulturmagazin XICóATL "Ziehender Stern".
- Ehrenurkunde und Veröffentlichung ausgezeichneter Arbeiten.

Die Arbeiten sind einzusenden an:
euroyage@utanet.at

Juri: Dr. Susanne Stadler (Umweltschutz Land Salzburg), Michael Mauracher (Universität Mozarteum, Galerie Fotohof Salzburg), Walkala (YAGE).

Mozart 

Juan María Solare

Der widergeborene Mozart - Juan María Solare

Juan María SOLARE (Buenos Aires 11/8/1966). Er ist Komponist und Pianist, erfuhr seine musikalische Ausbildung hauptsächlich in Buenos Aires und Köln. Seine mehr als 250 Kompositio-nen werden in vielen Ländern Europas und in Amerika aufgeführt und im Rundfunk gesendet. Er unterrichtet Klavier an der "Musikschule Bremen", hält Vorträge und Seminare über zeitgenössische Musik und leitet ein Ensemble an der Bremer Uni-versität, das sich dem Tango widmet. Juan María komponiert Musik für Kurzfilme und Animationen für das Internet. Als Klavierspieler gehören seine Vorlieben dem Tango und der klassischen Musik des 20. Jahrhunderts. Er schreibt für viele Zeitschriften (ca. 200 Essays und Erzählungen, die in Argentinien, Spanien, Mexiko, Deutschland, England und Österreich veröffentlicht wurden.) (Foto: Lea Dietrich).

Der widergeborene Mozart

Unter den zahlreichen Herausforderungen denen sich unser Kollege Mozart im Laufe der Zeit stellen musste um seine außermusikalischen Schulden abzubüßen war auch jene des Wiedergeborenwerdens. Anfangs lebte er in einigen kleinen Musikern und so sammelte er Verdienste indem er sich in Geduld übte: irgendetwas in ihm wusste ganz genau dass er nur Müll schrieb, aber er konnte es auch nicht besser machen. Letztendlich konnte er in einen Körper eintreten der ihm erlaubte, erneut sein ganzes kompositorisches Können zu entfalten, welches sich über die Generationen hinweg nicht verringert hatte.

So finden wir den alten Mozart vor, selbstverständlich unter einem anderen Namen; er hat in der gegenwärtigen Epoche (ganz egal welche das auch sein mag) bereits eine gewisse kompositorische Reife erreicht. Und nun begibt er sich auf Arbeitssuche. Er stellt seinen Lebenslauf bei allen nur erdenklichen Ausbildungseinrichtungen vor, bis er schließlich von der "Universität an deren Name..." zu einem Gespräch eingeladen wird. Es geht um die Vergabe des Hauptlehrstuhls für Komposition, er ist einer der viel versprechendsten Anwärter auf den Posten. Wenn er eingestellt wird, kann er sich endlich von der immer wiederkehrenden Schande befreien, Schülern Klavierstunden zu geben die sie nicht erhalten wollen.

