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XICöATL: Ausgabe 69
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Erzählungen - Alfredo Di Bernardo
Alfredo Di Bernardo wurde 1965 in Santa Fe (Argentinien) geboren. Er schreibt Erzählungen und Romane. Er hat Preise auf lokalem, nationalem und internationalem Niveau gewonnen. Verschiedene seiner Texte finden sich in Literaturzeitschriften innerhalb und außerhalb Argentiniens veröffentlicht. Er ist mitbegründendes und leitendes Mitglied der Kulturvereinigung "El Puente" in Santa Fe. Es erschienen: El Regalador de colores (Erzählungen), 1993; La realidad y otras mentiras (Erzählungen), 1999; Informe sobre miopes (Roman), 2001. Seit 2002 gibt er "El Regalador" heraus, eine wöchentliche und kostenlose, virtuelle Mikropublikation, die per e-Mail verbreitet wird.
KURZE GESCHICHTE DES GROßEN MANNES
Es war einmal ein Mann, der war so groß, dass er sich nur aufrichten, die Augen öffnen und nach vorne blicken musste, um die Wahrheiten zu lesen, die in die Wolken geschrieben standen. Die gewöhnlichen Leute bewunderten seine enorme Größe. Er hingegen, der seine Gabe offen verabscheute, hegte sein ganzes Leben lang einen melancholischen Neid gegenüber den kleinen Menschen. Niemals ergab er sich seinem traurigen Glück, dort Wahrheiten entschlüsseln zu können, wo andere, ruhig und glücklich, nur eine Wolke sahen.
DER UNVOLLKOMMENE GOTT
Von seinem Refugium aus, oben auf dem Berg, beobachtet Gott ungläubig die Kolonnen an Wanderern, die ohne Unterlass aus allen vier Himmelrichtungen herbeiströmen. Millionen von Pilgern erscheinen am hintersten Horizont und marschieren jubelnd auf den Ort zu, um jenem, der sie gerettet hat, ihre tiefste Dankbarkeit zu zeigen. Von Schuld überwältigt schüttelt Gott mit schwermütiger Resignation sein Haupt: "Sie verstehen nicht", sagt er sich, "sich verstehen nicht, dass ich alles für mich getan habe." Und er versteckt sich erneut, endgültig beschämt.
PARALLELEN
Geometrilandia ist eine sehr traurige Stadt. Auf Anordnung von wer weiß was für eine mächtige Person aus der Vergangenheit müssen die dort ansässigen Linien ihre engen Existenzen gleich verlaufend in dieselbe Richtung entfalten. Da es niemand wagt, eine jahrelang so sorgfältig gehütete Vorschrift zu verletzen, ist in der ganzen Stadt keinerlei Art von Figur finden. Mitten in diesem langweiligem Panorama an Gleichförmigkeit gibt es dennoch jene, die immer noch von dem Tag träumen, an dem die Linien schließlich beschließen würden, solch Starrheit aufzugeben, und sich heiter eine mit der anderen verbinden würden, um Kurven und Schluchten zu bilden. Sollte diese ruhmreiche Auflehnung einmal stattfinden, würde an jenem Morgen eine glückliche Menge an Kreisen und Rhomben vergnügt über die Schornsteine schweben. Die Hexameter und Trapeze würden lächelnd in den Bäumen schaukeln, die Rechtecke und Quadrate würden überall hervorbrechen und der Himmel wäre eine fabelhafte Entfaltungsmöglichkeit für kuriose Spiralen, anmutige Ellipsen und lustige Dreiecke. Das Leben in der Stadt würde ungleich schöner werden. Aber momentan ist eine derartige Veränderung der Dinge unmöglich. Sei es aus Angst, aus Unwissenheit oder aus Bequemlichkeit, die meisten Linien sind gehorsam und hinterfragen niemals ihre pathetische Geradlinigkeit. Dadurch stürzen sie die anderen, die verträumten Linien, in Trostlosigkeit, jene, die an bewölkten Nachmittagen leise ihr undankbares Schicksal ewiger Parallelen beweinen, ewige Einzelgänger, dazu verdammt, sich niemals zu berühren.
GENESIS 3.25
Und dann sprach Gott Jahwe zu Adam und Eva: "Niemals werdet ihr auf dieser Erde wieder ein Paradies betreten wie dieses, das ihr gerade verloren habt. Und ohne weiteres verlieh er ihnen die Gabe des Gewissens.
