Luis Alfredo DUARTE HERRERA

 

Kulturbrücke Österreich-Kuba Literaturhaus Salzburg

KULTURBRÜCKE ÖSTERREICH-LATEINAMERIKA: LITERATUR

 

 

Luis Alfredo DUARTE HERRERA

 

Luis Alfredo Duarte Herrera

Anwalt, Maler und Schriftsteller, Leiter von YAGE, Verein für Lateinamerikanische Kunst, Wissenschaft und Kultur; sowie der Kulturzeitschrift XICöATL.

   

Adresse: Schießstattstr. 37/12, 5020 Salzburg - ÖSTERREICH
E-mail: dhl@euroyage.net

 

Beiträge in diversen Ausgaben von XICöATL:


Nr 80: >> 15 Jahre YAGE und XICöATL:

 

DER VEREIN YAGE UND DAS KULTURMAGAZIN XICÓATL FEIERN IHR 15JÄHRIGES BESTEHEN

Sehr geehrte Mitglieder und FreundInnen von YAGE,
geschätzte Leser von XICöATL,


Es stellt eine außerordentlich große Freude für mich dar, nun die ersten 15 Jahre kontinuierlicher Arbeit des Vereins für lateinamerikanische Kunst, Wissenschaft und Kultur YAGE und des Lateinamerikanischen Kulturmagazins XICöATL „Ziehender Stern“, feiern zu können.

Am 29. Jänner 1992 wurde der Antrag für die Vereinsgründung von Christine Reisenberger, Thekla Waltl und mir bei der BPD Salzburg eingereicht. Am 5. März führten wir die erste Generalversammlung im Saal der Katholischen Hochschulgemeinde Salzburg, in der Wiener Philharmonikergasse 2, durch, an der mehr als 60 Personen, Lateinamerikaner wie Österreicher, teilnahmen. Diese erste Versammlung wird immer zu den schönsten Erinnerungen in meinem Leben gehören: die an diesen Abend gerichtete Erwartung war, den ersten lateinamerikanischen Verein in Salzburg zu gründen, das Konzert von Joaquín Clerch Díaz mit Werken von Barrios Mangoré, unter anderem auch die Präsentation und Diskussion der ersten Projekte, die Wahl des ersten Vorstandes und zum Schluss, den wir in ausgelassener Stimmung und mit zu diesem Anlass servierten vegetarischen Köstlichkeiten genossen, war das Konzert von Thekla Waltl, Peter Schwarzenbauer und Jorge Eduardo García. Am 11. März wurden dann die Vereinsstatuten von der Bundespolizeidirektion bestätigt.

