XICÖATL 68

 

XICöATL

XICöATL: Ausgabe 68

XICöATL Nr. 68, Juli/September 2004
XICöATL 68

INHALT:

  • Hommage an Neruda: Herzlichen Glückwunsch zum Geburtstag, lieber Pablo! Luis Alfredo Duarte Herrera
  • Lyrik: Gedichte. Pablo Neruda
  • Erzählkunst: Ein neues Herz. Adriana Alarco de Zadra
  • Kulturbrücke Salzburg - Santa Fe: Gedichte. Valeria Ansó
  • Kulturbrücke Salzburg - Santa Fe: Gedichte. León Komorowski
  • Bücher: Lambrusco. Horacio Rossi
  • Bücher: Cadenas invisibles. Tomás Stefanovics
  • Bücher: Letras nómadas. Vicente Girarte Martínez
  • Bücher: Jacarandáes en celo. Cristina Pizarro
  • Bücher: La guerilla del Che en Bolivia. María del Carmen Garcés. Walkala

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Hommage an Neruda

Herzlichen Glückwunsch zum Geburtstag, lieber Pablo! - Luis Alfredo Duarte Herrera

Herzlichen Glückwunsch zum Geburtstag, lieber Pablo! Aus Anlass deines Geburtstages hat heute ganz Amerika einen guten Grund, voller Stolz und erhobenen Hauptes ein Lied zum Dank an das Leben anzustimmen. Wir schreiben den zwölften Juli; hundert Jahre entfernt liegt Parral, mit seinem südlich-winterlichen Grau, geheimnisvoller Zeuge der ersten Schreie, die du an das feuchte Dach und die duftenden Wände deines bescheidenen Elternhauses gerichtet hast, umgeben vom flackernden Schatten der Öllampen und der unermüdlich tanzenden Flamme des rauchenden Herdes. Draußen verscheuchten währenddessen die Hunde mit ihrem Gebell jeden bösen Geist, der sich deiner vergänglichen Zartheit mit seiner Niedertracht hätte nähern können.

So viel ist seit diesem weit entfernten Tag passiert. Dem Hondero entusiasta, dem Begeisterten Schleuderer, war es nicht vergönnt, für alle Zeit jene Kälte, jene Nebelschwaden und den Regen zu spüren und zwischen den Baumstämmen umherzustreifen, die sterbend im dichten Urwald lagen; er sollte weder die gelben Pfützen, noch die Stoppelfelder und die staubigen Sommer erleben dürfen, die ihre müden, kornbeladenen Karren auf den verschlafenen Wegen des Südens dahinschleppten, auch sollte er keine nass glänzende Schuhe mehr tragen. Die Schienen, die seinem bärtigen Vater und ihm in seiner Kindheit gelegt wurden, bedeuteten lediglich einen Vorwand für die Weisheit der Gestirne, um sein feinfühliges Herz für Mr. North und das Salpeter-Problem im Norden seines geliebten Heimatlandes Chile zu öffnen; auch, um ihm jenen Giftpfeil in die Brust stoßen zu können, der mit ungeahnter Kraft die offene Wunde der chilenischen Kupferminen ausspucken sollte, das Jammern, den Schmerz seiner Salpeterarbeiter, schreiend, begraben und ohne Ausweg, ein schreckliches Jucken geschmiedet in jenen Minen, die unter blutigem Schweiß in die tiefsten Eingeweide der Erde gegraben wurden. Dieselben Schienen sollten dich nach Santiago führen und dort begann Chile und darüber hinaus ganz Amerika vor deinen erstaunten Händen in deinem Bewusstsein zu kreisen. Es begann dieser unkontrollierbare Sog der großen Heimat Amerikas mit seinen wunderbaren, vielzähligen und launischen Bergketten, den riesigen Mengen an Vegetation, Mineralen und Ebenen, Meeren und Auseinandersetzungen, mit den dichten Schwärmen von Grenzen, Vögeln, Kriegen und vor allem mit seinen Menschen, die gleich den Ameisen in alle Richtungen verstreut leben, auf den Bergrücken, dem Grasland und sogar in den verborgensten Winkeln dieser unendlichen Geographie unserer riesigen Insel: nur ein kleiner Teil von ihnen ist stolz und glücklich, die Mehrheit ist niedergeschlagen und unterwürfig. Mit dieser Last, die dir die launischen Götter mit Bedacht in deinen Koffer gelegt haben, bist du einmal mehr über die Schienen hinaus zu den Häfen gelangt und von dort über die Meere in die weite Welt. Rangoon verspürte deinen festen Schritt, Indien erfüllte deine Nase mit dem Duft von Parfums und Ausdünstungen, du kamst nach Madras und Khandy, nach Penang und Saigon und in Batavia bemerktest du zehn Tänzerinnern, die versuchten, mit ihren magischen, wiegenden Bewegungen das wilde Schlingen zu besänftigen, das im Wanst des gerade an der Macht befindlichen Satrapen sprudelte.

Zutiefst beeindruckt von der Weite des Kosmos, von dem üppigen Stückchen, das dir die Götter zu Füßen gelegt hatten, war dir schon sehr früh in deinem Inneren bewusst, dass du etwas zum Tausch anbieten konntest. Überrascht erkanntest du, dass dir das wundervolle Licht des Wortes mit großzügigem Laune geschenkt wurde und von nun an nahmst du dir vor, diese Worte in den Dienst deiner Heimat, deines Kontinents, ja der ganzen Welt zu stellen, vor allem aber Stimme für jene zu sein, die nicht die Fähigkeit haben, jenen Diskurs in ihren Gedanken - und noch viel weniger in ihren Worten - zu führen, der die unseligen Strukturen erbeben lässt, die ihnen jene aufzwingen, die im Hinterhalt lauern und Sklaven halten.