DAS GELD
Das Geld ist ein grundlegendes Werkzeug im Leben des Menschen. So grundlegend, dass man nicht müßig wird, zu betonen, dass sich die ganze Welt nur darum dreht, alles geschieht für und wegen Geld. Dank des Geldes erhält man soziale Anerkennung, es öffnen sich Türen, die ansonsten streng verschlossen blieben, es werden Ehen geschlossen, Vergnügen wird veräußert, es vertiefen sich Freundschaften, es werden Ideale verraten, Illusionen aufgegeben, Regierung gestürzt, Kriege erfunden, Allianzen geschlossen, Vorurteile ausgemerzt, Lächeln aufgesetzt, Passierscheine und Genehmigungen erwirkt, Freiheiten ausgehandelt und man erhält hervorragende Imitationen von Glück - eine große Skala an Wirksamkeiten, die, bedingt durch ihre Alltäglichkeit und ihrer tiefen Verwurzelung, die sie in den menschlichen Gepflogenheiten erlangt haben, nichts anderes zulassen, als zu bekräftigen, dass im Grunde der Mensch ein grundlegendes Werkzeug im Leben des Geldes ist.
DIE REALITÄT
Mein Freund sagte zu mir: "Vorsicht mit den Sinnestäuschungen; wir müssen realistisch sein." Aber seither hat er nicht aufgehört, zu träumen und zu träumen und zu träumen... Ich erschaudere bei dem Gedanken daran, dass einer von uns beiden falsch liegt.
DER EINÄUGIGE IST NICHT KÖNIG
Eines Morgens kam ein einäugiger Reisender in ein kleines, im Wald verlorenes Dorf. Sobald die Bewohner des Ortes seine Anwesenheit bemerkten, versammelten sie sich nach und nach mit großer Neugier um den soeben Angekommenen. Als der Reisende entdeckte, dass sie alle blind waren, dachte er gerührt, dass nun endlich die Gelegenheit gekommen sei, jemandem nützlich zu sein. Mit den besten Absichten begann er ihnen so fast magische Geschichten rund um eine geheimnisvolle Welt zu erzählen, von der sie nie gehört hatten, eine Welt, die voll von prächtigen Farben, von herrlichen Landschaften und von außerordentlichen Formen war. Anfangs zeigten sich die Blinden interessiert und lauschten den Geschichten des Reisenden mit fast kindlichem Staunen. Ihr anfänglicher Enthusiasmus dauerte jedoch nur kurz an. Im Gegenteil. Je weiter die Erzählungen fortschritten und dabei auf unwiderrufliche Weise den Begriff von Realität, der im Ort herrschte, auslöschten, nahmen ihre Gesichter einen trostlosen Ausdruck an, der nach einigen Minuten in einen eindeutig feindlichen überging. Ein zunehmendes Raunen der Empörung ging durch die kleine Menge und steigerte sich zu einem unaufhaltsamen Wasserfall von Beschimpfungen und Drohungen. Der einäugige Reisende konnte den Ursprung dieser Reaktionen nicht verstehen. Er hatte keine Zeit dazu. Noch vor Mittag lynchten ihn die Blinden, erbost über die unschuldige Grausamkeit desjenigen, der in ihnen ein nutzloses Bewusstsein über eine ebenso wunderbare wie zwangsläufig unerreichbare Realität geweckt hatte.
DIE ENGEL UND DIE BRÜCKEN
Es gibt Engel, die auf ihre Art Ingenieure sind. Sie streifen die Menschen mit ihren Flügeln und treiben sie durch diese sanfte himmlische Berührung dazu an, Brücken zu errichten. Dann, Hoffnung über Hoffnung, machen sich die Leute ans Werk und, mit mehr Enthusiasmus als Geschick, entschließen sie sich endgültig dazu sie zu erbauen. Und auch wenn sich die Brücken fast immer als fragil und kurzlebig erweisen, gehen die Menschen über sie hinüber, treffen sich, können sich umarmen, sind glücklich und lachen von oben herab, während sie mit einer gewissen irren Verachtung die anscheinend so sicheren und ruhigen Wesen betrachten, die unten am Boden verankert blieben. Aber es gibt auch faule Engel, die das Ingenieurwesen hassen und die Menschen mit ihrem eigenen Argwohn gegen diese Art der Konstruktion anstecken. Dann bleiben die Menschen still, sicher und ruhig, ducken sich unter ihren Ängsten und Unzulänglichkeiten, bleiben auf dem Boden ohne Lust, Brücken zu errichten, und jedes Mal, wenn sie nach oben blicken, fragen sie sich mit neidischer Verachtung, was wohl diese anscheinend so glücklichen Wesen machen, die oben in der Luft schweben.
