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XICöATL: Ausgabe 55
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Gedichte - Cristina Pizarro
Cristina Pizarro wurde am 24. November 1949 in Banfield/Buenos Aires geboren. Folgende Gedichtbände wurden bereits veröffentlicht: »Poemas de agua y fuego« (1993), »La voz viene de lejos« (1995) sowie »Lirios prohibidos« (1998). Cristina Pizarro unterrichtet Literatur an der Hochschule Sara C. de Eccleston in Buenos Aires. Darüberhinaus hat sie bereits einige Schreibworkshops organisiert. Sie ist Mitglied der Kommission für kulturelle Veranstaltungen des Hispanischen Literatur- und Kulturinstitutes von Kalifornien und hat bereits an zahlreichen Schriftsteller- und Literaturkongressen unter anderem in Paraguay, Chile, Brasilien, Uruguay, Venezuela, Kolumbien, Guatemala und Peru teilgenommen. Cristina Pizarro arbeitet mit dem Unterausschuss für Literaturwettbewerbe und -auszeichnungen zusammen. Außerdem ist sie Mitglied der argentinischen Redaktion der internationalen Zeitschrift FRANCACHELA und Direktorin des indisch-argentinischen Kulturzentrum von Kalkutta in Buenos Aires.
Die Brücke des Teufels ist eingestürzt
Sie fallen und fallen die geheimnisvollen, granatfarbenen Spiralen Drehung um Drehung bis sie in der Luft sind. Die Abdrücke Gottes verschwinden. Sie sind nicht dass. Genausowenig wie die alten Klöster. Und die in Flammen stehenden Bibliotheken. Und die hungrigen Häuser. In der Ferne sehe ich die zitternden Schafe flüchten. Die betrübten Pferde lösen sich auf. Alles vergeht kurz dauert der Sprühregen auf diesem rauhen Feld. Das Haus mit Arpeggios aus Licht Der Psalmengesang des Regens Die Unterhaltung und ein Schluck Kaffee. Eine alte Brille auf der purpurroten Erde ist Zeuge an diesem Abend. Ein Testament aus Asche stürzt herab. Ohne Arbeit. Ohne die schmutzigen Fabriken. Ohne die zerstörten Straßen. Ohne die leeren Obst- und Gemüsefelder. Jetzt wird die Flagge unter blutendem Schmerz eingezogen und bedeckt die Toten mit den letzten Steinen ihres Halbdunkels. Der Geist des Grases wird die Erde küssen. Und Pappeln und Tauben werden das Brot weihen. Im Nebel zu sterben ist in der geheimnisvollen Farbe der Spiralen wiedergeboren zu werden. Für SILVIA MONROS DE STOJAKOVIC, Professorin für argentinische Literatur in Belgrad.
Milchstraße
Jenseits der verdunkelten Berge führte mich mein unsicheres Wandern ins Jenseits. Ich überquerte ohne Argwohn tugendhafte Felder und sah Silhouetten aus Stein, die unter den Vordächern prahlten. Aber meine unvergänglichen Fußspuren haben desolate Krankenhäuser ausgegraben. Der Fluss des Himmels machte den Weg der Vögel würdig. Dort traten sich die Wolken in den Ästen der Bäume gegenüber und die von den Pilgern erforschten Spuren führten ins Land der Toten.
Übersetzung: Angelika MOSER
Ekstase
Ich werde der Kolibri sein, der sein bewaffnetes Volk verzauberte, als ich das Licht suchte. Ich werde ihm den Weg zur Sonne weisen, wenn ich seine vielseitige Größe prophezeie. Ich werde der Leguan sein, der auf seinem langen Weg über die Steine kriecht. Er erklimmt die Anhöhen und seine ekstatische Seele vereint sich mit dem Schöpfer. Auch wenn die wütenden Gewässer und zornigen Ströme die ersten Figuren aus Ton und Holz zerstört haben ... Niemand wird dein Gesicht zerstören können. Herr aus Mais, jetzt schenkst du mir deinen Samen der Sonne. Du wirst niemals sterben.
Zelle
Während die Musik meine Tränen bedeckte, fragte ich mich wer ich bin. Eingehüllt in einen Schleier aus Ungeziefer versank ich in sumpfigem Küstengebiet und wollte den Aufenthaltsort der Toten roden. Dort liegt manchmal ein wahrhaftiges Geheimnis. Die Gewässer der Hölle vereinigten sich mit der Atmung. Und dann, im Angesicht des Schweigens, entblößte sich meine ganze blutende Erde. Als das heilige Feuer aus dem Glockenklöppel stieg, betrachtete sich der Schrei selbst.
Alchimie
Der Weise vereint sich mit dem Vogel des Deliriums. Im Tanz erlangt er Liebe, findet einen Diamantschlüssel; und auf der Flucht vor den Dämonen der Zeit gelangt er an einen einsamen Platz. In Umarmung mit diesem leichten Schaum erobert er ein Heer aus Licht. Kaum ein Murmeln überraschte das ausgedörrte Gras. Dieser Freudenschrei besiegelte sein Leben.