Deine blitzenden, unverwüstlichen Verse bahnten sich seit dieser weit zurückliegenden Entdeckung mit ihrem Gesang über die eigenwillige Schönheit des mestizischen Amerikas unaufhaltsam ihren Weg in alle Winkel der Erde, indem sie sogar in den starrköpfigsten, verbittertsten Gehirnen Bilder von dem süßesten Honig wachriefen, den unsere geliebten Flüsse Bio Bio, Orinoco, Wilkamayu oder Amazonas in ihren Betten mit sich führen. Deine Verse haben sowohl den Blütenstaub der Araukarie, der Lärche, des Mahagonibaums, der Eiche, der Weide und des Kautschukbaums als auch die Stimmen der Jaguare und der Kardinalsvögel, der Anakondas, der Albatrosse und der Flamingos, der Leguane und der Guanakos, der Kondore und der Pumas aber auch den friedlichen, salzigen Glockenklang unserer Ozeane in die Welt getragen. Über den ganzen Erdkreis breiteten sich die unendlichen Weiten und die grenzenlosen Höhen der Anden aus, gekrönt von den Spuren der alten Weisheiten wie der Zubereitung der Maisfladen, der erdbebensicheren Bauweise bis hin zur einfachen Guacamole.

Aber dein Gesang bedeutet viel mehr als das. Durchtränkt vom Meer der vielen vergossenen Tränen, das sich über unsere ganze Insel erstreckt, gehärtet in der unermesslichen Brühe des Schmerzes unserer alten, besiegten Völker, in dem noch warmem Blut Motecuhzomas, Atahualpas, Nutibaras, Cuauhtemocs, Tupac Amarus, Cauplicáns Lautaros, den so zahlreich unnötig und willkürlich ermordeten Zipas, Capacs, Toquis und Kaziken, deine Verse sind ein treffsicheres Schwert, unbesiegbar und ewig, ein blitzender Strahl, der mit glatten Hieben dazu beiträgt, das unerhörte, über unserer Geschichte hängende Spinnennetz zu zerschlagen, das aus dem Betrug und der Lüge unter den Schlägen der Henker von Amerindia und ihren Anhängern gewoben wurde. All die Mörder, Diebe, Ausbeuter, Tyrannen und von der Geschichte hofierten und von der Ignoranz verehrten Halsabschneider haben es verdient, dass du ihre Namen in Kot tränkst.

In deinen Versen stoßen die gemeinen Eckzähne des großen Nuñez de Balboa, die neben seinem Kopf auf einem riesigen Pfahl aufgespießt wurden, ewige Flüche gegen seinen Henker, den erlauchten Gründer Panamas, Pedrerías Dávila, aus. Die verdorbene Habgier Ximénez de Quesadas wird den Fluss Magdalena auf und ab fahren, bis sie endlich in Iraka ankommt, wo das noble Blut der Zipas und deren Juwelen ihren riesigen Reptilsmagen erwartet. In Panama werden das oberste Schwein Francisco Pizarro, der einäugige Diego de Almagro und der Mönch der Finsternis, Hernando de Luque voller Begierde immer wieder die abscheuliche Hostie verschlingen, um damit ihren schändlichen Pakt zu besiegeln, der Tod und Zerstörung über mein Reich bringt. In deinen Versen trägt jeder in seinem Bündel die Last ihrer Namen und die Attribute, die du ihnen so hochmütig und gerechtfertigt verliehen hast: Hernán Cortés, eisiger Blitz, totes Herz in der Rüstung; Pedro de Alvarado, Goldschmied der Grausamkeiten, heimlicher Falke des Todes; Pánfilo de Narváez, in einer Hand das Messer, in der anderen die Eiserne Jungfrau; Fray Vicente Valverde, verräterisches Herz, verfaulter Schakal; Pedro de Valdivia, zorniger Geier, giftiger Henker; Magallanes, den Bart voller Würmer, Bruder des Wassers und der Flöhe; Villagras, Mendozas, Reinosos, Reyes, Morales, Aldaretes, alles Söhne des Hasses und der Lumpen.

Und so, wenn nun an irgendeinem Ort die neugierigen Augen der Welt die Seiten deiner Bücher durchblättern, wird sich die verfluchte Erinnerung an den Todesnarren Juan Manuel Ortiz de Rosas in der Schande seiner Taten wälzen, genauso wie die des handschuhtragenden Schakal Gabriel García Moreno, des greisen und verdienten Zwerges Manuel Estrada Cabrera, der scheuen Nachtratte José Gaspar Rodríguez Francia, der furchterregenden Fratze von Jorge Ubico, der geduldigen Fledermaus der Sakristei Juan Vicente Gómez, des Importeurs der Foltern Gerardo Machado, der betrunkenen Bestie Mariano Melgarejo, der Kröte der schwarzen Sümpfe Eurico Gaspar Dutra, des befleckten Starken Manuel Isidoro Belzú, der hungrigen Dollarpressen, der Doktoren honoris causa der Columbia University Rafael Leonidas Trujillo, Tiburcio Carias Andino und Higinio Morinigo, des Verräters von Chile Gabriel González Videla.

Pablo, wie können wir dir jemals genug danken für deinen Gesang auf Cuauhtémoc, meinen Bruder; für den jungen Atahualpa und sein Glas, das mit Kummer gefüllt ist, der so bitter wie die Rinde des Chinabaums schmeckt; für Tupac Amaru, weiser Gebieter und gerechter Vater; für den Toqui Caupolicán, die schonungslosen Augen der Erde; für Lautaro, Blitz in der Nacht und Sieger über den Zentauren; für den gutmütigen Mönch de las Casas? Wie können wir dir dafür danken, dass du einmal mehr die Erinnerung an die Kommunarden von El Socorro, O´Higgins, San Martín, Mina, Miranda, Carrera, Manuel Rodríguez, Artigas, Hidalgo, Morelos, Páez, Castro de Alves, Toussaint L´Ouverture, Morazán, Júarez, Martí, Balmaceda, Zapata, Sandino, Prestes und Recabarren, und jene Erinnerung an so viele deiner Freunde und Kollegen, unter ihnen Tomás Lago, Miguel Otero Silva, Rubén Azócar, Rafael Alberti, Juvencio Valle, José González Carbalho, Diego Muñoz, Silvestre Revueltas und Miguel Hernández ehrst?