DER KÜNSTLER ANGESICHTS DES MEERES
Langsam, sehr langsam näherte sich der Mann dem Rand der Felswand. Die Frau, die auf den Felsen saß, betrachtet ihn aufmerksam vom Grund einer tiefen und erwartungsvollen Stille aus. Sie beobachtete seine beschleunigte Atmung, seinen sprießenden Bart, sein zerzaustes Haar, sein helles, vom Wind malträtiertes Hemd. Er hatte etwas - eine gewisse Haltung der Hingabe an das Absolute, der trostlose Ausdruck seiner Augen - das ihn gleichzeitig majestätisch und unbesiegbar machte. Die Frau bemerkte auch die Festigkeit, mit der er eine seiner Hände schloss, und erahnte den Grund, erriet in ihr den kleinen Edelstein, mit dem - wie man sich im Dorf erzählte - der Mann sich in den letzten Monaten mit glühender Besessenheit beschäftigt hatte. In diesem Moment hatte sie die Vorahnung. Nichts Außergewöhnliches geschah, doch sie erkannte, dass etwas Beunruhigendes über die momentane Stille der Szene hereinzubrechen drohte. Unter den grauen und dicken Wolken, die die Welt zu erdrücken schienen, war der penetrante Meeresgeruch plötzlich ein Vorzeichen und der Wind ein Bote der Trostlosigkeit. Da sie verstand, dass sie nicht das Recht hatte, ein Ereignis zu verändern, das sie intuitiv als unumkehrbar erkannte, einen Ritus, der bereits seit vielen Jahrhunderten etabliert zu sein schien, wagte die Frau es nicht einzuschreiten und verfolgte die Geschehnisse gebannt: Wie der Torso des Mannes und sein rechter Arm sich krümmten, die äußerste Spannung des Körpers, die heftige Bewegung nach vorne, die Finger, als sie sich in einer unwiderruflichen Geste öffneten. Sie hatte nicht einmal Zeit, um den Mund zu einem Schrei zu öffnen. Der Edelstein zeichnete eine hoffnungslose Parabel, leuchtete zum einzigen Male gegen den Himmel -Sekunden vor dem Ende konnte sie gerade noch seine perfekte Schönheit ausmachen - und verfiel für immer in eine unendliche Gleichgültigkeit aus Salz und Schaum Ein flüchtiger Reflex von Angst überfiel die Frau; dann ein stummes Erstaunen und Entsetzen. Oben peitschte ein trauriger Wind die Gesichter. Unten zerschmetterten sich eisige Wellen tobend gegen die Felsschlucht - "Was wirst du nun tun?", fasste sie dann den Mut ihn zu fragen, mit einem leisen Säuseln, das fast ein Gebet war. Der Mann lenkte seinen Blick nicht in ihre Richtung. Mit einem leeren Gesichtsausdruck, verloren in irgendeinem unerschließbaren Punkt im Ozean, ließ er ein paar Sekunden verstreichen, bevor er mit einer müden Stimme die Antwort gab, die sie schon kannte: - "Das was ich immer tue. Neu anfangen."
DER WALZER-MANN
Unvermutet hat der Mann, der an dem Tisch sitzt, der zum Fenster hin stand, die süßliche Melodie eines Walzers von Strauss zu pfeifen begonnen, wodurch er dem Donnerstag einen einzigartigen, ans Groteske grenzenden Zug verleiht. Während das Pfeifen mit einem sanften Fließen den Raum durchläuft und dabei die übliche Nachmittagsmonotonie des alten Kaffees auflöst, verharrt der einsame Urheber dieses Bruchs in Gedanken versunken und betrachtet durch die fleckigen Scheiben die Straße, ohne zu bemerken, dass die anderen Pfarrangehörigen sich stillschweigend verschworen haben, um ein tiefe und spöttische Stille zu erzeugen, die sein ungewöhnliches Benehmen noch auffallender macht. Nach einigen Minuten gelangt das Konzert zu seinem Ende und der Schlussakkord hinterlässt in der Luft verborgen ein schwaches Gefühl von Abwesenheit. Mit absoluter Natürlichkeit trink der Mann den letzten Schluck seines Kaffees, lässt einen Schein auf dem Tisch liegen und steht auf. Gedankenverloren, wie jemand der gerade enge und komplexe Gleichungen löst, geht er einige Meter vor, weicht drei schlecht positionierten Sesseln aus und bleibt direkt vor dem Alten von der Theke stehen. "Die Wirklichkeit ist nicht so einfach wie sie scheint", behauptet er plötzlich mit philosophischer Beweiskraft, ohne mit jemand bestimmten zu sprechen. Wenig kümmert ihn der verwirrte Ausdruck des Alten, wenig kümmert ihn das höhnische Grinsen derjenigen, die ihm, belustigt, hinter seinem Rücken zuhörten. Einziger Bewohner einer Welt, die am Rande selbst seines Geistes endet, beschränkt er sich darauf, sich selbst einen Vortrag zu