Adresse: Av. Federico Lacroze 2277 4°B, 1426 Buenos Aires - ARGENTINIEN E-mail: indrairi@overnet.com.ar
Gedichte - Daniel Andina
Daniel Alberto Andina wurde in Quilmes/Buenos Aires geboren. Er ist Psychologe von Universidad Nacional de La Plata. Seine Gedichte wurden in Literaturzeitschriften im In- und Ausland veröffentlicht. Andina hat Preise bei nationalen und internationalen Wettbewerben erhalten. Derzeit ist Vizedirektor von Francachela Revista Internacional de Literatura y Arte, und Direktor des Portal de Cultura y Arte de Buenos Aires El Muro.
Das Ende der Kindheit
Für A. C. Clarke wo der Sommer fällt entsteht ein gewisser Schmerz auf der Höhe der Nacht bei deinen Augen beginnt ein liebliches Land der Vögel und Entfernungen wo der Tod bei dir scheitert bläst die Freiheit eines Menschen wenn der Herbst die Brust des Reifen auftut gibt es in deinen Händen weiche Flüge Zerstörungen der Regen, die Liebe und die Welt wiedererlangend
? etwas knistert in der Welt auf ihrer festen Erde in ihrem runden Herzen etwas Lauwarmes birst in der Luft ein Licht aller eine Farbe der Verwerfung etwas Reifes Weißglühendes Schwieriges die Nacht
? 1 am Rand der Liebe schiebt der Abend seinen Körper Einsamkeit in meinem Hauch er zittert sie neigt ihre Augen, die helle Freiheit 2 dein Blick bringt mir die Welt näher unendlich ist diese Reise um deinen Hals 3 unter dem Wind der Sterne stört uns ein anderer Wind 4 Kind in deinen Augen ein Mondsterben 5 wie die Nacht auf der Welt glaube ich an den Regen
Übersetzung: Renato VECELLIO
Adresse: Av. Hipólito Yrigoyen 730 1°L, 1878 Quilmes - ARGENTINIEN E-mail: dandina@hotmail.com
Die Politik der Philosophen - Rafael Lara-Martínez
Rafael Lara-Martínez wurde in El Salvador geboren. Er studierte Linguistik in Mexiko und Frankreich, dem Land wo er sein Doktorat machte. Er absolvierte in North Carolina ein Post-Graduate-Studium in lateinamerikanischer Literatur. Er veröffentlichte zahlreiche Artikel und Bücher über mittelamerikanische Literatur und über indigene Sprachen in mehreren Ländern. Zurzeit ist er als Assistent für Fremdsprachen am Technologie- und Bergbauinstitut New Mexicos beschäftigt.
Die Politik der Philosophen
Die Uneinigkeit zwischen Politik und Philosophie gemäß Jacques Rancière Sokrates ist der einzige Athener, der sich um die Angelegenheiten der Politik kümmert. Platon. Dass die Philosophie und die Kunst miteinander im Streit liegen, sollte uns nicht verwundern. Selbst ohne je Platon gelesen zu haben, kennt fast jeder durch Überlieferung jene falsche völlige Verbannung der Poesie außerhalb der Grenzen der idealen Republik. Ohne diese einfache Lektüre in Abrede zu stellen, dassdie platonische Erziehung der politischen Anführer durch ein strenges Studium der Poesie ergänzt wird, beschäftigen wir uns nun damit, eine andere Meinungsverschiedenheit zu untersuchen. Wir beziehen uns nicht auf den klassischen Gegensatz zwischen der Beweiskraft der Wissenschaft und der subjektiven Kraft der Poesie, zwischen dem Logos und dem Mythos; vielmehr interessiert es uns, den Unterschied zwischen der Art, in der die Philosophie und die Politik den Beginn der Politik betrachten, nachzuvollziehen. Es gibt zwei Arten, um ein und den selben Begriff zu definieren und daher wird es auch mindestens zwei Arten geben, Politik zu machen: die Politik der Politiker und die Politik der Philosophen. Wir finden in der zweiten die Lösung der ersten und die Richtigstellung eines "Fehlers". Die Philosophie beginnt, wenn wir bemerken, dass es ein Unbehagen in der Politik gibt, einen "Fehler". Die Politik der Politiker stellt eine Sackgasse dar. Anstatt sich um das Wohlbefinden und die Gleichheit der Gemeinschaft zu kümmern, konzentriert sie sich eher darauf, die geeignetste Art zu finden, die in der öffentlichen Verwaltung verfügbaren Plätze zu verteilen. Die Postenvergabe, dieses Herstellen eines kollektiven Konsens, die Organisation der Macht und ideologische Legitimierung öffentlicher Entscheidungen nennt man "politisches Handeln" im philosophischen Sinne. Das "politische Handeln" reguliert