- Tag, ich bin die Wiedergeburt von Mozart und ich möchte den Posten.
- Ja, alle glauben das gleiche, aber dafür gibt es ja eine Kommission die auf der Basis von nachweisbaren Leistungen eine Auswahl trifft; Sie werden sich gegen andere Kollegen beweisen müssen.
- Derartige Konfrontationen fürchte ich nicht; ihnen war ich während all meiner Leben ausgesetzt.
- Wir haben eine Vorauswahl an drei Kandidaten getroffen und Sie haben hervorragende Chancen, aber jetzt müssen wir uns erst einmal ihre Vorgeschichte im Detail ansehen. Wir beginnen mit den Empfehlungsschreiben.
- Ich habe noch ein Empfehlungsschreiben von Haydn. Es ist wie ein Blankoscheck. Nehmen Sie es, ich überlasse ihnen eine Kopie.
- In der Tat, wirklich erstaunlich. Und haben Sie nur bei Haydn studiert oder auch noch bei jemand anderem?
- Ich habe auch Kompositionslehre und Geige bei meinem Vater Leopold belegt, aber heute beeindruckt dieser Name niemanden mehr. Sie wissen ja, die Geschichte ist sehr willkürlich. Ich habe auch ein Foto mit Beethoven. Er hätte fast bei mir studiert, aber ich war gerade mitten in einer arbeitsreichen Phase, bin regelmäßig gereist und so konnten wir schließlich keinen passenden Termin vereinbaren. Schauen Sie nur wie wahnsinnig jung ich auf diesem Foto wirke. Allerdings wurde ich damals nicht besonders alt. Aber es ist klar, dass all das als Präsentation meiner Arbeit für den Posten nicht besonders griffig ist.
- Glauben Sie das nicht. Es gibt einen, der ständig seine Fotos mit Berio und Stockhausen präsentiert und einen anderen, der in seinen Lebenslauf die Tatsache einfügt, mit Luigi Nono Kaffee getrunken zu haben. Um zu Ihnen zurückzukommen, wie sieht es mit eigenen Kompositionen aus? Können Sie uns eine zeigen, wenn möglich mit Aufnahme?
- Ich habe um die fünfzig sinfonischen Werke, aufgenommen von praktisch allen Orchestern der Welt. Auch einige Streichquartette; beachten Sie besonders die letzten, sie sind ein bisschen komplizierter aber es zahlt sich wirklich aus. Außerdem besteht die Hälfte meines Schaffens aus Opern, die fast alle heute noch aufgeführt werden.
- Nicht schlecht, wirklich nicht schlecht. Bestimmt haben Sie auch Lehrerfahrung?
- Ja natürlich. Während meiner ersten Wiedergeburten habe ich mich hauptsächlich dem Unterrichten von Musik gewidmet. Alles zusammen ergibt das einhundert und drei Jahre an gediegener Lehrertätigkeit.
- Ah, sehr gut. Das ist besonders wichtig, weil wir weder Improvisationskünstler noch Anfänger suchen. Und nach ihrem Studium mit Haydn und mit ihrem Vater haben Sie ja sicherlich an aufbauenden Studien teilgenommen, nicht wahr?
- Als Schüler nicht, aber ich habe solche Aufbaukurse geleitet.
- Aufbaukurse zu besuchen würde ihnen mehr Punkte bringen, aber solche Kurse zu leiten gewährt keine Zusatzpunkte. Egal, eine Zusatzausbildung ist nicht der entscheidende Faktor. Erzählen Sie uns nun von den Zielen die Sie verwirklichen wollen falls Sie den Posten erhalten sollten.
- Ich habe bemerkt, dass sich in den letzten beiden Jahrhunderten die Kluft zwischen den Komponisten und den Interpreten zu sehr verbreitert hat, und das ist ein großes Problem. Wenn es so weitergeht werden wir bald im Abstrakten komponieren, weder für reale Instrumente noch für konkrete Sänger. Deswegen ist es meine Absicht jeden meiner Kompositions-Schüler mit einem Interpreten beziehungsweise einem Instrumental-Studenten zusammenarbeiten zu lassen.
- Diese Idee widerspricht unseren Grundsätzen, die auf der demokratischen Trennung der musikalischen Gewalten basieren: genauso wie es in der Politik die legislative, die exekutive und die juridische Gewalt gibt, glauben auch wir an eine strikte Aufgabenverteilung unter Komponisten, Interpreten und Kritikern, ohne Überschneidung von Funktionen oder Funktionären. Nichts desto trotz schätzen wir an dieser Universität die Initiative und die eigene Meinung unseres Personals sehr hoch. Sie werden sich schon an unser System anpassen, ohne dass Sie es überhaupt richtig bemerken. Sprechen wir also jetzt über ihre Titel und Diplome.
- Ein Diplom für Komposition ? So etwas gibt es nicht.
- Wir suchen einen PhD, einen Doktor der Kompositionslehre. Wir möchten das Niveau unseres Lehrpersonals steigern.
- Als ich bei Haydn oder wem auch sonst noch studiert habe ist es nie jemandem in den Sinn gekommen mir ein Diplom auszustellen. Was beweist ein Diplom schon? Dass ich komponieren kann? Dazu gibt es meine Werke.
- Ein Diplom ist eine Garantie: es zeugt von einer universitären Ausbildung. Wir können ja nicht irgendjemanden einstellen.
- Also, ein Diplom habe ich nicht.
- Das kann sich als großes Hindernis herausstellen. Alle anderen Bewerber können ein Diplom in Komposition vorweisen.
- Und was haben sie für Stücke komponiert? Und von wem bringen sie Empfehlungsschreiben?
- Die Kompositionen und die Empfehlungsschreiben beweisen die musikalische Qualität, aber wir brauchen akademische Qualität, und die wird eben nur durch ein Diplom garantiert.
- Aber was ist mit dem Schreiben von Haydn? Ist es nicht genauso viel wert wie ein Diplom, übertrifft es ein solches nicht sogar?
- Die Diplome werden von renommierten Einrichtungen ausgestellt, ein Schreiben wird aber einfach von irgendeiner Einzelperson verfasst.
- Aber in diesen renommierten Einrichtungen, wie sie sie nennen, gibt es da auch genauso renommierte Personen die die Diplome unterzeichnen, was glauben Sie?
- Wie Recht Sie haben, aber wir wollen eben einen Doktor.
- Aber wo liegt da der Unterschied? Was hat schon ein Doktor in Kompositionslehre erreicht, was ich nicht auch habe?
- Wenn es sie so sehr interessiert kann ich ihnen konkrete Beispiele nennen. Einer der anderen Kandidaten hat zum Beispiel eine außergewöhnliche Doktorarbeit verfasst, in der er eines der bedeutendsten Werke der Musikgeschichte gründlich analysiert hat.
- Und welches Werk hat dieser Herr analysiert?
- Die Sinfonie Nummer 40 von Mozart. In seiner Arbeit zeigt er mikro-makroskopische Relationen auf und erstellt eine Statistik über die Häufigkeit des Auftretens jeder einzelnen Note. Er hat herausgefunden, dass die Anzahl der aufsteigenden Intervalle genau jener der absteigenden Intervalle entspricht, das heißt es herrscht das perfekte Gleichgewicht. Zuvor war das noch niemandem aufgefallen, es ist ein wirklich origineller Beitrag.
- Aber dieses Stück habe doch ich komponiert! Wollen sie den Posten wirklich diesem Kauz geben der mein Werk analysiert hat, und nicht mir der ich es komponiert habe?
- Dieser Herr hat mit seiner Analyse einen akademischen Titel erlangt. Und was haben Sie? Sie haben sich darauf beschränkt das Werk zu schreiben, aber er hat es erklärt. Selbstverständlich ist das mehr wert!
- Intervalle zu addieren und zu subtrahieren bedeutet Musik zu "erklären"? Hat er sein Diplom in Musik oder in Mathematik erhalten?
- Hören Sie, wir können hier jetzt nicht die Gültigkeit des Universitätssystems in Frage stellen; über so etwas diskutiert man nicht, zumindest nicht hier. Tatsache ist, dass er ein Diplom hat und Sie nicht.
- Unabhängig davon, wie der Einzelne komponiert ?
- Ganz genau. Die Evaluation der musikalischen Qualität ist etwas zu Subjektives, es gibt keine allgemeingültigen Parameter dafür, schon gar nicht nach der Postmoderne. Aber der Titel ‚Doktor' ist etwas Objektives auf das man blind vertrauen kann, und wie Sie sicher verstehen werden wollen wir für unser Team jemanden vertrauenswürdigen. Es tut mir leid. Ich wünsche ihnen alles Gute für ihre Zukunft, sowohl privat als auch beruflich.