Am 1. Mai 1992 erschien das erste Exemplar des dreisprachigen lateinamerikanischen Kulturmagazins XICöATL „Ziehender Stern“, das heute die 80. Ausgabe erreicht und somit im Bereich dieses Publikationstyps einen wahrhaften Rekord in Europa darstellt. Auch die Anzahl der Autoren, die auf unseren Seiten veröffentlicht haben, fällt beachtlich aus: bis zur vorliegenden Ausgabe sind es exakt 450 lateinamerikanische und 17 österreichische Autoren, die in ihrer Muttersprache mit jeweiliger Übersetzung ins Deutsche oder Spanische, vorgestellt wurden. Von den veröffentlichten Arbeiten sind 90 % aus dem literarischen Bereich im Besonderen Essays, Erzählungen und Gedichte und 10 % sind anderen Gattungen und Textsorten, vor allem dem Umweltschutz zuzurechnen.
In den ersten 10 Jahren erschien XICöATL zweimonatlich, aber dann ab 2002 vierteljährlich; diese Entwicklung war mit anderen Projekten, vor allem mit unserer Homepage im Internet verbunden. Besonders hervorzuheben sind die kulturellen Brücken, die wir zwischen Österreich und Argentinien, Kolumbien, Costa Rica, Kuba und Mexiko angeregt haben. Dadurch konnte eine große Anzahl von Schriftstellern, bildnerischen Künstlern, Komponisten, Musikern und anderen kreativ Schaffenden aus Lateinamerika und Österreich international vorgestellt werden. Abgesehen von ihrer wirkungsvollen Präsentation haben wir den Künstlern und Autoren einige Auslandskontakte, mit dem Ziel an nationalen und internationalen Veranstaltungen teilzunehmen, vermittelt.
Es würde ausufern und die Geduld unserer Leser überstrapazieren, würden wir die große Anzahl der in Österreich und vor allem im Bundesland Salzburg durchgeführten Veranstaltungen aufzählen: Konzerte mit lateinamerikanischer Musik aus dem anspruchsvollen und volkstümlichen Bereich, Bilderausstellungen, Lesungen lateinamerikanischer Autoren, Vorträge über wissenschaftliche, künstlerische oder kulturelle Themen mit Bezug zu Lateinamerika, Ausstellungen und Vorträge über ökologischen Themen an Universitäten und Schulen, Feste und verschiedene andere gemeinschaftliche Aktivitäten. Auf internationalem Niveau haben wir vier Wettbewerbe im Bereich Literatur, zwei für musikalische Komposition und zwei Wettbewerbe für Fotografie mit ökologischem Schwerpunkt durchgeführt, an denen mehr als 1.000 Personen aus 35 Ländern teilgenommen haben. Bei dieser Vielzahl an Projekten waren die Hauptcharakteristika Effizienz, das genaue Erfüllen der Wettbewerbsrichtlinen und der Erfolg, der uns auch das Vertrauen und die Unterstützung der Behörden in Salzburg und ein breites internationales Netz von Kulturmitarbeitern eingebracht hat.

Ein anderes Projekt, an das ich zu diesem besonderen Datum gerne erinnern möchte, ist unsere Radiosendung „Lyrik und Musik aus Lateinamerika“, die wir jeden Sonntag zwischen 19:06 und 20:00 Uhr in der Radiofabrik (www.radiofabrik.at) ausstrahlen und am darauf folgenden Donnerstag jeweils zwischen 10:06 und 11:00 wiederholen. „Lyrik und Musik aus Lateinamerika“ ist eine der ältesten Sendungen der Radiofabrik. Wir haben sie in den Anfängen der Radiofabrik ins Leben gerufen, am Ende des vergangenen Jahrhunderts, als die Radiofabrik noch über keine Lizenz verfügte und nur mittwochs zwischen 18:00 und 24:00 Uhr ausstrahlte. Damals wurde „Lyrik und Musik aus Lateinamerika“ unregelmäßig in 15minütigen Übertragungen gesendet. Als die Sendelizenz ausgeweitet wurde, erhöhten wir die Sendungsdauer auf eine halbe Stunde wöchentlich und seit dem 6. Jänner 2002 hat unser Programm die, wie vorher beschrieben, gewohnte Dauer von 54 Minuten. Im Hinblick auf Feierlichkeiten ist zu erwähnen, dass wir am 7. Oktober die 300. Sendung, gezählt ab 2002, ausstrahlen werden, zu der wir Sie schon jetzt sehr herzlich einladen möchten.

Alle Projekte dieser ersten 15 Jahre hätten ohne die Mitarbeit einer endlosen Zahl von Personen nie vorangetrieben werden können: abgesehen von den Jurymitgliedern, den WettbewerbsteilnehmerInnen und die Anzahl der zuvor erwähnten veröffentlichten Autoren, haben an XICöATL insgesamt 78 ÜbersetzerInnen und beim Radioprogramm 50 ModeratorInnen mitgearbeitet. Ihnen allen gebührt unser tiefster Dank für den im richtigen Moment geleisteten Anstoß. Außerdem eine Unzahl von Personen in Österreich, Lateinamerika und Europa, die direkt oder indirekt bei kleineren oder größeren Anlässen beim Verein YAGE mitgearbeitet haben, auch ihnen möchten wir unseren aufrichtigen und herzlicher Dank aussprechen.