Ich begnüge mich damit, den Glanz deiner Seele zu spüren wenn ich weiß, dass ich mich in Treue zu Amerika und zu dir jeden Tag aufs Neue in die frische Brise verwandle, mit der in Tocopilla die Müdigkeit Cristóbal Mirandas gelindert wird, der mit seinen kräftigen Muskeln Salpeter in Richtung der Meere des Erdkreises schaufelt; wenn ich weiß, dass ich in Talcahuano mein Mark in den Wellen versenke, um die Musik erklingen zu lassen, die der Schuhmacher Olegario Sepúlveda durch Hammerschläge auf die Sohlen erzeugt; wenn ich weiß, dass mich ein unbändiger Groll und Zorn überkommt, wenn ich auf deinen Seiten wieder und wieder den Todeskampf des Fischers Antonino Bernales erleide, der von Kugeln getroffen an irgendeinem Flussufer Kolumbiens stirbt, oder wenn ich in der Dunkelheit der Grube in der Sierra del Estaño in Oruro das Zirpen der Grillen erahne, die der Bergmann José Cruz Achachalla mit sich in die Tiefe reißt.

Freue dich Pablo, es erwarten dich noch viele Jahrhunderte! Dein Gesang lebt in den entlegensten und tiefsten Wurzeln dieses immerwährenden und geliebten Kontinents; von den Gletschern der Anden, vermischt mit den Strahlen der Sonne, vergießen deine Verse über alle Völker dieser Welt Tropfen für Tropfen ihre unendliche Weisheit, sie werden von den Winden in alle Winkel der Erde getragen, sie geben den Fahnen der Freiheit, die wir anderen heute tragen, weiterhin ihren Geist. Zum Wohl, Pablo, zum Wohl, und nochmals herzlichen Glückwunsch zum Geburtstag!

Luis Alfredo DUARTE HERRERA

Übersetzung: Elisabeth PRANTNER-HÜTTINGER

Lyrik
Pablo Neruda

Gedichte - Pablo Neruda

Pablo Neruda wurde an 12. Juli 1904 in Parral geboren und starb am 23 September 1973 in Santiago. 1921 Beginn des Studiums in Santiago, seit 1923 regelmäßige Veröffentlichungen von Gedichten. 1927 - 1932 chilenischer Honorarkonsul im Fernen Osten, 1935 Konsul im Madrid, 1937 Rückkehr nach Chile, 1949 - 1952 Emigration und zahlreiche Reisen u. A. Auf dem amerikanischen Kontinent. 1969 wird Neruda zum Präsidentschaftskandidaten der KP aufgestellt. Er verzichtet zugunsten von Salvador Allende. 1971 Nobelpreis für Literatur. Pablo Neruda überlebte den gewaltsamen Sturz Allendes und den Militärputsch in Chile am 11. September 1973 nur um zwölf Tage.

Gedichte aus "Der große Gesang" :

ES GIBT KEIN VERZEIHN

Ich möchte Erde, Feuer, Brot, Mehl, Zucker,
Meer, Bücher, Heimat für alle, darum
war ich unstet und flüchtig: mich verfolgen die Richter
des Verräters,
und seine Lobhudler versuchen gleich abgerichteten
Affen die Erinnerung an mich in einen Sumpf
zu verwandeln.
Ich ging mit ihm, mit diesem, der da regiert, zum Eingang
der Mine, in die Wüste der vergessenen Morgenröte,
ich ging mit ihm und sprach zu meinen armen Brüdern:
"Ihr werdet nicht mehr die Fasern zerlumpter Kleidung
tragen,
ihr werdet nicht mehr diese brotlosen Tage haben,
ihr werdet behandelt werden,
als wäret ihr des Vaterlandes Kinder." - "Von nun an
wollen wir die Schönheit teilen, und die Augen
eurer Frauen werden nicht mehr um ihre Söhne weinen. "
Doch als man an Stelle ausgestreuter Liebe im Dunkeln
jenem selben nur Hunger und Marter entlockte,
jenem, dem das Volk gelauscht, jenem, der seine
Kraft und Zärtlichkeit eines machtvollen Baumes
darbringen wollte,
da stand ich nicht an Seiten des kleinen Satrapen,
sondern an Seiten des Menschen ohne Namen, bei meinem
Volk.
Ich will mein Land für die Meinen, ich will
gleiches Licht über dem Scheitel
meines flammenden Landes,
ich will die Liebe des Tages und der Pflugschar haben,
will tilgen die Trennungslinie, die voller Hass
sie schaffen, um das Brot vom Volk zu trennen,
und den, der des Heimatlandes Grenze entfernt,
um es auszuliefern, gefesselt, als sein Kerkermeister
denen, die dafür zahlen, wenn sie es versehren;
ihn werde ich nicht besingen noch mit Stillschweigen
übergehen,
sein Zeichen, seinen Namen will ich
angeschlagen lassen an der Wand der Schande.

DER TOD

Oft bin ich wiedererstanden aus der Tiefe
zerstörter Sterne, wiederherstellend den Faden
der Ewigkeiten, den ich mit meinen Händen belebte,
und nun werde ich sterben, mit weiter nichts als Erde
auf meinem Leid, bestimmt, Erde zu werden.

Ich kaufte keine Parzelle des Himmels, den die Priester
verkauften, noch nahm ich die Düsternis an,
die der Metaphysiker verfertigte
für meinungslose Mächtige der Erde.

Ich will im Tod bei den Armen sein,
die keine Zeit hatten, ihn zu ergründen,
indes jene sie schlugen, die den Himmel
aufgeteilt haben und eingerichtet für sich.