halten (beschränkt er seinen Vortrag auf sich selbst), als ob die anderen nicht existieren würden. "Auf der Welt leben fünf Milliarden Menschen", fährt er mit ruhiger und fester Stimme fort. "Warum soll nicht soeben einer von ihnen genau in diesem Moment denselben Walzer gepfiffen hat wie ich? Vielleicht ist es seit jeher bestimmt, dass wir beide dieselben Dinge zur selben Zeit machen, jede Minute, jede Sekunde. Aber er und ich leben Kilometer voneinander entfernt und werden niemals überprüfen können, ob unser Verdacht begründet ist. Der Alte betrachtet in nun mit mitfühlender Aufmerksamkeit; der Rest kann das Lachen nicht mehr halten. Unempfänglich (Unempfindlich, unbeeindruckt) für die Reaktionen, die seine Worte hervorrufen, rückt der Walzer-Mann sein Sakko mit einer sanften Bewegung der Schulter zurecht, macht ein paar müde Schritte auf die Tür zu und lässt sich von der Straße verschlingen, von der geisteskranken Unruhe einer Stadt, die nicht in der Lage ist, ihn zu verstehen. Die anderen, die, die bleiben, besprechen die Episode und lachen lauthals über den Verrückten. Behütet (abgeschirmt durch) in einer willkürlichen Logik, die sie zu hinterfragen niemals fähig sein werden, können sie sich nicht einmal vorstellen, dass an einem weit entfernten Ort in diesem Moment andere Menschen über einen Verrückten mit demselben höhnischen und ignoranten Gelächter lachen könnten.
Übersetzung: Miriam EBERHERR
Adresse: Hipólito Yrigoyen 2628, (3000) Santa Fe - ARGENTINIEN E-Mail: alfdibernardo@ciudad.com.ar
Gedichte - Francisco Azuela Espinoza
Francisco Azuela Espinoza wurde 1948 in León, Guanajuato, Mexiko geboren. Er studierte an den Universitäten von Guanajuato, Iberoamericana, UNAM und Panamericana von Mexiko-Stadt und an den Universitäten Complutense von Madrid und Laval von Quebec. Francisco ist Mitglied der "Sociedad General de Escritores de México", des Consejo Panamericana, der CISAC und der International Writers Guild. Er war Diplomat (1973-1983), und von der honduranischen Regierung wurde er mit dem Orden FRANCISCO MORAZAN ausgezeichnet. Er ist Autor von: El Maldicionero (1981), El Tren de Fuego (1993), La Parole Ardent (1993), Son las Cien de la Tarde (1996), Ángel del Mar de mis Sueños (2000). Außerdem hat er in verschiedenen Zeitschriften in Spanien und Amerika veröffentlicht. Er ist Generaldirektor und Gründer des "Centro Cultural Internacional" (El Cóndor de los Andes - Aguila Azteca, A.C.), mit Sitz in Cochabamba, Bolivien (1999). Seit November 2001 lebt Francisco in La Paz/Bolivien, wo er als Direktor des "Centro Integrado de Documentación e Información" (CIDI) des "Instituto Internacional de Integración del Convenio Andrés Bello", tätig ist.
Gedichte aus "DAS LODERNDE WORT":
Ich bin der andere Raum, den ich nicht finde, der Fall des höhenlosen Wassers, stimmloser Mythos eines erdlosen Weges; ich bin derjenige, der nichts von Schweigen weiß auf dieser Wegstrecke meiner selbst, die Müdigkeit und das Werden des zu Ende Gehenden um von neuem zu beginnen, derjenige, der jetzt kommt um zu gehen.
Der gibt einen Ort, den ich nicht erreiche, alles genieße ich äußerlich, und ohne Schatten zu hinterlassen, geht das Licht vor der Zeit weg.
MAYAR II
Die Füße enden und ich komme nicht einmal bis zur Tür, schon werde ich nicht sagen können ob ich bei der Schenke vorbeikam wo ich meinen Mund mit Bier füllte; viele Augen ruhen auf mir und ich kann niemanden erkennen.
Ich komme Sterne teilend um einen Weg zurückzulegen, der verbrennt, sterben werde ich zwischen Grillen alles hingebend, im Glauben, wie eine Sonne erfüllt zu haben die sich raumlos nicht ergeben kann.
MAYAR III
Es ist schrecklich zu sterben wenn man geboren wird, jeden Tag weinen, sich im eigenen Haus verlieren, sich suchen, und bei der Begegnung, den erhängten Schatten entdecken von jemandem der vorbeikam als alle schliefen.
Allem überdrüssig kehre ich zum anderen Extrem zurück, ich gehe zurück ohne auch nur einen Schritt zu vergeuden.
MAYAR IV
Ich habe mein Wort weiß gemalt um die Häuser meines Dorfes naß zu machen; ich bin an der Reihe und ich will mich nicht fragen weshalb in diesem Rot das ich in den Taschen trage habe ich nur Antworten.