die Schaffung von Posten und definiert die Besetzung jedes einzelnen dieser Plätze. Das "politische Handeln" ist es, was man gemeinhin unter Politik versteht; mit einer alten Bezeichnung wollen wir sie die Politik der Politiker nennen. Jedoch ist dies nicht die einzig mögliche Bestimmung. Der Philosoph, der den "Fehler" bemerkt, auf dem die Politik der Politiker aufbaut, versucht, wenn schon nicht ihn zu berichtigen, ihn wenigstens aufzuzeigen. Die politische Philosophie beginnt an dem Punkt, dassder Philosoph die Übel aufzuzählen beginnt, die die Republik plagen. Es geht uns nicht darum, die Fehler einer speziellen Republik aufzuzeigen, sondern wir wollen eine Verallgemeinerung bezüglich der Anfänge der Politik der Philosophen machen. Das Erstaunlichste an diesen Anfängen ist, dass wir sie in einen in Zentralamerika und besonders in der Lehre des Erzbischofs Monsignore Oscar Arnulfo Romero (1917-1980) weitverbreiteten Ausdruck übersetzen können: Die Politik beginnt "mit der Stimme jener, die keine Stimme haben", das heißt, wenn man zugibt, dass diejenigen, die nichts besitzen, die Armen, das Recht haben, an der Ausübung und der Kontrolle der öffentlichen Angelegenheiten und der Justiz mitzuwirken. Solange das nicht anerkannt wird, gibt es keine Politik, nur "politisches Handeln". Der diese Maxime darlegte, der Grieche Aristoteles, setzt in seiner Politik fest, dass sich die Gesellschaften in drei beziehungsweise in zwei Klassen aufteilen: die Reichen (oligoi), die Guten (aristoi) und die Armen (demos), oder besser gesagt, die Reichen und die Armen. Die Herrschaft der ersteren nennt er Oligarchie (oligoi), selbst wenn sie die Mehrheit darstellen; die der letzteren Demokratie (demos). Die Demokratie ist die Herrschaft der freien Menschen, der Armen. Die Oligarchen definieren sich durch eine positive und greifbare Eigenschaft: den Reichtum; das Volk (demos) durch eine Eigenschaft von philosophischem, abstrakten und leeren Charakter: der Freiheit. Doch auch wenn das Volk nur einen Teil des sozialen Gefüges ausmacht, so ist es doch seine philosophische Eigenschaft der "Freiheit", die der Gesellschaft in ihrer Gesamtheit die Fundamente der Gleichheit und der Freiheit gibt, die den Beginn der Politik der Philosophen darstellen. Diese Anfänge hat das "politische Handeln" nicht, sondern die Philosophie der Sackgasse, welche die Politik der Politiker ist, nimmt sie auf. Die Gleichheit und Freiheit des Volkes setzt der natürlichen Herrschaft der Mächtigen (oligoi) Grenzen. Sie wandelt die natürliche faktische Ungleichheit in die soziale und kulturelle Gleichheit des Rechts um. Mehr denn mit einem Konsens beginnt die Politik mit einem Rechtsstreit und einer Debatte um einen "Fehler". Die Berichtigung des "Fehlers" stellt den Ausgangspunkt der Politik dar; dieser Fehler ist es, der dem Volk eine Teilnahme, eine "Stimme für die, die keine Stimme haben" verwehrt. Die Politik beginnt, wenn eine Gesellschaft zustimmt, denen "die keine Stimme haben, eine Stimme zu geben", das heißt, einen Platz in der Kontrolle der öffentlichen Angelegenheiten. Die alten Griechen entdeckten den Klassenkampf vor K. Marx. Aber anstatt in diesem Kampf das Prinzip zu sehen, das die Politik leitet, glaubten sie, dass es ein Rechtsstreit über die Gleichheit vor dem Gesetz sei, der den Ursprung der Politik darstelle. Es gibt nur Politik, wenn die natürliche Ordnung der Herrschaft von einer Institution durchbrochen wird, die denen, die "keine Stimme haben, eine Stimme gibt". In diesem Augenblick beginnt die Logik des Handels, des Geldes, gegenüber der Logik der philosophischen Prinzipien der Freiheit zurückzuweichen. Diese Freiheit ist kein Attribut derer, die über Reichtum verfügen (oligoi), auch nicht derer, die eine Tugend aufrecht erhalten (aristoi); die Freiheit ist vielmehr das mögliche Attribut der Masse des Volkes (demos), derer, die nichts besitzen, weder Kapital noch Tugend. Darin besteht vielleicht die Aktualität von Aristoteles und Monsignore Romero, die wir auch heute noch als unsere Zeitgenossen betrachten...