Übersetzung: Karin ORTBAUER

Adresse: Adam-Stegerwald-Strasse 15, 51063 Köln - DEUTSCHLAND
E-Mail
: solare@surfeu.de

Lyrik 
Patricia Muñoz Mesa

Gedichte - Patricia Muñoz Mesa

Patricia MUÑOZ MEZA (Mazatenango, Guatemala) hat an der Universität San Carlos, Guatemala, das Studium des Agraringenieurwesens absolviert und studierte außerdem an der Internationalen Universität von Andalusien (Spanien). Sie lernt Q´eqchi´ und spricht Englisch, Italienisch sowie Französisch. Sie ist Teil des Interkulturellen Netzwerks "Utzil" gegen Rassismus und Diskriminierung und des Netzwerkes "Frauen für Frieden". Sie ist Mitglied des guatemaltekischen PEN-Clubs. Sie hat bereits zahlreiche Lesungen in verschiedenen Kulturzentren Guatemalas und Spaniens abgehalten. Ihre Texte wurden in mehreren nationalen und internationalen Medien veröffentlicht. Dafür hat sie auch bereits einige Preise erhalten. Ihre erste Veröffentlichung in Buchform trägt den Titel "Atrapada" ("Gefangen") und ist in einer zweisprachigen Ausgabe auf Spanisch und Q´eqchi´ erschienen.

GEFANGEN

Gefangen im Zentrum
einer boshaften Stadt.

Ich bin ein Gemurmel, ein Seufzer,
der gefangene, stillschweigende Schrei,
den niemand hören kann.


ICH SAH HINTER DEM GLAS

Ich sah hinter dem Glas
Prisma aus Feuer
einen reinen Tag
einen finsteren Tag

Verdammte Transparenz.

Ich sah die Scheiße der Welt blühen.
Ich sah die Haut meiner Brüder eitern.
Ich sah tausende von Würmern.

Selbst so glaube ich noch,
gar nichts gesehen zu haben.

FALL

Ich schließe die Augen,
tauche ein ins Nichts,
unendliche Finsternis
von tiefer Schwärze.

Unvollendeter Abgrund.