Ich ertrage es nicht Karnevalslieder zu hören, ich werde damit beginnen Lachsalven aus Feuer zu verteilen obwohl die Fenster mir die kalte Schulter zeigen.
Jetzt, wer kann mir sagen ob diese Farbe nicht weiß ist?
MAYAR V
Bruder, Dichter der ersten Jahre in denen dich eine Illusion blendete die Angst zu sterben unter Tannen und Spanischem Rohr.
Ein Nußbaum verwertete deinen Atem und du gingst zur anderen Dimension der Welt wie eine kleine Narde die ihre Düfte verlor, wie ein Gewehr ohne abzufeuern, wie eine Stimme die das Leben dir raubt, wie ein stiller Vulkan auf dem Weg zu deiner Heimat.
MAYAR VI
Der Fluß kreuzt durch dein Fenster mit seiner Feuerwoge und hinter dem Glas, errötest du, schaltest du die Lichter des Lebens ein.
Ich kreuze den halben Nachmittag wie ein Echo von Erinnerungen, wie ein trauriger, eingeschlafener Gott der seine Hoffnungen nährt.
Ich umarme mich an deinen Schenkeln aus Opal um das Echo der Jahreszeiten zu hören, aber dieses Jahrhundert vergeht langsam wie ein Traum in deinem Mund.
Morgen, angelehnt an meine Füße wirst du meine goldene Ähre mitnehmen und dein Haar aus Regen, morgen, deine gesegneten Augen aus Reif werden schon nicht im Wasser versinken.
AZTECAL VI
Sich verloren fühlen in einer Stadt ohne Einwohner, - von den Göttern verlassenes Dorf -, sich als einen Körper fühlen an einer Schnur aufgehängt, an der anderen Fensterseite, zwischen Lichtern, als Flug von in der Luft angehaltenen Lerchen. Hier gibt es niemanden, ich bin das Zeichen eines Wehklagens, sieben Schweigen in den Ohren eines Tauben.
Eines Tages werde ich wieder atmen wie ein Lebewesen, ich werde mich sicher fühlen, und werde das überwinden was niemals weitergeht.
AZTECAL VII
Jemand sagte mir gestern, daß die Rose traurig war, daß sie eine große Traurigkeit in sich hatte, wie von hier zu deiner Abwesenheit.
Ich weiß, daß es sicher ist, daß sie weint, obwohl man das nicht sagt und in diesem Fall, hat niemand Recht, das Herz ist ein roter Stein.
Warum schmerzt mich die Rose so sehr? Eines Tages werde ich meine Hände aus Licht benetzen und werde dich lieben auf meinem solidarischen Übergang zu dir.
AZTECAL IX
Wir betreten ein lichtloses Zimmer mit erhobenen Armen, und die Furcht einen Schlag ins Gesicht zu bekommen, - einen trockenen Schlag und ohne Schall -,
es war schrecklich, weil du und ich, Angst hatten, Angst in der Dunkelheit zu sterben, trotz der Schatten, befreundete, unermeßliche Schatten.
AZTECAL X
Sie gab mir ihr Blut und wir besuchten den Mann im dunklen Anzug der uns seine Schatten schenkte um dem schweren Weg zu folgen.
Wir traten durch die große Friedhofspforte ein und zwischen Blumen suchten wir den Namen ihrer Mutter.
So, vergingen hunderte Jahre, und sie, im Gras sitzend, warf Lieder auf den kalten Grabstein auf dem Grund der Erde klebend.
Dann weinte sie, und sagte mir mit einem Wort all ihr Schweigen, und sie sagte mir all ihre Liebe mit einem Wort.
Übersetzung: Renato VECELLIO
Adresse: Apartado Postal 2107, La Paz - BOLIVIEN E-Mail: f_azuela@yahoo.com.ar
Gedichte - Marié Rojas Tamayo
Marié Rojas Tamayo wurde am 23. Mai 1963 in Kuba geboren. Sie ist Schriftstellerin und Forscherin, hat Außenhandel an der wirtschaftlichen Fakultät der Universität von Havanna studiert und 1985 ihren Abschluss gemacht. Für ihr literarisches Werk hat sie zahlreiche Preise in Venezuela, Argentinien, Spanien und den USA erhalten. Sie ist Co-Autorin von Choco (Kunstband), La magia amorosa en las religiones afrocubanas (Essays) und El libro del Taller de Gráfica de la Habana (Fotografie). Ihre Erzählungen und Gedichte wurden in verschiedenen Anthologien in Amerika und Spanien veröffentlicht. Sie leitet die Literaturwerkstatt "El rincón de los niños cubanos" und arbeitet am kommunalen Projekt "Haciendo almas" mit. Sie ist Korrespondentin und Mitarbeiterin für zahlreiche hispanoamerikanische Publikationen und Co-Direktorin der Kulturzeitschrift "Dos islas, dos mares".