Unser Dank gebührt auch jenen, die derzeit mit mir die Leitung von YAGE teilen: Das sind der argentinische Komponist Juan María Solare, Mag. Thekla Schirz, Wolfgang Hirsch und Dominique von Loebel. Ein besonderes Dankeschön verdienen jene, die seit der Gründung von YAGE immer verfügbar waren und an verschiedenen Projekten mitgearbeitet haben: Mag. Angelika Moser, Mag. Ulrike Zomorrodian-Santner, Dr. Jorge Antunes in Brasilien, Mag. Judith Moser-Kroiss, Ing. Jorge Martínez Villaseñor in Mexiko, Mag. Christoph Lukits, Dr. Nicolás Cosío Sierra in Kuba, Horacio Rossi und Eduardo Coiro in Argentinien, Dr. Friedrich Frosch, Mag. Josef Lanner, Chano Delgado de Schlachter, Anna Maria Kalcher, Veronika Gruber, Mag. Silvia Amberger, Waltraud Hostalek-Rehbogen und Renato Vecellio, die beiden letzteren sind zu unserem Unglück im Jahr 2005 verstorben. Es bleibt mir noch, meinen beiden Kindern, Krysthal und Leo zu danken, geistige Gründer, die schon aktiv an Projekten mitarbeiten; Dank auch Eurem Entgegenkommen und Eurer Unterstützung, geschätzte Mitglieder, LeserInnen und FreundInnen und dem Wunsch Ausdruck zu verleihen, dass diesem Unternehmen, das in 15 Jahren so viele Völker, Kulturen und Hoffnungen für die Schaffung einer besseren Welt durch die kreative Arbeit ihrer Kinder vereinen konnte, ein langes Leben beschieden ist.

Übersetzung: Silvia AMBERGER
 

Nr 79: >> Leitartikel:

 

Ergebnis des 2 Wettbewerbs für Umweltfotografie XICöATL


„YAGE, Verein für lateinamerikanische Kunst, Wissen-schaft und Kultur“ hat im Jahr 2006 den 2 Wettbewerb für Umweltfotografie XICóATL, unter der Schirmherr-schaft der Salzburger Landesregierung und des Magis-trats der Stadt Salzburg veranstaltet. Es nahmen 72 FotografInnen mit 288 Fotos aus 17 Ländern, nämlich aus Argentinien, Brasilien, Chile, Deutschland, Ecuador, El Salvador, Guatemala, Honduras, Kolumbien, Mexiko, Nicaragua, Österreich, Peru, Portugal, Schweiz, Spanien und Uruguay, teil.

Die Preise:

Es gab 4 Preise à € 200 für Probleme u/o Lösungen, und 3 Preise á € 200 für künstlerische Fotografie. Außerdem, Ehrenurkunden für die besten Werke.

Die Jury setzte sich wie folgt zusammen:
- Dr. Susanne Stadler, freiberufliche Biologin, Ornitho-login, sie führte Forschungsarbeiten in österreichischen Naturwaldreservaten durch, arbeitet seit 1993 im Referat "Naturschutz-Fachdienst" der Landesregierung Salzburg;
- Michael Mauracher, Lehrbeauftragter für Fotografie an Universität "Mozarteum" in Salzburg und Honorarpro-fessur an der Hochschule für Grafik und Buchkunst in Leipzig, selbst Fotograf, zahlreiche Ausstellungen und Publikationen, Vorstandsmitglied des Clubs Fotohof Salzburg;
- Walkala, lateinamerikanischer Maler und Graphiker, Hobbyfotograf, Liebhaber und Schützer der Natur.

Die Jury entschied die Preise an folgende Arbeiten und Fotografen zu vergeben:

Umweltprobleme:
- „Das Gefängnis des Schreckens“ von Roberto GARCÍA aus Argentinien,
- „Schiffsfriedhof“ von Óscar GARCÍA GERMÁN aus Argentinien.

Lösungen für Umweltprobleme:
- „Der Wert der gemeinschaftlichen Aktion“ von Carlos VINUEZA MONTÚFAR aus Ecuador,
- „Die Insel, Quelle des Lebens“ von Eloy Luis CUCIT aus Argentinien.