Es nähert sich die Angst,
die fürchtet, aufzutauchen.
Eine Stille, die erschreckt,
ertränktes Unheil,
gefangen in Blasen,
die ich nicht erreichen kann.

Eine Reise ins Leere,
in einer fernen Welt
aus Formen und Schatten
in umgekehrtem Fall.


ICH DURCHDRANG DIE TIEFEN

Ich durchdrang die Tiefen
der Erde.
Ich schlug weiße Wurzeln
in einer abstrakten Welt.
Ich wuchs auf zwischen
Ungleichheit und Entzauberung.
Ich durchdrang die Tiefen
des Vergessens und erinnerte so vieles.
Ich hielt das Mysterium in Händen.
Ich spielte einen Gott im Wahnsinn.
Ich leckte den Honig des Lebens.
Ich leckte das Salz deines Körpers.
Und ich bin immer noch hier,
verloren im Schweigen.

Übersetzung: Judith MOSER-KROISS

Adresse: 31 avenida 13-76 zona 7 Ciudad de Plata II, Ciudad de Guatemala - GUATEMALA
E-Mail
: patriciamunozmeza@gmail.com

Portugiesisch 
Elóide Kilp

Warum Portugiesisch in Salzburg studieren? - Elóide Kilp

Dr. Phil. Elóide Kilp, Universitätsdozentin für Deutsch und Portugiesisch, Brasilianische Literatur und Kulturwissenschaft, Übersetzung, Methodik und Didaktik des Portugiesischen an der Pontifícia Universidade Católica do Rio Grande do Sul-PUC-RS und der Universidade Federal do Rio Grande do Sul- UFGRS in Brasilien. Von 1992 bis 2003 als Portugiesischdozentin an der Katholischen Universität Eichstätt-Ingolstadt und von 1995 bis 2002 als Sprachtrainerin bei der Audi Akademie in Deutschland. Seit 2003 an der Universität Salzburg verantwortlich für die portugiesisch-brasilianische Sprache und Kulturwissenschaft. Unter den Publikationen Werke für Portugiesisch wie "Langenscheidts Grundwortschatz Portugiesisch" als auch für die Fremdsprachendidaktik in der Erwachsenenbildung wie "Aspekte einer Spielandragogik".

Warum Portugiesisch in Salzburg studieren?

Schon im Winter 1797/98 schwärmte der weitgereiste Alexander von Humboldt von Salzburgs Pracht: "Die Gegenden von Salzburg, Neapel und Konstantinopel halte ich für die schönsten der Erde." Hätte er doch geschwiegen, denn erst im Jahr darauf, Mitte1799, reiste er von Salzburg über Paris nach Brasilien. Denn 140 Jahre später bekannte der Schriftsteller Stefan Zweig, der den gleichen Weg nahm: "Wer Brasilien wirklich zu erleben weiß, der hat Schönheit genug für ein halbes Leben gesehen." Die Beziehung von Salzburg zu Brasilien war von Anfang an eine sehr privilegierte, da auch die erste brasilianische Kaiserin Leopoldina als österreichische Prinzessin geboren ebenfalls das Salzburger Land zu schätzen wusste, aber sich später auch in Brasilien verliebt hatte.

So ist es nicht verwunderlich, dass Portugiesisch in Salzburg seit dem Start in den 60er Jahren des vergangenen Jahrhunderts besonders in der brasilianischen Ausprägung und durch Brasilianer vertreten wurde. Salzburg hat dadurch auch die längste kontinuierliche Tradition für Portugiesisch in Österreich. Mit der Berufung von zwei neuen Dozenten für den Bereich Portugiesisch in 2003 und 2004 wurde die Betonung noch mehr auf die brasilianische Sprache, Literatur und Kultur gelegt. Bereits existierende Partnerschaften mit brasilianischen Universitäten wurden revitalisiert und neue begründet. So können Studenten der Universität Salzburg unter vier brasilianischen Universitäten wählen. 2004 wurde durch das MEC - Brasilianische Erziehungsministerium die Brasilianische Sprachprüfung CELPE-Bras in Salzburg und damit in Österreich eingeführt. Die Prüfung wird zweimal im Jahr durchgeführt, April und Oktober, und ist gedacht für Teilnehmer, die ihre Sprachkompetenz in der portugiesischen Sprache nachweisen wollen oder aus beruflichen oder akademischen Gründen müssen.