PHÖNIX
Ich brenne in dunkler Flamme, Nur wir Unvergänglichen wissen um das schwarze Feuer, Das die Eingeweide der Erde zerfrisst.
Ich kehre wieder, lebe meinen Untergang, sterbe... In diesem endlosen Existieren, Durchschreite Äonen, Ohne zu altern, In alle Ewigkeit erneuert.
Ich habe so viel erlebt, so viel habe ich erlebt: Unwetter und Windstille, Seebeben, idyllische Strände, Jungfrauentode, Vorahnungen, Ungerechte Schlachten, Gesänge, Gedichte, Torturen, Zärtlichkeiten, Finsternisse, Feste, Duelle, Klagen, Abschiede, Rückkehr, Lachen, Liebe und Vergessen.
Mit dem Kommen und Gehen der Tagundnachtgleiche Werden weiterhin Könige, Königinnen, Huren und Bettler geboren, Die nach ihrem Tod auf die Erde zurückkehren Als einfache Garantie Zukünftiger Blumen.
Und ich bleibe Unbeugsam, unveränderlich, Harmonisch, perfekt, ohne Makel, In Erwartung jenes Tages, Da jemand, ganz zufällig, Mit einem einzigen Hauch die Staubkörner meiner Asche im Wind verstreut, Und dieser eines vom anderen so weit forttragt Wie Sterne, Sodass sie sich nie mehr vereinen können.
Ich habe so viel gesehen, so viel habe ich gesehen, Dass ich gelernt habe, Dass es sich nicht lohnt Auf ewig zu leben.
Übersetzung: Judith MOSER-KROISS
Internet: http://perso.wanadoo.es/tomeu_adrover/dosislas.html E-Mail: tgrafica@cubarte.cult.cu
Ökonomie beginnt in den eigenen vier Wänden - Luis Alfredo Duarte Herrera
Wir sind uns doch einig: angesichts der derzeitigen politischen Entwicklungen bin auch ich Befürworter der so genannten Sozialen Ökonomie, obwohl dieses Konzept ein echter Turm von Babel ist, und stelle mich gegen die Ökonomie des neoliberalen Marktes, die sich auf einen Großteil der Weltbevölkerung und die Umwelt sehr negativ auswirkt. Aus diesem Grund möchte ich Sie im Zusammenhang mit dem Thema der Ökonomie auf einen alten Konflikt hinweisen, der wegen seiner großen Bedeutung in der Geschichte des Kapitalismus wieder an erster Stelle genannt werden muss, obwohl er gegenwärtig aus Unwissenheit oder Unverschämtheit nicht beachtet wird: ich meine den Konflikt zwischen Arbeit und Kapital.
In der westlichen Welt, sowohl in den reichen, als auch in den armen Gesellschaften, geben sich die politischen Parteien der Rechten, der Mitte und der Linken einer kindischen Vergötterung des Kapitals hin, die einzigartig in der Geschichte dieses Planeten ist, und sich auf die Ausbeutung und das Blut der Arbeiter und Besitzlosen dieser Welt, auf den fortschreitenden Abbau menschlicher Beziehungen und besonders auf den Abbau der Gesundheit und den Lebensraum der Menschen und Millionen anderer Lebewesen mit Daseinsberechtigung stützt. Ich weiß nicht, was die Tatsache, dass jeder Mensch "seinen Preis" (in amerikanischen Dollars) hat, dass jedes Kind, das in den armen Ländern geboren wird, mit Schulden in Höhe von mindestens 3.000 Dollar als Willkommensgeschenk auf die Welt kommt, oder dass der Wert der Menschen in allen "verwestlichten" Gesellschaften an ihrem materiellen Besitz gemessen wird, mit der Schaffung einer neuen Gesellschaft und einer neuen Welt zu tun haben soll
Diese Vergötterung des Kapitals oder, genauer gesagt, des amerikanischen Dollars, ist für die Aufrechterhaltung alter Abhängigkeitsverhältnisse innerhalb jener Gesellschaften verantwortlich, deren Wohlstand sich auf Krieg, Verbrechen und Ausbeutung gründet. Diese Vergötterung des Kapitals wirkt als enorm zerstörerische Kraft auf diesen Planeten, die mit Hilfe technologischer Ressourcen immer weiter ausgebaut und verfeinert wird. Dies betrifft nicht nur den ökonomischen Bereich, sondern auch die Umwelt, kulturelle und psychologische, individuelle sowie soziale Aspekte und wirkt sich auf die unterschiedlichsten Völker aller Breitengrade aus. In diesem Sinne lagen und liegen die Menschen gestern wie heute durch ihre jeweiligen Regierungen immer noch auf den Knien vor dem allmächtigen Kapital, während jene, die nur über ihre Arbeitskraft verfügen, weiterhin mit Verachtung oder Geringschätzung behandelt werden.