Künstlerische Fotografie zu einem ökologischen Thema:
- „Modernität vs. Tradition“ von André BOTO aus Portugal,
- „Der Wert des Wassers” von Viviana MARTÍN, María de los Ángeles PASCUAL, Susana COMEZAÑA und Julieta CHIAPPANO aus Argentinien,
„Acht-los!“ von Gisela BRECHENMACHER aus Deutschland.

Die Vorstandsmitglieder und die übrigen Mitglieder von YAGE danken den Teilnehmern, der Jury und all jenen, die in Österreich, Europa, Lateinamerika und in der Kari-bik die Durchführung dieses Wettbewerbs ermöglicht haben.

Dr. Luis Alfredo Duarte-Herrera.

 

Nr 77: >> Waffenfabriken müssen von der Erdoberfläche verschwinden!

 

WAFFENFABRIKEN MÜSSEN VON DER ERDOBERFLÄCHE VERSCHWINDEN!

Die Invasion Israels im Libanon mitsamt der Entfaltung all ihres menschlichen und kriegerischen Potenzials bedeutet einen weiteren Schritt der Desillusionierung im Prozess um die Errichtung einer besseren Welt dar, an dem Millionen von Menschen auf diesem Planeten beteiligt sind – abgesehen davon, dass es sich bei diesem Einmarsch um einen Akt der Barbarei handelt, der für einen friedlich denkenden und handelnden Menschen vollkommen unverständlich ist.

Die Menschheit bewegt sich in einem bedauerlichen Teufelskreis, aus dem sie den Ausweg nicht findet. Immer wieder brechen ein oder mehrere neue Kriege aus oder ein alter Konflikt flammt erneut auf; dann rufen Chroniken, Berichte, Zeitungsartikel, Videos, dramatische und trostlose Fotos friedliebende Menschen und tausende von Organisationen - angefangen von der mächtigen UNO bis hin zu den bescheidensten Einrichtungen auf diesem Planeten - in allen Tonlagen dazu auf, die Beendigung der kriegerischen Auseinandersetzung einzufordern. Intelligente und gut dokumentierte Essays, schön klingende Diskurse, Lieder Konzerte, schamlose und/oder herzzerreißende Gedichte, fromme oder hochtrabende Wünsche: Überall sprießen tausende von Stellungnahmen hervor, die das Ende des Krieges verlangen, ohne dass sie – objektiv gesehen – auch nur die geringsten Auswirkungen auf den Verlauf der Auseinandersetzung hätten. Und Tage, Monate oder Jahre später, wenn der Krieg endlich beendet wird oder einschläft, glauben all jene, die dagegen mobil gemacht haben, dass ihr Engagement auf die eine oder andere Weise einen Beitrag zur Etablierung des endlich erreichten, kränklichen Friedens geleistet hat.

Welch trügerische Beruhigung eines schlechten Gewissens! Wer die Mentalität der Militärs kennt, weiß, dass kein Diskurs die Soldadeska und die Händler des Todes bewegt. Von einem Konflikt zum nächsten wandert jene unbedarfte Masse, die außer sich nach Frieden ruft, durch die Welt und wird zum Gespött der Waffenfabrikanten und der Marionetten, die diese zum Vorteil ihrer lukrativen Geschäfte manipulieren. Weit davon entfernt, Hilfe zu leisten, dient die gigantische Bewegung gegen den Krieg lediglich dazu, Tausende von Mikro-Ökonomien in Bewegung zu setzen, deren finanzielle Ressourcen schließlich in Form von Steuerzahlungen in den Händen der Regierungen landen; Ressourcen, die auch dazu dienen, jene umfangreichen Budgets zu finanzieren, die von den Verteidigungsministerien auf der ganzen Welt eingefordert werden. Ressourcen, die diese Ministerien zu einem großen Teil in Waffen, Munition und weitere Ausrüstung der Industrie des legalen Mordens investieren.