Portugiesisch ist mit über 200 Millionen Muttersprachler, mehr als doppelt so viele wie das Französische, davon 183 Millionen Brasilianer, sicherlich ein Kernfach der Romanistik, wohl von den meisten unterschätzt als sogenannte kleine Sprache unter dem Einfluss der Klischees von Samba, Fußball, Caipirinha und Karneval. Diese Fehleinschätzung der portugiesischen Sprache liegt einerseits begründet in dem geringen Einflusses von Portugal innerhalb der EU, andererseits in der Denkweise der selbstzufriedenen Brasilianer, die Brasilien lange als autarken Kontinent betrachteten und sich erst in den letzten Jahren dem internationalen Markt öffnen und dadurch auch internationaler denken.

Es zeichnet sich in der südamerikanischen Wirtschaftszone MERCOSUL bereits ab, dass Brasilien durch seine Wirtschaftskraft von 501 Mrd. US$ (2001) gegenüber den 359 Mrd. US$ der anderen fünf (spanischsprechenden) Mitgliedsstaaten eine Führungsrolle einnimmt, wodurch auch die portugiesische Sprache in Südamerika an Bedeutung gewinnt.
Bereits 60 österreichische Firmen haben die Bedeutung des brasilianischen Marktes und die aufstrebende Wirtschaft erkannt und investieren in diese neuen Perspektiven. Weitere Informationen:
Portugiesisch an der Universität Salzburg: www.sbg.ac.at/rom/home.htm
CELPE-Bras: www.mec.gov.br/sesu/celpe
E-Mail: eloide.kilp@sbg.ac.at

E-Mail: eloide.kilp@sbg.ac.at

Erzählkunst 
Carlos Eduardo Zavaleta

Bleich aber ungetrübt - Carlos Eduardo Zavaleta

Carlos Eduardo ZAVALETA (Caraz, 1928). Bekannt wurde er als erstes Gesicht der Generation der 50er Jahre. Seit 1948 widmet er sich der Übersetzung von Klassikern des zwanzigsten Jahrhunderts. Verschiedene Stipendien führten seinen Weg durch die USA, Spanien und Großbritannien. Er hat zahlreiche Preise gewonnen, unter anderem im Genre Erzählungen den Preis "Ricardo Palma" (1952), im Bereich Essays den Preis "Manuel González Prada" (1959), den des Spanischen Journalismus "Bauzate y Mesa" (1984) sowie den "Premio Nacional" für die Novelle "Federico Villarreal" (2000). Zurzeit ist er Professor für Nordamerikanische und Lateinamerikanische Literatur in der Universität "Nacional Mayor de San Marcos" (Lima). Pálido, pero sereno (dt. Totenbleich aber ungetrübt) (sein Buch der hiesigen Sammlung)) wird als sein bester Roman angesehen, in dem sich städtische und andine Einflüsse vereinen.

Bleich aber ungebtrübt
(Aus dem Roman "Pálido pero sereno"; Zavaleta, Carlos Eduardo; Editorial San Marcos, Lima, Peru, 2005, 524 S.)