Übersetzung: Ulrike Zomorrodian-Santner
Adresse:Humanities, New Mexico Tech, Socorro NM 87802 - USA E-mail: soter@nmt.edu
Ukamau, eine Reise zu den Ursprüngen - Guadi Calvo
Guadi Calvo. Schriftsteller und Journalist, geboren 1955 in Buenos Aires. Zehn Jahre lang war er als Fotograf tätig, seit mehr als fünfzehn Jahren ist er es nicht mehr, um sich voll und ganz der Literatur zu widmen. Er verwirklicht und organisiert Literaturwerkstätten und Seminare. Zu seinen Veröffentlichungen zählen: »El Guerrero y el Espejo« (1990) und »Señal de Ausencia« (1993). Er ist auch als Filmkritiker in verschiedenen Medien Argentiniens und Lateinamerikas tätig.
Ukamau, eine Reise zu den Ursprüngen
Die Filmschaffenden müssen den Zusehern gegenüber genau veranschaulichen Und an der Ausarbeitung einer Ausdrucksweise für sie feilen. Jorge Sanjinés Seit dem ersten abendfüllenden Stummfilm (Wara Wara, 1929, von José María Velasco Maidana), bis zu den Dokumentarfilmen von Jorge Ruiz, im Besonderen "Vuelve Sebastiana", (Sebastiana kehrt zurück, 1950) war im bolivianischen Film die Suche und die Wiedererlangung der vorkolumbischen Kultur eine Konstante, jedoch mit Jorge Sanjinés durchläuft diese Suche genaueste Wege. Sanjinés ist neben Glauber Rocha, Tomás Gutierrez Alea, und Arturo Risptein nicht nur einer der bedeutendsten Filmemacher Lateinamerikas, sondern er arbeitet mit absoluter Konzequenz, indem er gemäß seinen Ideen wirkt und seine Individualität als Schöpfer in der Gruppe Ukamau (Oscar Soria, Alberto Villapando, Antonio Eguino, Hugo Roncal, Jorge Vignati usw.) aufgehen läßt. Sein Film geht auf die Ursprünge zurück, nicht als Suche oder anthropologische Forschung, sondern in Form von Rückkehr. Seine Drehbücher, die seiner Weltanschauung treu sind, zielen immer auf die Verteidigung der andinischen Welt ab. Jorge Sanjinés wurde 1936 in La Paz/Bolivien geboren, während die Geschützstände im Chaco Boreal-Krieg verstummten. Nach dem Philosophiestudium an der Universität von San Andrés, reist er nach Chile, wo er mit dem Filmemachen in Berührung kommt. Zwischen 1957 und 1960 hält er sich mit unterschiedlichen Tätigkeiten über Wasser und studiert nebenbei an der Filmakademie der Katholischen Universität, wo er drei Kurzfilme dreht: Cobre (Kupfer)1958, La Guitarrita (die kleine Gitarre) und El Manguito (der Muff) beide 1959. Im Jahr 1961, nach seiner Rückkehr nach Bolivien, wird er Teil der kleinen Welt des Films. 1962 baut er den Nationalen Kulturrat für Film auf und von 1965 bis 1966 leitet er das bolivianische Filminstitut. Seine Filmtätigkeit erfährt dabei keine Minderung; er dreht zwei Kurzfilme Sueños y Realidades (Träume und Wirklichkeiten) 1962, Una JornadassDifícil (Ein schwerer Arbeitstag) 1963 und Revolución, 1963, vielleicht der bekannteste und erfolgreichste unter ihnen: dieser Zehnminutenfilm wurde 1964 mit dem Joris Ivens-Preis in Leipzig ausgezeichnet. Auch Mittelfilme, wie Un Día Paulino, y ¡Aysa! (Derrumbe/Absturz), 1964, die Reihe von Kurzfilmen Bolivia Avanza (Bolivien kommt voran), El Mariscal Zepita (Marschall Zepita) und Inundación (Überschwemmung),1965. Während dieser Jahre bildete er nicht nur die sagenhafte Gruppe Ukamau, sondern er schuf auch die Grundlage für den bolivianischen Film, wobei man über Verteidigung oder Angriff hinausging. Die Verfilmung von Ukamau, (¡Así es!