Ich halte meinen Tod bereit wie ein Kleid,
das auf mich wartet, in meiner Lieblingsfarbe,
von der Weite, die ich vergebens suchte,
von der Tiefe, die ich brauche.

Wenn die Liebe ihre unleugbare Materie verschwendet hat
und der Kampf seine Hämmer austeilt
in andre Hände voll gehäufter Kraft,
naht der Tod, auszulöschen die Zeichen,
die deine Grenzen errichtet hatten.

DAS VOLK

Es zog das Volk einher mit seinen
roten Fahnen,
und mitten hinter ihnen, auf dem Gestein,
das sie berührten,
war ich im dröhnenden Tag
und den erhabenen Kampfgesängen.
Ich sah es, wie sie Schritt um Schritt erkämpften.
Einzig ihr Widerstand war der Weg,
einzeln waren sie zerspellte Splitter
eines Sternes, ohne Mund und ohne Glanz.
Nebeneinander in der in Schweigen geformten Eintracht
waren sie die Flamme, der unzerstörbare Gesang,
des Menschen ruhevoller Schritt auf Erden,
der Tiefe bewirkt und Kampf.
Sie waren die Würde, die erkämpfte, was betreten war,
und die der Menschen Ordnung
erweckte als ein System,
die an die Tore pochten und sich niederließen
in der Haupthalle mit ihren Fahnen.

SIE WERDEN GENANNT

Während ich schreibe, weist meine
linke Hand mich zurecht.
Sie sagt mir: warum nennst du sie,
was sind sie schon, was bedeuten sie?
Warum ließest du sie nicht in ihrem namenlosen Schlamm
des Winters, jenem Schlamm, in den die Pferde harnen?
Und meine Rechte antwortet ihr: "Ich war geboren,
um an die Tore zu pochen, die Schläge aufzufangen,
die letzten, in Winkeln verborgenen Schatten zu
entflammen,
in denen die giftige Spinne sich nährt. "
Sie sollen genannt sein. Vaterland, du übertrugst mir nicht
das süße Vorrecht, dich rühmlich zu erwähnen
mit deinen Nelken nur und deinem Wogenschaum,
Vaterland, du gabst mir nicht das Wort, dich anzurufen
mit Namen von Gold, von Blütenstaub und Wohlgeruch,
und beim Säen Tautropfen zu versprühen,
die aus deiner schwarzen Haarflut fallen, der hoheitsvollen:
du gabst mit Milch und Fleisch die Silben mir,
die auch die fahlen Würmer nennen werden,
die deinen Leib durchwandern,
sie, die dein Blut grausam quälen, dir das Leben rauben.

Pablo NERUDA
CHILE - AMERIKA

Übersetzung Erich ARENDT

Erzählkunst 
Adriana Alarco de Zadra

Ein neues Herz - Adriana Alarco de Zadra

Adriana Alarco de Zadra wurde am 11 Juli 1937 in Lima, Peru, geboren. Sie ist mit einem italienischen Wirtschaftsfachmann verheiratet, hat vier Töchter und drei Enkel.
Sie veröffentlichte Perú, el libro del viajero (Peru, Lima, 1978 und 1981), Perú, el libro de las plantas mágicas (Lima, 1988 und 2000), Perú, los minerales maravillosos (Lima 1992) und Nuestra Fauna (Lima 1997). Auch wurden einige ihrer Kinderbücher in Ecuador (Brújula para Niños), in Peru (Leyendas de Oro del Perú) und in Italien (Omagua e le ombre consigliere della selva amazzonica, unter anderen) herausgegeben. Sie hat an zahlreichen nationalen und internationalen Publikationen mitgewirkt. Weiters arbeitet sie als Übersetzerin für Englisch, Italienisch und Spanisch.