1998 gaben die Staaten der Welt 55,8 Milliarden Dollar für den Kauf von Waffen aus. 26,5 Millarden landeten in den Waffenfabriken der USA (sie stellen 49 % der weltweiten Waffenlieferungen), 9,8 Millarden gelangten nach Frankreich (17,5%), 9 Milliarden nach Großbritannien (16 %) und 2,8 Milliarden nach Russland (5%).  „Auch wenn weltweit die Militärausgaben noch unterhalb derer während der Hochzeit des Kalten Krieges liegen, ist doch seit 2001 ein sich deutlich abzeichnender Anstieg erkennbar. Allein in den USA wuchsen die Militärausgaben im Jahr 2002 gegenüber dem Vorjahr um 13 Prozent an und machen jetzt 43 Prozent der Militärausgaben weltweit aus. Russland (um 12 Prozent) und China (um 18 Prozent) haben sich mit der Erhöhung ihrer Ausgaben angeschlossen, ebenso wie Frankreich und Großbritannien. Das Stockholm International Peace Research Institute (SIPRI) schätzt die Weltmilitärausgaben im Jahr 2002 auf 794 Milliarden US-Dollar – oder auf 128 US-Dollar je Kopf der Weltbevölkerung ... Schon jeder sechste Mensch der Weltbevölkerung, d.h. etwa eine Milliarde Menschen, lebt inzwischen im Einflussbereich von kriegerischen Konflikten.“ (1)

Es ist unmöglich, Kriege zu vermeiden, solange die Bürger der Welt - und hier insbesondere die Angehörigen von waffenproduzierenden Staaten - kein Bewusstsein für die dringende Notwendigkeit einer völligen Abschaffung des enormen personellen, politischen und wirtschaftlichen Machtbereichs entwickeln, der durch das legale Geschäft der Produktion und des Verkaufs von Waffen auf der ganzen Welt besteht. Die Waffenfabriken und der Militärdienst müssen von der Erdoberfläche verschwinden, vorher wird es keinen Frieden und keine vollständige Sicherheit geben, weder für Individuen noch für Kollektive. Die Waffenindustrie gehört weltweit zu einem der größten und mächtigsten Wirtschaftszweige. Jene Länder, die Waffen herstellen, achten stets darauf, ihre Produktionsstätten an strategisch günstigen Standorten fernab von Punkten größten öffentlichen Interesses zu errichten und tiefstes Stillschweigen über ihre Existenz, Entwicklung und Programme zu bewahren. Besonders wird dafür gesorgt, dass die enormen Summen, mit denen diese Stätten operieren, entweder gar nicht in den offiziellen Berichten aufscheinen oder ganz einfach nur im Abschnitt “Industrie und/oder Maschinenpark” – ohne weitere Details – angeführt werden. Während Informationen über Herstellung und Handel landwirtschaftlicher oder industrieller Produkte, die dem Frieden und dem menschlichen Fortschritt dienen, seit Jahrzehnten problemlos zugänglich sind, kann auf Daten über die legale Produktion und den Handel mit Waffen nur sehr schwer zugegriffen werden. Häufig sind sie aus Gründen der “Nationalen Sicherheit” beschränkt zugänglich und/oder “streng geheim”.