/So ist es!), 1966, war das Zeichen für eine tiefgehende Veränderung in der Konzeption des Filmes von Jorge Sanjinés. Dieser vom Bolivianischen Filminstitut finanzierte und auf der Isla del Sol gedrehte Film erzählt von Vergewaltigung, Tod und Rache einer Indiobäuerin. Der Film wurde gleichzeitig in mehreren Städten Boliviens gezeigt: in La Paz blieb er neun Wochen auf dem Spielplan. Zu Beginn wurde er von General Ovando, dem damaligen Staatspräsidenten, gelobt, aber als man die klar zum Ausdruck gebrachte Schlußfolgerung am Ende vernahm, zauderte die Regierung nicht, die Gruppe des Instituts zu verstoßen und dasselbe zu schließen. Ukamau bekam die Preise "Grandes Directores Jóvenes" in Cannes; "Flaherty", in Locarno im Jahre 1967. Auf Grund dieses Erfolges nennt sich die Gruppe Ukamau. Der nachfolgende Film war der schon sagenhafte Yawar Mallku (Sangre de Cóndor/Kondorblut 1969), in welchem Sterilirisationskampagnen an Bäuerinnen anklagt werden. Mit diesem Film bekam die Gruppe den Preis für den besten ausländischen Film des Jahres" von seiten des Verbandes der französischen Kritiker und El Timón de Oro (Das goldene Ruder) in Venedig (beide 1969), den Gran Premio Espiga de Oro, XV Semana Internacional de Cine de Valladolid 1970 (Großer Preis: Die goldene Ähre). Für die Realisierung von Yawar Malku wurden schwer zugängliche Örtlichkeiten ausgewählt; die neun Mitglieder der Filmmannschaft mußten auf Teilstrecken die Filmapparaturen selbst tragen; als sie im Dorf Kaata ankamen, weckten diese Weißen mit den seltsamen Geräten das Mißtrauen der Eingeborenen, diese weigerten sich mitzutun, was dazu führte, dass sie den Yatiri (Hellseher) des Dorfes zu Rate zogen und nach der Jaiwaco (Voraussagungsfeier), begleiteten die Götter die Gruppe und so konnte mit dem Filmen weitergemacht werden. Auf der ständigen Suche nach Vervollkommung, bringt Sanjinés Projektoren in die Eingeborenengemeinden, in die Bergwerke und in die Stadtrandviertel. Er entdeckte, dass sein Film unvollständig, ungenügend, begrenzt war: mit technischen Fehlern bezüglich Auffassung und Inhalt. Genau dieses Publikum machte ihn darauf aufmerksam. Dieser neue Blickwinkel brachte Sanjinés dazu, den Film anders aufzufassen, was seit damals in den folgenden Arbeiten seinen Niederschlag fand und einen Stil hervorbrachte, welcher der andinischen Weltanschauung ähnlicher ist, wobei er einen Erzählmechanismus entwickelt, der den kollektiven Protagonismus dem individuellen auferlegt. Sanjinés setzt das ästhetisch in die Abnahme von Großaufnahmen um das streben nach der Aufnahme von Bildsequenzen. In vielen Fällen rückt die subjektive Kamera vor, wobei sie auf Rücken und Schultern als Teil einer Mobilisierung, eines Aufruhrs oder einer politischen Versammlung stößt. Eine vollkommene Harmonie bildend, verwendet er nur Bilder, Musikstücke und Geräusche der Umwelt. Diese neue Art und Weise den Film zu begreifen, welche die Begrenztheit und Fehler der Argumentation beseitigte, wurde ihrerseits durch die gegenwärtige und lebende Intervention der Protagonisten und Zeugen der Fakten unterstützt, die ihre Erfahrungen auslegten, wobei dem Ganzen etwas wie dokumentarische Unumstößlichkeit gegeben wurde. Die Mitwirkung von professionellen Schauspielern wurde ausgeschlossen, man sprach Ketschua oder Aymará und man setzte Laienschauspieler ein, was die Verwirklichung eines Filmes in horizontalem Format zuließ. Man erinnerte sich der Dialoge von rekonstruirten Situationen, man diskutierte mit den echten Hauptdarstellern an den Orten der Fakten. Oftmals wohnte das Filmteam beim Drehen verwundert unaufhaltsamen Prozessen bei. Ebenso unternimmt die Gruppe zwei Versuche in Richtung revolutionärer Film: Los Caminos de la Muerte, (Die Wege des Todes, welcher wegen eines Sabotageaktes nicht zu Ende gedreht wurde) und El coraje del pueblo (Der Mut des Volkes), 1971, ausgezeichnet mit dem O.C.I.C.