Ein neues Herz

Ich habe keinen Moment Ruhe. Manchmal schlafe ich mit dem Schweißbrenner in der Hand ein und das ist gefährlich. Ich könnte mich brennen, auch wenn das außer mir niemanden stören würde.
Ich bin schon groß und werde dieses Jahr 13 Jahre alt, wenn ich mich nicht verrechnet habe, auch wenn ich den Tag, an dem ich geboren wurde, nicht weiß. Ich bin dankbar für die Matratze, die man mir gegeben hat. Sie hat Löcher und Beulen, ist aber besser als die Kartonschachtel, in der ich vorher geschlafen habe. Sie hat auch Flöhe, aber die sind besser als die Ratte, die mir nachts in die Zehen beißt.
Ich würde gerne sehen, was es draußen gibt. Er lässt mich nicht raus, dieser böse Mensch, den sie Krabbe nennen. Er lässt mich arbeiten, auch wenn es stimmt, dass er uns etwas zu essen gibt. Er sagt, es gehe uns besser als vielen anderen.
Wie wohl diese anderen sind? An dem Tag, an dem ich fliehen wollte, hat er sich auf mich geworfen und mir den Hintern versohlt. Aber ich konnte kurz raus. Ich habe das Licht gesehen, die Straße und Leute, die dort gegangen sind. Sie haben mir einige Münzen gegeben ohne dass ich sie darum gebeten habe und das hat mich sehr gefreut. Nicht alle sind schlecht, glaub ich, es gibt auch Gütige.
Ich bin nicht weit gekommen, denn die Krabbe hat mich erwischt. "Es ist besser, wenn du die Leute draußen nicht kennen lernst", hat er zu mir gesagt. Ich hab nicht mehr versucht zu entkommen und deshalb hat er uns eine Matratze geschenkt. Ich werde es ein anderes Mal wieder versuchen und dann nehme ich meinen Bruder mit. Heute bin ich müde. Ich muss entwischen bevor er mich so verprügelt, dass ich steif werde wie die Ratte, die ich vor kurzem in der Nacht mit dem Brenner verkohlt habe.
Miguelito schläft. Er hat mir erzählt, dass ihm seine Hand weh tut, weil er sich mit der Dose geschnitten hat, als er sie mir gereicht hat, damit ich sie löte. Ich bin es leid, Tag und Nacht zu arbeiten. Ich hoffe, die Krabbe bemerkt die verletzte Hand Miquitos nicht, denn er ist fähig, ihn in den Schacht des Abwasserkanals zu sperren. Auch wenn er uns nicht sterben lassen wird aber - wie zahlen wir ihm die Summe zurück, von der er sagt, dass sie ihm unser Vater schuldet?
Ich sehe ein Licht unter der Tür. Ob ein Fremder herein gekommen ist? Ob es ein Dieb mit seiner Lampe ist? Wenn es ihm gelingt hier hereinzukommen, werde ich ihn bitten, mich weit weg zu bringen. Alles muss besser sein als hier zu bleiben, auch wenn uns die Krabbe immer wieder erklärt, dass wir im Paradies seien. Ich würde gerne das Paradies kennen lernen, um zu sehen, ob er Recht hat! Ich glaube es nicht.
Hoffentlich stößt der Fremde nicht auf den bösen Kerl, der sich "Krabbe, die schläft, erwacht auf dem Teller" zum Motto gemacht hat und sich immer nur kurz ausruht.
Er hat die Tür geöffnet und ist hier herein gekommen! Ich weiß nicht, was es ist. Es ist ein leuchtendes Wesen, das nicht spricht, wie ein grüner Geist. Sein Gesicht ist sehr weiß, aber ich kann es nicht gut sehen, weil es dunkel ist. Es muss ein Wesen aus einer anderen Welt sein, das mir die Sterne zeigen wird, die ich fast nie sehe, auch nachts nicht.
Die leuchtende Gestalt scheint durch die Luft zu gleiten und sich zu drehen. Sie sieht mich an, ich glaube, dass sie mich ansieht, aber ich kann sie nicht genau erkennen. Ich versuche sie an ihrem Kleid zu fassen und sie entfernt sich ganz sanft durch den Raum. Ich folge ihr und sie verschwindet schneller als ich das Wort an sie hätte richten können. Ob wohl die Krabbe aufgewacht ist? Ich höre ein Flüstern auf der anderen Seite der Tür. Ob er sich wohl mit der Lichtgestalt unterhält, die von einer anderen Welt gekommen ist? Auch ich will hinaus, aber ich kann nicht. Die Krabbe hat die Tür abgeschlossen.
Ich weiß, dass ich so wie letztes Mal entwischen kann, wenn er mich nicht hört. Ich weiß, dass ich mich durch den Abwasserkanal davonschleichen kann, der sich hinter den Blechplatten befindet. Auch wenn ich weiß, dass er schmutzig und voller Ratten ist, muss ich mich meinem Schicksal stellen. Dieses Licht, das mich besuchen gekommen ist, ist meine Bestimmung. Die Lichtgestalt kann mir helfen, ich bin sicher.
Es genügt, wenn ich mir dieses Tuch über die Nase halte und so nichts einatme. Ich bin schnell und kann nach draußen kriechen wie ich es geplant habe. Während ich das denke, bewege ich die Blechplatten ganz langsam, um weder Miguelito noch die Krabbe aufzuwecken. Ich schlüpfe durch das Loch hinunter und krieche mitten durch die Schweinerei, wobei ich die Ratten mit einem Stock wegstoße, damit sie mich nicht beißen.
Ich weiß, dass sich am Ende ein Ausgang befindet, der auf die Straße hinaus führt, auf der es so viel Schmutz gibt. Schließlich, als ich beinahe an dem Gas ersticke, das durch diesen schrecklichen Tunnel strömt, sehe ich das Licht. Ich möchte nicht wissen, wie ich aussehe. Ich bin ein Abfall des Lebens. Ich glaube, dass ich nichts wert bin. Besonders nicht, wenn ich nach Scheiße und Abwasser stinke. Die Lichtgestalt erwartet mich. Dort, auf der Straße, sehe ich ihre lange, gänzlich grüne Erscheinung mit dem roten Haar, das aus einer grünen Haube hervorrutscht, und den grünen Augen über einem grünen Tuch, das ihren Mund bedeckt. Sie deutet mir mit der Hand, dass ich in ein ganz weißes Fahrzeug einsteigen soll. Ich gehorche. Im Inneren gibt es Betten.
Ob sie mich weit wegbringen werden? Sie ist draußen geblieben. Ich sehe, dass sie mit der Krabbe spricht! Ob er mich entdeckt hat? Hoffentlich sieht er mich nicht!
Die Lichtgestalt drückt ihm ein Bündel Geldscheine in die Hand und der Verdammte zieht sich zurück. Ich atme erleichtert aus. Sie ergreifen mich und waschen mich mit einem Schwamm. Das Wasser verfärbt sich schwarz. Sie geben mir zu trinken. Sie stechen mich mit Nadeln. Sicher werde ich in andere Welten reisen und sie bereiten mich vor. Ich werde ganz nach oben kommen, wo die Sterne leuchten. Ich werde meine Mutter kennen lernen. Und dann werde ich zu Miguelito zurückkehren. Armer Miquito. Wer wird ihn jetzt verteidigen! Ich schließe die Augen. Ich glaube, ich schlafe vor Erschöpfung ein.
Das letzte, was ich höre, ist, dass sie genau so ein Herz brauchen wie das, das ich besitze. Ich drehe mich um. Ein anderer Junge liegt auf dem Bett auf der Seite. Das Fahrzeug bewegt sich und wir entfernen uns langsam.
Ich habe verstanden. Dieser Junge braucht ein Herz. Ich werde ihm meines schenken, um zum Himmel reisen und meine Mami kennenlernen zu können.
Muss ich zufrieden sein? Ich hoffe schon. Endlich werde ich das Paradies kennen lernen.