S. 206-207:

Kurzum, ich fand heraus, dass hundert Soles fehlten, was damals eine beträchtliche Summe war. Ich versteckte mich hinter dem Vorhang, um Pablo, den Dieb der Familie, zu ertappen. Ich war mir beinahe sicher, aber ich brauchte noch die Genugtuung, ihn zu erwischen. Die Müdigkeit hatte mich schon fast besiegt, und die Zimmer schienen verlassen, als ich Pablo - wen sonst? - hastig das Schlafzimmer betreten hörte. Ich wartete knapp eine Minute, gerade genug für den Eindringling, um in die Kassette zu greifen, und da trat ich hervor, knipste das Licht an und stieß einen Siegesschrei aus. Doch der Dieb war nicht Pablo, sondern Klein-David, der mit hilflosem Blick und schmerzlich verzogenem Gesicht den Hunderterschein in der Hand hielt. Obwohl auf mein Geschrei hin sein Vater bereits herbeigelaufen kam, waren seine Hände wie erstarrt, und er schien außer Stande, die Kassette zu schließen oder zu fliehen. "Sag, Pablo habe dich geschickt", raunte ich ihm zu, ohne recht zu wissen, was mich dazu trieb. "Ja, wie du dir denken kannst, Papa, hat Pablo mich geschickt, diesen Schein zu holen", sagte er, als sein Vater hereinstürzte und schon den Riemen schwang.
Gott möge mir verzeihen, aber, dass ich mich so verhielt, war keine böse Absicht, sondern ich hatte mein Nesthäkchen nur vor einer Tracht Prügel bewahren wollen. Pablo tauchte erst eine Stunde später auf; mit seinen fünfzehn Jahren hielt er sich bereits für erwachsen und kam einfach so zu spät zum Essen. "Na, du kannst was erleben, du Dieb", schimpfte sein Vater, und gleich dort im Flur umzingelten wir ihn alle, und dann hagelte es Schläge, dass ihm Hören und Sehen verging. Es war das erste Mal, dass er heulte, aber vor Wut: Er beteuerte, er sei unschuldig und nicht auf fremdes Geld angewiesen, denn er verdiene genug, indem er seinen Kameraden in der Schule ihre Arbeiten schreibe, und dann fügte er noch hinzu, Klein-David wisse das ganz genau. Der Feigling solle endlich den Mund aufmachen; doch mein Liebling war zu eingeschüchtert und außer Stande, seine Schuld einzugestehen; und bebend vor Zorn, schlug mein David immer weiter auf Pablo ein. Unter diesem Vorwand blieb der Rebell erneut der Schule fern; am Tisch wiederholte er, es sei Sache seines Bruders, dieser Memme, die Dinge klarzustellen. Bis sein Vater ihm mit einer Ohrfeige den Mund gründlich verschloss.
Später meldeten sich beide in der Universität an, und die Akademie und die Aufnahmeprüfungen kosteten uns eine Menge Geld. Pablo sagte, er habe die Akademie nicht nötig, denn er sei gut vorbereitet; doch ich schrieb ihn zwangsweise ein, damit er das gute Niveau seines Bruders erreichte. Dann kam Ende März, und ich bereitete ein Fest zu Ehren von Klein-David vor (und nebenbei auch für den anderen, klar). Davidlein kam allein nach Hause, wortlos und den Tränen nahe. "Hat dein Bruder dich etwa geschlagen?", schrie ich und rief Papa-David, damit der den Übeltäter windelweich prügelte. Aber nein; Davidlein begann loszuheulen und sagte, er sei gar nicht zur Universität zugelassen, Pablo hingegen schon. Groß-David und ich klammerten uns aneinander, besonders vor den Gästen, und dann schneite Pablo herein, unter lautem Beifall aller Anwesenden, so dass uns nichts anderes übrig blieb, als weiter zu feiern. Pablo flachste und sagte grinsend, als Nächstes habe er vor, ein Stipendium zu beantragen und ins Ausland zu gehen. Unterdessen hatte Davidlein sich in sein Zimmer verkrochen.
Im darauf folgenden Jahr wiederholte Davidlein die Aufnahmeprüfung… Natürlich hatten wir ihn in die beste Akademie geschickt. Zur gleichen Zeit redete Pablo von seinem Stipendium für die Vereinigten Staaten, als hätte er es bereits in der Tasche. Alle außer Pablo bangten mit klopfendem Herzen um Klein-Davids Schicksal... Um ganz sicher zu gehen, hatte ich mit dem Direktor der Akademie geredet und ihm hunderttausend alte Soles bezahlt, mehr als genug, so wie es die Eltern anderer Schüler auch taten, und schließlich wurden in alphabetischer Reihenfolge die Listen derer, die bestanden hatten, ausgehängt. Am ersten Tag war Davidlein voller Sorge, denn er musste sich noch bis zum "J" gedulden. Am zweiten Tag, einem Freitag, erschien keine neue Liste. Als ich nach Hause kam, hörte ich deutlich jemanden das alte Holzkistchen (ich hatte kein neues gekauft, um das Schicksal nicht herauszufordern) öffnen und wieder schließen. Montags endlich kehrte David glückstrahlend heim. Ach, was habe ich ihn umarmt, und dann bin ich gleich mit ihm losgestürmt, damit sein Papa ihn ebenfalls in die Arme schließen konnte! Alle drei tanzten wir wie wild durchs Wohnzimmer, und dann sind wir ins China-Restaurant essen gegangen und haben Pablo völlig vergessen.