-Preis in Berlin 1972, erzählt die Unterdrückung der Streiks in den Bergwerken 20. Jahrhundert und Catavi im Jahre 1967: dieser bleibt der letzte Film fin Bolivien für fast ein Jahrzehnt. Die Gruppe und deren Leiter müssen nach dem Sturz der Regierung von Juan José Torres ins Exil. Sanjinés läßt sich in Peru nieder, wo er Jatun Auka (El enemigo principal/Der Hauptfeind, 1974) dreht, der 1975 den Gran Premio in Figueira dassFoz, Portugal, und den Globo de Cristal (Kristallkugel), in Karlsbad (1974) erhält. In diesem letztgenannten Film, in welchem er einen Bauernaufstand angesichts der dauernden Quälereien durch die Besitzer inszeniert, begreift Sanjinés die Eigenheit der indigenen Gemeinschaft. Die filmische Behandlung erlaubt es dem Zuseher, an den Vorfällen als einer aus dem Bauernvolk teilzuhaben, dassdieses der einzige Hauptsteller ist. Auf dem Platz, auf dem das Volksurteil stattfindet, ist es die Überraschung, die immer eine Großaufnahme auslöst, welche durch den direkten Schnitt auferlegt wird, würde wegschneiden, was sich als Bildfolge entwickelte und aus der inneren Kraft der kollektiven Teilnahme bestand, die wiederum zur gegenwärtigen Teilnahme des Zusehers wird. Die Bewegung der Kamera interpretierte einzig und allein die Gesichtspunkte, die dramatischen Notwendigkeiten des Zusehers, der diesen Status hinter sich lassen kann, um zum Teilnehmer zu werden. Manchmal führt uns die Bildfolge zur Großaufnahme, wobei die Annäherungsdistanz, die in Wirklichkeit möglich ist, gewahrt bleibt. Eine Großaufnahme zu schneiden, würde bedeuten, brutal den Gesichtspunkt des Autors aufdrängen, der Bedeutungen nötig und einprägt, die man annehmen muß. Zu Beginn ist es verblüffend zu begreifen, was es bedeutet, so zu denken, weil es Teil einer anderen Mechanik ist und eine Dialektik hat, die umgekehrt zu jener des Individualismus ist. Der Eingeborene existiert nur in der Integration mit den anderen. Wenn dieses Gleichgewicht zerstört ist, neigt sein Geist dazu, sich zu desorganisieren und er verliert jeden Sinn. In Ekuador dreht er Llosky Kaymanta (¡Fuera de Aquí!/Raus hier!), 1977, in welchem er Machenschaften nordamerikanischer Missionarsgruppen aufdeckt, um so zu Grund und Boden der Eingeborenen zu kommen. Zurück in Bolivien, filmt er Las banderas del amanecer (Die Fahnen des Tagesanbruchs), 1983, über den Prozeß der Wiedererlangung der Demokratie. Im Jahre 1989 dreht er in Spanien La patria clandestina (Die heimliche Heimat), ausgezeichnet mit der Concha de Oro (Goldenen Muschel) von San Sebastián und dem Glauber Rocha in Havanna, 1990. Zweifelsohne ist es der Inbegriff des Denkens der Ukamau-Gruppe und der Höhepunkt der lateinamerikanischen Filmwirtschaft. Seine Produktion wird durch Para recibir el canto de los pájaros (Um den Gesang der Vögel zu empfangen), 1995, vervollständigt. Jorge Sanjinés weiß von Film, Exil und Verfolgungen, aber von Grund aus weiß er, dass ebenso sehr ein Bauer aus Peru, ein Arhuaco aus der kolumbianischen Sierra Nevadass, ein Misquito aus Nikaragua, ein Tarahumara aus Mexiko, ein Aymará aus Bolivien ein Arbeiter aus Ekuador, ein Quechua aus Tarabuco als auch ein Quinche aus Guatemala die Bürger seiner Heimat und das Publikum sind, für das er Filme dreht.
Adresse: Casilla 34-D, Coyhaique - CHILE E-mail: aranguizgonzalez@entelchile.net
Mein Alter Animus - Rima de Vallbona
Rima de VALLBONA. Geboren in San José, Costa Rica. Sie lebte während der letzten 40 Jahre in Houston, Texas. Seit 1964 ist sie Mitglied des Lehrkörpers der Universität von St. Thomas. 1995 ging sie mit dem Titel „Emeritus der Universität“ in Pension. Sie hat bisher vier Bücher über Literaturkritik, drei Romane und sieben Sammelbände mit Erzählungen veröffentlicht. Sie erhielt mehrere Literaturpreise unter vielen anderen etwa 1968 in Costa Rica den “ Nacional de Novela”, den "Ancora al mejor libro de ficción de 1984" der Zeitung La Nación in Costa Rica, und die “Medalla del Servicio Civil” für ihre Kulturarbeit, verliehen von König Juan Carlos von Spanien. Sie ist Mitglied der Academia Norteamericana de la Lengua Española.