Übersetzung: Miriam EBERHERR

Adresse: Calle San Juan 734, depto. 101, Surco, Lima 33 - PERU
E-Mail
: zadra@viabcp.com, azadra@terra.com.pe, gazadra@libero.it

Kulturbrücke Salzburg - Santa Fe
Valeria Ansó

Gedichte - Valeria Ansó

Liebe Freunde,

schon vor einigen Jahren stellten wir einen Kontakt mit einer auserlesenen Gruppe von Persönlichkeiten der kulturellen Welt von Santo Fe / Argentinien her, wobei wir einen sehr aktiven Austausch initiierten, der Tag um Tag wächst und erstarkt. Es gibt schon eine erkleckliche Anzahl von Autoren und Künstlern, die wir in unseren Ausgaben von XICóATL und in unserem Radioprogramm "Lyrik und Musik aus Lateinamerika" vorgestellt haben. Nun fügen wir diese Arbeit mittels formaler Errichtung einer Kulturbrücke Salzburg - Santa Fe ein, die es bereits seit einiger Zeit gibt, mittels Entwicklung verschiedener kultureller Austauschprogramme, sowohl in jener Provinz als auch in Salzburg. Zu diesem Zweck werden wir auf unserer Internetseite www.euroyage.com einen eigenen Link einrichten.
In der Folge stellen wir die prämierten Arbeiten des im Jahre 2003 abgehaltenen 4. Literaturwettbewerbes für Jugendliche "El Puente" vor.

Valeria Ansó wurde am 25. Februar 1986 in Reconquista geboren; wohnt jedoch in der Stadt Santa Fe. Soeben hat sie die Mittelschule abgeschlossen und strebt das Staatsexamen in Geisteswissenschaften an. Für ihre Erzählungen hat sie mehrere Preise bekommen, sowie den 1. Preis bei der VI Biennale Junger Kunst 2003, die von der "Universidad Nacional del Litoral" in Santa Fe organisiert wird.

Frau (Hidden woman)

In diesen Tagen beschrieb er in seinem Kopf und allgemein ohne es zu wollen alle Situationen, als ob er sie gerade erzählte.

Als er das Zimmer betrat, traf er sie bäuchlings auf dem abgespannten Bett an, wobei sie in einem Buch las und ab und zu etwas in ein gelbes Büchlein eintrug. Ihre Beine bewegten sich ruhig und das Haar trug sie auf eine unordentliche Art hochgesteckt.
Ihr Anblick war auf eine seltsame Weise beunruhigend. Sie trug ein weißes Kleid, das durchschien und dabei die gleichfarbige Unterwäsche andeutete, und die Zehennägel waren fein rotlackiert. Die anziehende Mischung von kindlicher Unbefangenheit und ausdrücklicher Sinnlichkeit erwies sich als erregend.

Oder zumindest so hätte er sie in diesem Augenblick beschrieben, auf den ersten Blick. Er wollte seine neue, schlechte Angewohnheit, alles zu beschreiben, rasch vergessen, um Nebenwirkungen zu vermeiden, und so beschränkte er sich darauf, sie wie immer zu grüßen. Als ob er sie nie begehrt hätte.

Übersetzung: Renato VECELLIO

Adresse: Ruta 1 - Km 3 - "Parque de las Paltas" - Manzana I, Lote 5 - Santa Fe - ARGENTINIEN
E-Mail: vale_granlady@hotmail.com

Kulturbrücke Salzburg - Santa Fe

Gedichte - León Komorowski

León Natán Komorowski wohnt in Coronda und machte das pädagogische Abitur. Er gründete eine Studententheatergruppe (1998-2002), den Chor der Schule "Nicasio Orono" (1994-1997) und danach jenen der ehemaligen Schüler. Er war beim Kinder- und Jugendchor des Gymnasiums und der Literaturwerkstatt "Cuentacuentos" (1991-1998). Seit 1999 gehört er zur Literaturwerkstatt für Jugendliche "Remontando Vuelo". Derzeit ist er im ersten Jahr seiner Laufbahn als Anwalt an der Fakultät für Rechts- und Sozialwissenschaften der "Universidad Nacional del Litoral" und im 8. Lehramtsjahr für Klavier. León hat zahllose Preise auf verschiedenen künstlerischen Gebieten gewonnen; seine Texte wurden in vielen Medien veröffentlicht.

Ich habe von deiner Abreise gelernt

Ich habe gelernt den Gespenstern zuzulächeln
welche die leeren Frühlinge umrissen:
der Einfalt der Gesichter welche die ergebene Wärme
der in Hilflosigkeit ergründeten Kalender überhäuften.

Ich habe gelernt, dass es Zeit ist,
wo es für uns im Schmelztiegel der Geduld spät geworden ist,
jedoch dass es eine feurige Sprache unter den Vögeln gibt
die das Unbewusste nicht aufmerksam machen konnte.

Sie bezichtigten das Sein sie vermieden die Sprache des Alphabets,
sie schwächten das Band meiner Stimme.

Um die Tage zu versengen, verurteilten sie mich zur aufweckenden Sonne.

Es bleibt mir in der Schlaflosigkeit zu scheinen,
weil man mir das Licht getötet hat, sie haben mich zum Flug gezwungen,
sie haben mir die Gedichte entblößt, die regenbogenfarbige Flamme der Hoffnung.

Ich habe gelernt zu kämpfen, an die irrationale Schlaflosigkeit des Widerstehens zu glauben,
die Tränenaugen nicht zusammenzupressen,
dass wir Bündnisverbindung zwischen den Körpern sind.

Ich habe das Profil meines Schattens gelernt,
aber es blieben mir keine Himmel die mich verbannen können.

Vielleicht habe ich deine Abreise mit
einem anderen Kummer gelernt,
bei diesem Abschied an den Schwellen der Angst.