„Kriege und militärische Interventionen kosten mehr Geld, als für entwicklungsbezogene Anliegen aufgewandt werden. Selbst in einem reichen Land wie Deutschland tun sich Staat und gesellschaftliche Organisationen schwer, entsprechende Mittel dauerhaft aufzubringen. Deshalb verdient eine Initiative Aufmerksamkeit, die der brasilianische Staatspräsident Luíz Inácio da Silva im Juni 2003 am Rande des G-8 Gipfels in Evian angeregt hat. Der brasilianische Staatspräsident schlug die Einrichtung eines „Hungerfonds“ vor, gespeist aus Abgaben auf internationale Rüstungstransfers. Die Idee, Abgaben auf Rüstungstransfers zu erheben, ist nicht neu. Schon im Vorfeld der ersten UN-Sondergeneralversammlung im Jahr 1978, die sich den Aufgaben einer globalen Abrüstung widmete, tauchte sie auf und wurde später von französischer Seite immer wieder ins Spiel gebracht. Prominenz erhielt der Gedanke im Bericht der Nord- Süd-Kommission „Das Überleben sichern“ unter Vorsitz des ehemaligen deutschen Bundeskanzlers Willy Brandt im Jahr 1980. Das Dokument konstatierte den moralischen Skandal zwischen dem gewaltigen Rüstungsaufwand und den beschämend geringen Ausgaben für die Beseitigung von Hunger und Krankheit in den Entwicklungsländern.“(2) Lulas Idee – weit davon entfernt, eine Lösung anzubieten – würde den Waffenfabrikanten auf sehr zynische Weise eine moralische Erleichterung erlauben, indem auf katastrophale Weise argumentiert wird, dass sie, je höher der finanzielle Wert ihrer Transaktionen ist, einen umso höheren Beitrag zur Ausrottung des Hungers auf der Welt leisten.
Im Vergleich nun die Zahlen der Europäischen Union: „Insgesamt erteilten im Jahr 2004 die Mitgliedsstaaten der EU Genehmigungen für die Ausfuhr von Waffen und Rüstungsgütern im Umfang von € 25,2 Milliarden (2003: € 28,2 Milliarden). Davon entfielen auf Frankreich Genehmigungen in Höhe von € 13,57 Milliarden, auf Deutschland in Höhe von € 3,8 Milliarden und auf Großbritannien in Höhe von € 2,97 Milliarden.“(3) Von diesen Zahlen betrifft mehr als ein Drittel Exporte in vom DAC (Development Assistance Committee) als so genannte “Entwicklungsländer” klassifizierte Staaten. Das DAC ist eine Teilorganisation der OECD (Organisation for Economic Cooperation and Development), die von den Industriestaaten geleitet wird.

Im Zusammenhang mit dem aktuellen Krieg im Libanon ist es wichtig, Folgendes festzustellen: „Israel gehört heute zum Kreis der wichtigsten Rüstungsproduzenten außerhalb der Industriestaaten. Gestützt auf sein eigenes Sicherheitsverständnis unterhält es eine umfangreiche, technologisch fortgeschrittene Rüstungsindustrie, deren Entwicklung von dem Sonderverhältnis des Landes zu den USA und einer Reihe europäischer Staaten, vor allem Deutschland, profitiert. Allerdings ist die israelische Rüstungsproduktion auf Exporte angewiesen, um Kapazitäten auszulasten. So hat sich Israel in den zurückliegenden Jahren auch als großer Exporteur auf dem Weltrüstungsmarkt etabliert. Dafür sind die Fähigkeiten in der technischen Adaptation von Waffen und Technologien unterschiedlicher Herkunft relevante Faktoren und eröffnen Israel inzwischen Zugang zu Abnehmern wie Indien und China, die über umfangreiche Arsenale russischer Fertigung verfügen und an deren Aufwertung interessiert sind. Modernisierung vorhandener Bestände ist ein weiteres Merkmal israelischer Waffenexportleistungen, das die Grundlage umfangreicher türkisch-israelischer Rüstungskooperationen bildet. Die deutschen Rüstungsausfuhren nach Israel haben sich in vergangenen Jahren und Jahrzehnten immer wieder unter Geheimhaltung oder über Drittstaaten vollzogen. Dies widerspricht dem Gebot der Transparenz und der Rechtsstaatlichkeit, denen die deutsche Politik national wie international verpflichtet ist.“(4)

Es wird keine Lösung für das Problem des Kriegs geben, solange die Völker der Welt kein Bewusstsein für die unbedingte Notwendigkeit der Abschaffung der Waffenindustrie und/oder ihre vollständige Ersetzung durch solche Industrien entwickeln, deren Hauptaugenmerk auf einem Wachstum in Frieden und Eintracht liegt. Wie jede Industrie kann sich auch die Waffenindustrie nur weiterentwickeln und vergrößern, wenn ein effektiver Konsum ihrer Produkte stattfindet, sodass neue Bestellungen notwendig werden. Das effektivste und schnellste Mittel, um dieses Ziel zu erreichen, ist der Krieg. Die Verzögerung von nur einem Tag bis zur Unterzeichnung eines Friedensvertrages bedeutet – abgesehen von den enormen Schäden an Umwelt, Gesellschaft und Wirtschaft – ein viele Millionen schweres Geschäft für die legalen Fabrikanten des Todes.