Mein Alter Animus - Ein Gleichnis
Rund um den ganzen Erdkreis gibt es niemanden, der es durch seine vergängliche, unbestimmte, veränderliche oder in der Art von "jetzt bin ich das - später etwas anderes - übermorgen ..." äußere Erscheinung beschreiben kann. Was weiß ich! Es hat die unbeschreibliche Farbe meiner Kindheit. "Die Farbe eines laufenden Hundes" - so hat es meine Mutter genannt. So als ob es etwas völlig Unerreichbares gewesen wäre, befand es sich für sie "am Schwanz eines Hirsches". Das gleiche erhabene Gefühl meiner Kindheit gegenüber diesen zwei Ausdrücken meiner Mutter war es, das ich empfand, als ich ihn in meine Richtung kommen sah - voll von überwältigender Energie und der magischen Veränderlichkeit eines Kaleidoskops, der Welle des Meeres, des unvermeidbaren Verhängnisses ... Mein Leben lang jage ich dem nach, was mich ins Verderben stürzt. So bin ich und ich kann mich nicht ändern. "Es ist ein Alteranimus", erklärte mir eine kleine Frau mit Brillen und weißem Haar, eine Art allwissende Mother Goose. Der letzte Schrei ist, dass man in Begleitung eines Alteranimus spazierengeht, ihn in den Straßen glänzen läßt, an den Orten des Prunks und so in den übrigen Frauen Neid und Eifersucht erweckt, weil es etwas Unvergleichbares und Einzigartiges ist. Die Kinder empfingen ihn mit Zeichen der Freude, sie überschütteten ihn mit Liebkosungen, Küssen und gaben ihm den Namen "Dulceamor" - "Süsse Liebe": "Kein Name gleicht ihm selbst so wie Dulceamor", erklärten sie mir. Und ich dachte mir, dass sie Recht hatten. Als die anfängliche Euphorie verflogen war, kehrten die Kinder zurück zu ihren Spielzeugen, zu ihren Streitereien, zu ihren verletzten Knien und Schreien und zu diesem Lärmen, das die Kindheit auszeichnet und das mein Leben umwickelt in nervenden Kleinigkeiten. Das Schlimme ist, dass sie alles, wirklich alles von Dulceamor vergaßen. Das war damals der Beginn meines Alptraums. Vom ersten Augenblick verlangte es ihn danach, etwas zu knabbern, das den Geschmack von gegerbtem Leder hatte: Schuhe, Pantoffel, Gürtel, Handschuhe, Baseball-Bälle und Fußbälle. Als ob das nicht genug wäre, ließ er die Felle von in den Wäldern des Amazonas gejagten Jaguaren, die im Wohnzimmer glänzten, dass es eine Freude war, in einem jämmerlichen Zustand zurück. Sogleich fuhr er mit der Üppigkeit meiner Gartenpflanzen fort, indem er ohne Mitleid sowohl die Geranien als auch die Kakteen verschlang. Das Komische war, dass niemand etwas wahrnahm, so dass Dulceamor den Ruf "des Herzensguten und Harmlosen", "des Engels", "besser als das gesegnete Brot" und "derart besänftigt dass er durch jede einzelne Pore seines mickrigen Körpers Zahmheit ausschwitzt" errang. Später manifestierte sich die allerdunkelste Seite seiner Natur und er befaßte sich damit, mir abartige Streiche zu spielen, die mich zum Wahnsinn trieben - wie etwa Zwist zwischen mir und meinem Mann Arsenio zu säen. Er brachte mich auf den Gipfel der Raserei und der Wut gegen meine eigenen Kinder, die zu hassen er mich manchmal wegen irgendeiner Kleinigkeit trieb. Kurz und gut - ich begann zu verzweifeln. Trotzdem konnte ich es niemandem sagen, weil alle von Dulceamor fasziniert waren. Als ich zu sprechen wagte, verschwörten sich die anderen zu seiner Verteidigung indem sie sagten, es seien meine Angelegenheiten, ich wäre ihm gegenüber voreingenommen, nur weil er einem besonders lästigen Bedürfnis vor den hochnäsigen Besuchern, die seine Exotik und nachlassende Schönheit bewunderten, nachgegangen sei. Eines Tages entdeckte ich, als ich ihn zum Spazierengehen mitnahm, dass die Leute innehielten, um ihn zu rühmen und seine unvergleichliche Schönheit zu bewundern. Das war eine Entschädigung für mich - mich als Besitzerin von etwas Einzigartigem zu fühlen, wie meinem Alteranimus. Es war fast als könnte ich mit meinen Händen den Himmel greifen. Dulceamor, gerissen wie er ist, sagte es voraus und ging stolz durch die Straße, immer vorneweg, so als ob er mich mitschleppen würde und immer strahlten seine unbeschreibliche Vollkommenheit und Liebenswürdigkeit, die beim Vorbeigehen Stimmen der Bewunderung hervorrufen. Und ich schreite, mich aufplusternd in dem Stolz den einzigartigen Alteranimus zu besitzen, obwohl er mich zuhause quält - obwohl er mich zuhause innerlich und sogar äußerlich zerreißt, mit Kratzern, Bissen und blauen Flecken! Mein Alteranimus ist ohne Zweifel ein Sadist, aber niemand sieht ihn oder nimmt ihn wahr, weil ich ihn so gut verberge. Um mich zu rächen, habe ich es mir zur