Auf diesem dem Wind überlassenen Papier,
- wenn du es entdeckst -
übergebe ich dir die Sonne die man mir entwendete
damit sie dich einhülle und es einen unschuldigen Frühling gäbe;

obwohl es nötig ist die Nacht in den Spiegeln zu brechen.

Übersetzung: Renato VECELLIO

E-Mail: leonk_85@yahoo.com.ar

Bücher
Lambrusco

Lambrusco - Horacio Rossi

Autor: Horacio C. Rossi, Privatdruck, Santa Fe, Argentinien, 2003, 352 Seiten.
Ein seltsames, anregendes, originelles, unvergleichliches und subversives Werk. Mit einem Vorwort von Alfredo di Bernardo.
Lambrusco erzählt die Geschichte des Dorfes Victorina, das in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts von Einwanderern gegründet wurde. Mittels des Aufeinandertreffens von unterschiedlichen Menschen, Bräuchen und Sprachen an diesem Ort führt Rossi uns ein in eine rücksichtslose Welt der Klänge, der Artikulationen und der mündlichen und schriftlichen Gedankenexperimente. Der Leser wird beinahe überwältigt von dieser einzigartigen Welt, die in einer Sprache voller langer und origineller philologischer Betrachtungen dargestellt wird und in das besondere Verhältnis getaucht ist, das jeder einzelne der Charaktere zur Zeit und zur Wahrnehmung der Dinge hat.
Horacio Rossi lebt in Santa Fe und hat bereits mehrere Gedichtbände veröffentlicht. Lambrusco ist sein erster Roman.
Wenn Sie Interesse an diesem Buch haben, schreiben Sie ein Email an: lacho48@arnet.com.ar

Bücher
Cadenas invisibles

Cadenas invisibles - Tomás Stefanovics

Autor: Tomás Stefanovics. Verlag La Gotera, Montevideo, Uruguay, 2003, 141 Seiten.
Inwiefern gehören Kinder ihren Eltern? Ist die Liebe zu den Eltern und der Respekt ihnen gegenüber nur eine weitere schwere Last, die es auf dem Weg in die Unterwürfigkeit, bis hin zur eigenen Vernichtung, zu tragen gilt? Die Reproduktion von Macht und diktatorischer Herrschaft, die für individualistische Gesellschaften charakteristisch ist, findet statt (oder entsteht in) der kleinsten Zelle der Gesellschaft: der Familie.
Cadenas Invisibles ist eine lebhafte, unterhaltsame Erzählung, manchmal mit einer Prise "schwarzem Humor", die ohne Übertreibungen von der Unterdrückung berichtet, die in auf Privatbesitz basierenden Gesellschaften innerhalb der Familien herrscht. Ein Buch, das zu einer ausführlichen Auseinandersetzung mit diesem Thema einlädt.
Tomás Stefanovics stammt aus Uruguay und lebt seit 1963 in Deutschland. Er hat mehrere Bücher mit Essays und Erzählungen veröffentlicht. Cadenas Invisibles ist sein erster Roman.
Wenn Sie Interesse an diesem Buch haben, schreiben Sie ein Email an: jultomste@yahoo.com

Bücher
Letras nómadas

Letras nómadas - Vicente Girarte Martínez

Autor: Vicente Girarte Martínez. Verlag Palenque, Morelia, Mexiko, 2004, 176 Seiten.
Der Priester Vicente Girarte Martínez widmet seinen fünften Gedichtband der Welt der Worte. Mittels einer weitgefassten Sammlung von Ideen und Bildern, die er mit unvergleichlicher künstlerischer Geduld ineinander verwoben hat, schenkt uns der Autor eine wahre Komposition von Lehren. Die Sichtweise des Nomaden, die Befreiung von der Last der materiellen Dinge und der Erinnerungen, das im Einklang stehen mit dem Kosmos und die ständige Wandlung des Seins, die Bewunderung für die Schönheit des Augenblicks, des Neuen, des Vergänglichen, sind nur einige der Geschenke, die dem Leser mit diesem Werk voller Reife und Weisheit überreicht werden.
Letras Nómadas ist ein Lobgesang auf die schönen, einfachen Dinge, die es in dieser Welt gibt und von denen wir umgeben sind, manchmal ohne uns dessen bewusst zu sein.
Wenn sie dieses Buch erwerben wollen, schreiben Sie bitte an die Adresse des Autors: Rayón # 71, Sahuayo, Michoacán, MÉXICO

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Jacarandáes en celo

Jacarandáes en celo - Cristina Pizarro

Autorin: Cristina Pizarro. Verlag des Instituto Literario y Cultural Hispánico, Buenos Aires, Argentinien, 2003, 96 Seiten.
Betrachtungen, Träume, Wünsche und Erinnerungen sind die Materialien, aus denen Cristina Pizarro ihren vierten Gedichtband geschaffen hat, der nun erschienen ist. Ihre Verse- eine wachsende Spirale aus alltäglichen Erlebnissen, Phantasie und vor allem existentialistischen Bildern- spiegeln die Sorgfalt der Autorin im Hinblick auf Stil, Detailtreue und Schlichtheit wieder, die die Stärke der poetischen Stimme ausmacht, die beim Leser Gefühle und Leidenschaft aufrüttelt.
Jacarandáes en Celo führt uns hin zu einem dankbaren Teilen und offenbart uns durch die Magie und Energie der Worte die Vorstellungen und Sorgen der Autorin. Das Buch wurde von der ebenfalls aus Buenos Aires stammenden Malerin Margaret Collazo auf schöne Weise illustriert.
Wenn sie dieses Buch erwerben wollen, schreiben Sie bitte an: indrairi@overnet.com.ar

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La guerrilla del Che en Bolivia

La guerrilla del Che en Bolivia - María del Carmen Garcés. 