Es gibt viele wichtige Meilensteine auf dem Weg zur Entstehung einer Gesellschaft, die vom Frieden, Wohlstand und der Solidarität unter ihren Mitgliedern geprägt ist. Der bedeutendste Faktor ist aber jedenfalls das Individuum: Veränderungen müssen in jedem Einzelnen von uns beginnen, im Rahmen einer permanenten Interaktion und im Einklang mit der sozialen Politik, die wir denken und fördern.
Dank der Technologie erleben wir eine Globalisierung, die so rasch und vielfältig voranschreitet wie noch nie zuvor in der Geschichte der Menschheit. Gegenwärtig liegt die Entscheidung darüber, wohin dieser Prozess führen soll, in den Händen aller und jedes Einzelnen von uns. Das ist die erste Erkenntnis, die jedes Individuum ganz deutlich erfahren muss, wenn es in einer echten Demokratie leben möchte. Die Betreiber neoliberaler Politik fördern grundlegend die freie Zirkulation materieller Güter als Hauptfaktor dessen, was sie als "Fortschritt" für die Weltbevölkerung bezeichnen. Auf diese Weise werden wir heute mit einem so genannten "Wachstum" konfrontiert, das völlig absurde und brutale Züge aufweist und eine Spur gewaltiger Umweltprobleme hinterlässt, die durch den Transport von Waren, die riesige physische und mentale Verschmutzung des Individuums und den Müll der Gesellschaft oder die Expansion der multinationalen Konzerne entstehen, die nichts mit der Gesundheit oder dem Wohlstand der Gesellschaft zu tun haben. - Gemeint sind hier unter anderen die multinationale Erdölindustrie, die großen Bier- und Schnapserzeuger, Tabakkartelle und viele andere Konzerne wie Coca Cola, Mc Donald´s, Red Bull etc., Produktionsgemeinschaften minderwertiger, wiederverwerteter Lebensmittel oder von Produkten des täglichen Bedarfs wie Kleidung, Baumaterial etc., deren Erfolg sich auf die Ausbeutung ihrer Arbeiter gründet. Und dabei wurde ein sehr heikler Bereich noch gar nicht genannt, der in diesen Foren nie erwähnt wird - so als hätte er keine Bedeutung: die Industrie des Todes, wie zum Beispiel Waffenfabriken, Armeen und Betriebe, die Tiere für den Verzehr durch den Menschen halten.
Politik, Wirtschaft, Ethik und Moral dürfen nicht einen Augenblick von einander unabhängig betrachtet werden, wenn man über jenen Bereich nachdenkt und handelt, der uns alle so sehr beschäftigt: das Glück und den Wohlstand der Welt, des Menschen und der Gesellschaft. Politische Ökonomie, Ethik und Moral können auf gar keinen Fall von einander getrennt werden, denn die Abwesenheit eines dieser Faktoren hat unmittelbar negative Auswirkungen auf die übrigen.
Ich bin fest davon überzeugt, dass das wesentlichste Problem der Welt gegenwärtig in der menschlichen Gesundheit liegt: es geht sowohl um die physische als auch um die mentale und spirituelle Gesundheit jedes Einzelnen von uns. Egal, von welchem Standpunkt aus man es betrachtet: es ist völlig unmöglich, Voraussetzungen für ein klares Denken - sowohl individuell als auch sozial - zu schaffen, wenn man den gegenwärtigen Zustand der physischen und psychologischen Vergiftung betrachtet, in dem sich ein Großteil der Menschheit befindet. Ich bin sicher, dass ein Körper, der durch den Verzehr von Tieren, den Konsum von Alkohol, Koffein, Teein, Nikotin - um nur von den offiziell erlaubten Anregungsmitteln zu sprechen, durch die der Staat und auch Einzelne große wirtschaftliche Gewinne erzielen - dass ein Körper, der durch den übermäßigen Konsum oder auch durch den Mangel an den notwendigsten Nährstoffen vergiftet ist, unter diesen Bedingungen nicht imstande ist, Gedanken und Handlungen zu setzen, die mit höheren individuellen oder sozialen Zielen im Einklang sind.