Angewohnheit gemacht, ihm eine Krawatte anzulegen, einen gestärkten Kragen und ein Jackett, um ihn mit mir zu den Prunkbanketten mitzunehmen. Alle sind darauf versessen, ihn mit Komplimenten und Geschenken zu überschütten. "Wie erstaunlich!; Etwas, das ich noch nie gesehen habe!; Und welche Eßmanieren!; Er ist die Perfektion in Person!; Etwas Unvergleichliches!", bemerken sie mit Verblüffung, während ich mich vor Stolz aufplustere. Dann vergesse ich den Schaden, den er mir zufügt und spaziere stolz zwischen den Gästen, im Wissen, im Zentrum der Aufmerksamkeit des Abends zu stehen. Und Dulceamor vollbringt Außergewöhnliches, wohlwissend, dass allen der Geifer hinunterrinnt und dass ich noch mehr in Verzückung gerate... Selbstverständlich macht er danach meine Tortur auf dem Boden des Hauses noch schmerzhafter. Deshalb hört er, während er zwischen den Leuten durchspaziert, nicht auf, wie der Engel zu lächeln, der er zu sein vorgibt. Aber ich weiß, dass er lächelt, weil er sich Quälereien ausmalt, um mir das Leben noch elender zu gestalten. "Es ist unglaublich, wie süß er lächelt" werfen sie mit Erstaunen ein. Diese Alteranimi sind recht selten. "Der meine ist einzigartig! Etwas, das nur ich besitze und deshalb, weil niemand von Ihnen weder einen Ähnlichen hat noch haben kann, nehme ich die Quälereien, denen er mich unterwirft, hin, - will ich ihnen sagen, bewahre aber meinen Stolz, das Einzige, was mir in dieser Niederlage noch bleibt. Und ich lächle, um sie glauben zu machen, dass ich sehr zufrieden sei. Einmal hatte ich die Gelegenheit, Dulceamor los zu werden. Ein extravaganter ungarischer Graf kaufte ihn mir für eine exorbitante Summe ab, aber - mich von Dulceamor loszulösen und aufzuhören, originell, einzigartig, außergewöhnlich unter den Freunden, Bekannten und Unbekannten zu sein, entspricht einer Form des Selbstmords. Ich ziehe es vor, gequält zu leben und unter der Herrschaft dieses diabolischen Monsters, bevor ich das Privileg gegenüber den anderen verliere, etwas einzigartiges zu besitzen.
Übersetzung: Thomas Winkler und Sandra Waltl
Adresse: 3706 Lake Street, Houston, Texas 77098 - USA
Gedichte - Fritz Popp
Geboren am 30. 12. 1957 in Vöcklabruck/Oberösterreich, Matura 1976 in Linz, Studium der Germanistik und kombinierten Religionspädagogik in Salzburg. Seit 1982 BHS-Lehrer und freischaffender Schriftsteller. 1982-85 Kabarettistische "Praxis". Lyrik, Prosa, Kabarett- und Theatertexte sowie Beiträge für den ORF, Zeitschriften und Zeitungen, Rezensionstätigkeit, Vorsitzender des Literaturfachbeirates der Landesregierung (1996-99), Redaktionsmitglied der Salzburger Literaturzeitschrift SALZ. Buchveröffentlichungen: "Schlechte Jahrgänge", Erzählband. Salzburg, Otto Müller 1990; "Stimmen im Spiegel", Roman, Innsbruck, Haymon 1997; "Verirrte Schläfer, ungeschützte Träumer", Gedichte, Grasl, (erscheint 2001). CD: "HAMspiel" - 5 Jahre "Salzburger Affront-Theater", 1994. Video: Kurzfilm "Das Problem ist das Kauen"(1996), Kabarett-Video: "Euham" ("Salzburger Affront-Theater",1999), CD mit Weihnachts-Satiren (zus. mit Manfred Koch und Eberhard Haidegger, 2000).
Einer dieser Tage im August
Der Himmel wirft grau-gelbe Netze und verschleppt das Grün der Bäume Am leergefischten Nachmittag sammelt sich Flaschenpost mit Kränkungen Nur kurz scheucht ein zorniger Rasenmäher die Erinnerung in die Urnen Durch zurechtgeschnittene Träume spazieren Kunstrasen-Verheißungen Alles scheint dir möglich - auch eine Auferstehung des Leibes und neues Leben aus den Urnen Jetzt weißt du dass du wieder träumst du lebst in einem anderen Traum längst vergangener Jahrhunderte
Ein Zucken der Erinnerung
Den kleinen, zuckenden Fischleib: wirf ihn zurück in den Fluss! Behältst du ihn, so stirbt er. Als Kind hast du diese Lektion gelernt, als du mit Vater an der Leine standest. Das sind so deine Alternativen: Was sich bewegt, lebt noch, aber du kannst es nicht halten. Und was dir zwischen den Fingern stirbt, zuckt noch lange im Kopf. Dein Fluss ist voll mit toten und zuckenden Fischen.
Ganz alltäglich
Gesichter bewahrt vorm Verschwinden in gütigen Fotografien ertrinken in Spiegeln bevor sie absacken und sich auflösen schwimmen sie noch etwas leicht aufgedunsen wie faulende Früchte der Uferpflanzen geraten ins Trudeln gleiten ab in die Tiefe fischig, unhaltbar und werden schließlich angeschwemmt kein Spiegel begleitet sie auf ihrem letzten Weg aber alle sehen zu zurück- weisend
Adresse: Michael Pacherstr. 38/15, A-5020 Salzburg - ÖSTERREICH E-Mail: fritz.popp@utanet.at