S. 224:

Allerdings standen dem Schauspiel der stolz im Meer versinkenden Sonne, inmitten eines schmeichelnden Geleitzugs gelb, rot, violett leuchtender Schwerter, der Wache hielt, um ihrem Tod ruhmvollen Glanz zu verleihen, bei uns im Hochland die Mondnächte in nichts nach.
Vielleicht weil mich die Landschaft zu sehr gefangen hält, kann ich noch nicht zu Gott finden. Ich huldige ja gerade erst der Sonne, dem Mond, der Erde, doch bis zum Morgen oder zum Abend der Urbevölkerung bin ich noch längst nicht vorgedrungen, geschweige denn bis zum Mittelalter der Konquistadoren.
Die merklichste Veränderung, seit ich Silhuas verlassen habe, war die Nacht. Vielleicht besteht der eigentliche Unterschied zwischen Sierra und Küstenregion überhaupt in der Nacht, die sich in der Sierra das Unheimliche und damit ihre Wichtigkeit bewahrt hat. Zwar gibt es in den Dörfern auch elektrisches Licht, doch die Glühbirnen scheinen kaum heller als Kerzen, und der winzige Lichtkreis wird wie eh und je von der umgebenden Dunkelheit erdrückt. Mama hat einmal gesagt, wie sehr sie sich darüber wundere, dass man in Lima die Nacht nicht ebenso achte wie in der Sierra. In Kleinstädten wie Caraz aßen wir immer noch vor Einbruch der Dunkelheit zu Abend und benutzten später Lampen im Haus und im Freien; die Dunkelheit verschluckte nahezu das erleuchtete Stadtgebiet. Die Straßen waren wie tiefe Schlünde, und, wer Rang und Namen hatte, ließ sich von einem Burschen mit einer Laterne den Weg leuchten, während für die Armen draußen finstere Nacht herrschte, und sie nur in ihren Häusern Kerosinlampen hatten.
Mit elektrischem Licht kam die Abendmahlzeit einem zweiten Mittagessen gleich, und anschließend blieb die Familie noch beisammen, und man unterhielt sich, spielte Karten, hörte Radio oder ging aus und mischte sich unter das bunte Treiben auf dem Paseo Colón. "In den ersten Nächten als Neuankömmling in der Hauptstadt", sagte meine Mutter, "habe ich die Stille vermisst, die Angst vor der nächtlichen Dunkelheit, oder ich fürchtete, diese sei so fadenscheinig, dass man sie kaum als Finsternis bezeichnen könne - ein Wort, das an der Küste fast verpönt ist -, und der Schlaf übermannte mich, weil ich vom Morgengrauen an auf den Beinen war; doch in Lima besaß der Tagesanbruch kein eigenes Licht, und die Sonne bekam man nur im Sommer zu Gesicht." So geschah es, dass sie, wie sie sagte, anfing, nachts aufzuwachen und keine Ruhe fand, weil die anderen im hellen, künstlichen Licht wie in einem Geisterhaus lauthals weiter redeten und lachten. Erst mit der Zeit gewöhnte sie sich daran und las schließlich Zeitung, wodurch sie Dinge aus der Welt erfuhr, von denen man in den Bergen nichts ahnt, während draußen die letzten Autos über den Asphalt glitten, was ein wohliges Geräusch erzeugte, wie plätscherndes Wasser, und das in einer Stadt, in der es nie regnete. Augenscheinlich verlor sie jedoch niemals ihre Angst vor der Dunkelheit, nicht nur, wenn sie an die Reisen über die höllischen Bergpfade von Sihuas, Pombamba oder Corongo zurückdachte.

Págs. 402-403:

"Wer war Herr über sein Gedächtnis? Der Geist schwebte in der Luft, und auch das war das Leben, das Erhoffte und Unerfüllte, das Gesagte, ohne Recht zu haben. Das Überraschende verursachte mehr Herzklopfen als die Illusion. Dennoch erfolgten all diese abschweifenden Überlegungen auf dem festen Fels seiner Entschlossenheit: Er würde fortgehen, wenn Prado nicht mehr da wäre. Beschämt über diese Art der Regierungen, würde er sein Land nicht wieder sehen.
Im folgenden Sommer lud er Linda zu einem Trip nach Europa ein. Sie mussten raus aus diesem Urwald, wo die Hitze in einigen Straßen den Müll verfaulen ließ und die Menschen, speziell die jungen Männer, wieder zu Wilden wurden und sich um Jahrhunderte zurückentwickelten. Außerdem entvölkerte sich die halbe Stadt, was Leere hinterließ wie die Aussaat toten Samens.
Die Reise begann in Genua und dem herrlichen Umland dieser Stadt. Er erkannte das Meer als seinen zweiten Lebenssaft neben dem Schatten der Berge und Gletscher, die er aus Peru in sich trug. Renata, die in der Zwischenzeit geheiratet hatte, diente ihnen als Fremdenführerin. Nicht nur als Frau schien sie ein angenehmer Lichtpunkt. Wie das erste Mal bei Elaine beobachtete er jetzt Lindas Reaktion auf die Alte Welt und stellte die Unterschiede fest. Doch schon sehr bald blieb Elaine im Schatten, und sie besuchten immer mehr Dörfer und Städte dieses Kontinents, der zugleich klein und unendlich wirkte. Beladen mit Prospekten und Kameras erkundete Linda alles voller Enthusiasmus, wenn auch schweigend; nur ab und zu, vor einem Kunstwerk oder einer herrlichen Landschaft, drückte sie sich kräftig an ihn und dankte ihm, dass er sie mitgenommen hatte. Ob Mittag- oder Abendessen, sie zelebrierte die Mahlzeiten als wahres Fest der Freude und Entspannung; doch schließlich begannen ihre Nerven sich unter der Dusche zu entladen, wenn die Seife ihr die Haut, das Blut, die Zahl der Geschlechtsorgane und Münder ausdehnte, und sie sich anschließend im Bett wand wie ein feucht glänzender Fisch außerhalb des Wassers. Dann verlor die Dozentin für Recht und Politikwissenschaften die Beherrschung: Sie schrie und schüttelte mit zusammengebissenen Zähnen und viel Gestöhne den Kopf, während ihr Bauch sich immer weiter aufblähte, bis er sich entlud und das Beben ihre kräftigen Schenkel erfasste, die sie wiederholt öffnete und wieder schloss; sie lieferte sich beinahe einen echten Kampf mit ihm, bis sie ihn am Ende zurückstieß - nicht mehr, genug - und sich auf den Bauch warf; so, bezwungen auf dem Bett ausgestreckt, war sie eine wahre Augenweide.