Autorin: María del Carmen Garcés. Verlag Sur Editores, Quito, Ecuador, 1999, 456 Seiten.
Wir konnten anlässlich des Besuchs von María del Carmen Garcés diesen Mai in Salzburg, um einige Vorträge über ihre Forschungsarbeit zu Ernesto Guevara de la Serna zu halten, das folgende Interview mit der geschätzten Autorin führen, das wir hier unseren LeserInnen präsentieren.

Wie entstand die Idee, das Buch über Che Guevara in Bolivien zu schreiben?
Sie entstand aus einer persönlichen Frage zur Anwesenheit des Che in Bolivien: Was geschah dort mit ihm? Beim Versuch, eine Antwort auf diese Frage zu finden, begann ich 1983 diese Forschungsarbeit in den wichtigsten Zeitungen, die in jener Zeit in Bolivien erschienen, setzte sie Jahre später in Kuba, Chile, Argentinien fort und schloss sie vor ein paar Jahren in Venezuela und Frankreich ab. Das Buch ist eine Zusammenstellung von chronologisch geordneten Dokumenten über die Guerrilla des Che in Bolivien. Es umfasst Interviews, Zeugnisse, Tagebücher der Kämpfer, Memoiren der Kämpfer des urbanen Netzes, Ansprachen und Erklärungen politischer Persönlichkeiten der Zeit (Fidel Castro, Inti Peredo, Salvador Allende); des weiteren kann man in den täglichen Nachrichten über die darauf folgenden Ereignisse lesen: Berichte von Guerrilleros, Soldaten, journalistische Schilderungen, sowohl geographische als auch er Lager, die gefunden wurden, usw.). Eines der Kapitel ist die Botschaft des Che an die drei Kontinente, ein grundlegendes Dokument für das Verständnis von Ernesto Guevaras Strategie im Kampf zur Befreiung Asiens, Afrikas und Lateinamerikas vom Kolonialismus, Neokolonialismus und Imperialismus.

Wie waren die Reaktionen der Menschen und der Autoritäten in den verschiedenen Ländern auf Ihre Forschungsarbeit?
Im Allgemeinen war die Reaktion auf meine Nachforschungen die der Zusammenarbeit, der spontanen und bewussten Unterstützung. Zum Beispiel im Fall dessen, was ich in Kuba erarbeitet habe, gaben mir die MitarbeiterInnen der Nationalbibliothek José Martí alle nötige Unterstützung; ich muss auch erwähnen, dass die Arbeit, die den Ausgangspunkt zu mehreren Büchern darstellt ohne die Initiative der MitarbeiterInnen der Zeitungsarchive für mich nicht durchführbar gewesen wäre. Was die spätere Etappe der Publikationen, die Etappe der Präsentationen und Vorträge betrifft, war die Reaktion äußerst interessant: Ich erinnere mich zum Beispiel an die Präsentation in La Paz. Nach dem Vortrag und der Diskussion trat beim Ausgang jemand an mich heran und sagte mir, er wolle mit mir sprechen. Es war Paco, José Castillo, bolivianischer Kämpfer in Joaquíns Gruppe, der einzige Überlebende. Bei späteren Treffen unterhielten wir uns ausführlich und eindringlich über die Schwierigkeiten, Leiden, Beziehungen unter den Guerrilleros während dieser Zeit der verzweifelten Versuche, sich mit Che zusammenzutun, da wegen Erkrankung mehrerer Kämpfer die Teilung der Guerrrilla in zwei Gruppen nötig geworden war, denen es nicht gelang, wieder zusammen zu kommen. In Ibarra, Ekuador, erhielt ich zu meiner Überraschung ein Glückwunschschreiben des obersten Polizeikomandanten der Provinz Imbabura. Er beglückwünschte mich dazu, diese Forschung zu einem historischen Ereignis betrieben zu haben, das von "diesem großen Menschen" angeführt worden sei. In Valparaíso gründete eine Gruppe von Freunden beispielsweise den Verlag Quinta Página und finanzierte die erste Auflage des zweiten Teils der Arbeit: Kubanische, bolivianische und chilenische Presse, als ein Teil der chilenischen Hommage anlässlich des 30. Jahrestags von Ches Tod in Bolivien.

Was glauben Sie, welche Rolle der Kampf und die Ideen Che Guevaras heute in Lateinamerika spielen?
Ich glaube, dass sie von grundlegender Bedeutung für alle sind, die sich der Notwendigkeit des Kampfes für die Unabhängigkeit stellen.

Wie waren die Reaktionen auf das Buch in Europa?
Sehr interessant. Die Reaktionen des Publikums, die Fragen, die gestellt wurden usw. Bekunden das allgemeine Interesse, das Ernesto Guevara in der Welt weckt.

Was bedeutet Che Guevara für Ihr Leben?
Es ist schwer, das mit Worten auszudrücken. Die Arbeit, die ich seit 1983 über die theoretisch-praktische revolutionäre Entwicklung des Che weiter verfolge, spricht eine klare Sprache davon, was er für mich bedeutet.

María del Carmen GarcésMaría del Carmen Garcés wurde 1958 in Latacunga, Ekuador, geboren. Sie ist Übersetzerin, Forscherin, Erzählerin und Bergs-Führerin in Lateinamerika. Sie veröffentlichte: "Materiales sobre la guerrilla de Ñancahuazú", Quito, 1987 ("Materialien über die Guerrilla von Ñancahuazú"); "Mirame a los ojos", Quito, 1995, 1998, 2001 ("Schau mir in die Augen"); "La guerrilla del Che en Bolivia", Valparaíso, 1997 1999 ("Die Guerrilla des Che in Bolivien"); "La guerrilla del Che en la prensa cubana" La Habana - Buenos Aires, 1998, ("Die Guerrilla des Che in der kubanischen Presse"); "Cuando ella devolvió el beso", Quito, 2001 ("Als sie den Kuss zurückgab").
E-mail: mariacarmen7@yahoo.com

Interview von WALKALA

Übersetzung: Ulrike ZOMORRODIAN-SANTNER