Eine Inventur des gesamten Arsenals, dessen, was produziert, importiert und/oder exportiert wird, gemeinsam mit einer konstanten öffentlichen Debatte über die schädliche Folgen in allen Bereichen bis hin zu einem mehrheitlich getragenen nationalen und internationalen Konsens, der von den Regierungen die Eliminierung solcher Fabriken und Arsenale einfordert, ist eines der ehrgeizigsten und schönsten politischen Ziele, an denen wir überhaupt arbeiten können. Solange es noch einen einzigen bewaffneten Menschen auf der Welt gibt, werden die übrigen nicht sicher sein und das gleiche Recht auf Bewaffnung haben; das ist das dumme Fundament, auf das sich die in die Irre laufende Karriere der Menschheit als Waffenproduzenten stützt, die größte Schande, der dunkelste Fleck in der schon so langen Geschichte des menschlichen Geistes.

Übersetzung: Judith MOSER-KROISS

[1] Rüstungsexportbericht 2005 der GKKE, Vorgelegt von der GKKE-Fachgruppe Rüstung und Entwicklung, www.GKKE.org
[2] Rüstungsexportbericht 2005 der GKKE, Vorgelegt von der GKKE-Fachgruppe Rüstung und Entwicklung, www.GKKE.org
[3] Rüstungsexportbericht 2005 der GKKE, Vorgelegt von der GKKE-Fachgruppe Rüstung und Entwicklung, www.GKKE.org
[4] Rüstungsexportbericht 2005 der GKKE, Vorgelegt von der GKKE-Fachgruppe Rüstung und Entwicklung, www.GKKE.org

 

Nr 75: >> Leitartikel:

 

LÜCKEN, DIE SCHWER ZU FÜLLEN SIND

"Wer im Gedächtnis seiner Lieben lebt, der ist nicht tot, der ist nur fern.
Tot ist nur, wer vergessen ist."
Immanuel Kant


Das Ende des Jahres 2005 hat uns mit großer Traurigkeit erfüllt. Waltraud Hostalek-Rehbogen und Renato Vecellio, zwei Freunde und Mitarbeiter  unseres Vereins für lateinamerikanische Kunst, Wissenschaft und Kultur YAGE und des lateinamerikanischen Kulturmagazins XICóATL „Ziehender Stern“ leben nicht mehr.

Waltraud Hostalek-Rehbogen (Salzburg, 20.3.1948 – Salzburg, 11.12.2005) war eines der Gründungsmitglieder von YAGE. Ihr überbordender Enthusias-mus, ihre bedingungslose Unterstützung  unserer Projekte und ihr logisti-scher Beistand in den schwierigen ersten Jahren des Bestehens unseres Vereins, die zahlreichen Übersetzungen für unser Kulturmagazin sowie die direkte Mitarbeit an den verschiedenen Aktivitäten, die auf dem Programm standen, waren stets ein wertvoller Ansporn für uns alle. Ihr Interesse für die lateinamerikanischen Sprachen, Kulturen und Probleme war stets spürbar. 1994 ermöglichte Waltraud Hostalek-Rehbogen den 2. Literaturwettbewerb XICóATL, indem sie einen der Preise spendete. Neben ihrer Liebe für alles Hispanoamerikanische leistete sie als Tierschützerin in Salzburg herausragende Arbeit. Zusätzlich zu vielen anderen Aktionen nahm sich Waltraud vor, spanische Hunde, vor allem Galgos, vor dem Tod zu bewahren, indem sie sie (häufig auf eigene Kosten) nach Österreich brachte und ihnen hier ein Zuhause suchte. Waltrauds Tod hinterlässt nicht nur eine große Leere in unseren Herzen, sondern auch in Bezug auf wichtige humanitäre Aufgaben zur Gestaltung einer besseren Welt, die nur wenige Menschen zu erfüllen bereit sind.