Angesichts der Möglichkeiten, die uns jene anbieten, die unfähig waren, eine friedliche Welt zu schaffen und uns stattdessen eine Menschheit präsentieren, die - obwohl sie im Besitz immenser technischer Ressourcen ist - in ihrer Mehrheit immer noch ums Überleben kämpft und sich gleichzeitig in einer materiellen und moralischen Misere befindet: Was können wir tun? Vor allem dürfen wir nicht im Prozess der Globalisierung auf der Strecke bleiben; damit sind nicht die Waren gemeint, die uns unsere ideologischen und politischen Gegner anbieten, sondern die Werte und Praktiken, die jede Kultur der Welt zur Schaffung gesunder und glücklicher Gesellschaften beiträgt, nicht nur für die Menschen, sondern auch für alle Tiere, Pflanzen und Mineralien dieses Planeten. Nur eine liebevolle und fürsorgliche Beziehung zu uns selbst und zu dem Umfeld, in dem wir leben, kann den Grund- stock für eine bessere Gesellschaft bilden.
Einige Beispiele: betreffend den Fleischkonsum stellt sich eine essentielle Frage: Kann eine Menschheit materiellen und spirituellen Frieden einfordern, die täglich über 100 Millionen Haustiere und Geflügel tötet, um sie zu essen - ganz zu schweigen von Fischen und Jagdwild? Schon Pythagoras sagte: "Diejenigen, die Tiere töten, um ihr Fleisch zu essen, neigen dazu, einander selbst zu massakrieren." Aber die Angelegenheit ist nicht nur ethischer und spirituell-gesundheitlicher Natur. Die Industrieländer verwenden 90% ihrer eigenen Getreide- und Gemüseernten sowie einen Teil der Ernten aus armen Ländern für die Fütterung der Tiere. Für 16 kg Getreide und Gemüse, das an das Vieh verfüttert wird, erhält man nur 1 kg Fleisch. Der Grad der Verschmutzung des Bodens und der unterirdischen Quellen durch die Exkremente und besonders der Verschmutzung von Bächen und Fließgewässern durch das Blut und die Abfälle aus Schlachthöfen und industriellen Farmen ist alarmierend. In einer Welt, in der Wasser ein zunehmend wertvoller und seltener Rohstoff ist, sind lediglich 60 Liter nötig, um 1kg Weizen zu produzieren, während man für 1 kg Fleisch zwischen 2500 und 6000 Litern benötigt. Das ganze Leben eines Masttieres ist unnatürlich: künstliche Aufzucht, Kastration, Ketten, Käfige, Hormone, Beruhigungsmittel, Antibiotika und viele andere Drogen, anormale Ernährung zur Mast, endlose und unbequeme Transporte und schließlich ein schrecklicher Tod. Es gibt und kann auch keinen "humanitären" Schlachthof geben und die industriellen Schlachthöfe erscheinen wie Visionen der Hölle.
Es steht also fest, dass das Problem nicht in der Frage liegt, welches Fleisch konsumiert werden soll, sondern dass es darum geht, dass wir uns auf eine friedliche und intelligente Beziehung zu den Tieren und anderen Lebewesen der Natur hinbewegen. Dieser Schritt, der nicht mehr als etwas Selbstbewusstsein erfordert, würde auf der Welt große, echte und vorteilhafte Veränderungen bewirken.
Ein weiteres Beispiel: Die Kaffee-Industrie. Das Problem der Kaffee-Industrie besteht nicht darin, die Produzenten besser oder schlechter zu bezahlen, es geht vielmehr darum, dass eine solche Wirtschaft weder den reichen noch den armen Ländern nützt. In den armen Ländern hat sie den Anbau eines völlig überflüssigen Produktes in Monokultur bewirkt, das gar kein Lebensmittel ist, während sie gleichzeitig die Ökonomie dieser Länder kontrollierbar, manipulierbar und abhängig gemacht hat. Auf der anderen Seite leiden sehr viele Bewohner der reichen Länder unter einer Abhängigkeit von einem Stimulans, das für den menschlichen Körper und Geist nicht besonders gesund ist. Und in den so genannten postmodernen Zeiten werden regelrecht machiavellistische und schädliche Unternehmen wie Red Bull gegründet, eine Fabrik, die Millionen von jungen Menschen auf der ganzen Welt vergiftet, um sagenhafte Gewinne zu erzielen - und das alles unter der Bewunderung und dem Wohlwollen der Allgemeinheit und mit der Unterstützung der Obrigkeiten und der Bürger.
Bei allem Respekt, den Sie und alle anderen Menschen verdienen, muss ich dennoch gestehen, dass ich mich in ihrer Gesellschaft fühle, als wäre ich unter schlecht erzogenen Kindern, die einfach nicht erwachsen werden wollen, um so - durch ihre Unwissenheit gerechtfertigt - weiterhin die traditionellen Fehler machen zu können, die den Planeten und die Menschheit in einen so bedauernswerten Zustand gebracht haben.