Übersetzung: Dr. Petra STRIEN-BOURMER

Adresse: Malecón Cisneros 280- 4A Miraflores, Lima - PERU
E-Mail
: cezavaleta@hotmail.com

Österreich 
Petra Haller

Gedichte - Petra Haller

Petra Haller. 1. 4. 1973 in Wien geboren und neun Jahre in einer Agentur für Public Relations und Kommunikation als Texterin und Beraterin tätig. Nach der Geburt eines Sohnes (1999) arbeitete sie als Songwriterin und freiberufliche Texterin in Wien. Seit 2002 ist sie in der Unternehmenskommunikation (PR) der österreichischen Nachrichtenagentur tätig. Neben dem ständigen Verfassen von Lyrik entstehen derzeit erste Prosa-Werke.

GEOMETRISCH

Wir haben geredet
über die Farben des Spektrums,
über die Tiefe des Alls
und über die Launen der Natur

Der Intellekt berauscht
von der Mischung unserer Worte
in konzentrischen Kreisen.

Wir haben geredet
über mich und meine Träume,
über dich und deine Wirklichkeit
und über uns - dazwischen

Doch die Seele blieb nüchtern,
weil unberührt und reibungslos
in einzelnen Quadraten.


SCHWAMM DRÜBER

Wie alt der Schwamm schon ist,
der über der Sache liegt.
Stinkend und unerträglicher
als sie selbst

blutdurchtränkt
liegt er schwer
auf alten Wunden,
die er eigentlich zum Stillen bringen sollte.


MUTTER WARTET

Mutter wartete

auf mich, die immer zu spät,
auf den Zug, der auch niemals pünktlich
und auf Vater, der irgendwann gar nicht mehr kam
Mutter wartete
immer
geduldig
auf sich ergebende Chancen
still
auf sich entkräftende Argumente
ausdauernd
auf sich wendende Blätter
beharrlich
auf sich veränderndes Leben.

Und wenn sie nicht gestorben ist ...

VERTRIEBEN

Vor meiner Nase,
prächtig, lockend und duftend
zieht er mich an wie ein Pol
der unverdauliche Apfel,
in den ihr mich zu beißen zwingt.

Jubelnd triumphierend
bleibt er stecken im Schlund
vor dem Pförtner, der die Leichenhalle bewacht.
Nicht fähig mehr ihn hinzuspucken vor eure Beine
Würg ich mich besinnungslos

und heimatlos -
denn die Vertreibung ist erfolgt.


ALADIN

Du sagst, es sei nicht möglich,
deine Räume mit Liebe zu erfüllen.
Sie seien leer und fordern nichts.

Nichts, das Resonanz erwarten ließe
und keine Spiegelung mehr in ihren Wänden.
Kahle Zimmer mit ausgedienten Böden.

Kein Regler, der den Kälteschock verhindert
für den, der es leichtsinnig wagt,
barfuß über ihre Schwelle zu steigen.

Vom Vorraum aus wäre jede Tür versperrt,
und die Schlüssel lägen längst begraben
unter dem Schutt eines vergangnen Fundaments.

Und doch spür ich geheime Gänge
und ahne tief verborgne Schätze warten
die mich anheulen wie Wölfe das Mondlicht.

Gewappnet mit Relikten aus längst vergessnen Zeiten,
brech ich auf und folge dumpfen Stimmen.
Der schwarze Gral soll wie der Morgenstern mich führen.

Und aufpolieren werde ich die Wunderlampe,
auf dass dein Geist mir erscheine,
von dem allein ich hören will,

ich solle mich zum Teufel scheren.

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E-Mail
: haller.petra@chello.at