Renato Vecellio (Villach, 16.3.1951-Villach, 29.12.2005) verbrachte fast sein ganzes Leben in Wien; dort arbeitete er als Übersetzer, Dolmetscher und Lehrer für Italienisch, Portugiesisch und Spanisch. Seit der Ausgabe Nr. 11 von XICóATL (Jänner/Februar/1994)  arbeitete Renato Vecellio ehrenamtlich und ohne Unterbrechung als Übersetzter von Essays, Erzählungen, journalis-tischen Artikeln und ganz besonders von Gedichten. Renato war schon immer ein Liebhaber von Gedichten und zeigte großes Interesse für lateinamerika-nische Lyrik, die er besonders gut kannte. Die Probleme der so genannten Dritten Welt und die Mitarbeit an deren Lösungen lagen ebenfalls stets im Zentrum seiner Interessen.  Mit Renatos Tod verlieren unser Verein und un-ser Kulturmagazin einen der wertvollsten, treusten und enthusiastischsten  Mitarbeiter, der uns sehr am Herzen lag.



Nr 73: >>
Leitartikel:

 

Ergebnis des 4. Literaturwettbewerbs XICöATL „W. A. Mozart“

„YAGE, Verein für lateinamerikanische Kunst, Wissenschaft und Kultur“ hat im Jahr 2005 den 4. Literaturwettbewerb XICöATL „W. A. Mozart“, unter der Schirmherrschaft der Salzburger Landesregierung und des Magistrats der Stadt Salzburg veranstaltet. Es nahmen 265 TeilnehmerInnen aus 28 Ländern, nämlich aus Argentinien, Bolivien, Brasilien, Chile, Costa Rica, Deutschland, Ecuador, El Salvador, Frankreich, Guatemala, Israel, Italien, Kolumbien, Kuba, Mexiko, Nepal, Nicaragua, Österreich, Panama, Peru, Portugal, Puerto Rico, Russland, Schweiz, Spanien, Uruguay, USA und Venezuela teil.
Mit der Absicht, uns ebenfalls den Aktivitäten dieses Jahres zur Weltweiten Feier des 250. Geburtstages des genialen Komponisten Mozart anzuschließen, veranstalteten wir einen Literaturwettbewerb für die Gattung Erzählung mit dem Thema Wolfgang Amadé Mozart.

Die Preise:
Es gab 3 Preise zu Je € 500.- zu gewinnen. Außerdem, Ehrenurkunden für die besten Werke.

Die Jury setzte sich wie folgt zusammen:

Für Portugiesisch:

- Dr. Friedrich Frosch, Dozent für Portugiesisch am Institut für Romanistik an der Universität Wien, Verfasser zahlreicher Publikationen und Vorträge über brasilianische Literatur. Für "Tendenzen der zeitgenössischen brasilianischen Lyrik" erhielt er den Theodor-Körner-Preis 1994. Zahlreiche Übersetzungen verschiedener bekannter portugiesischsprachiger Autoren. Zahlreiche Übersetzungen für das Lateinamerikanische Kulturmagazin XICöATL.
- Dr. Phil. Elóide Kilp, Universitätsdozentin für Deutsch und Portugiesisch, Brasilianische Literatur und Kulturwissenschaft, Übersetzung, Methodik und Didaktik des Portugiesischen an der Pontifícia Universidade Católica do Rio Grande do Sul-PUC-RS und der Universidade Federal do Rio Grande do Sul- UFGRS in Brasilien. Von 1992 bis 2003 als Portugiesischdozentin an der Katholischen Universität Eichstätt-Ingolstadt und von 1995 bis 2002 als Sprachtrainerin bei der Audi Akademie in Deutschland. Seit 2003 an der Universität Salzburg verantwortlich für die portugiesisch-brasilianische Sprache und Kulturwissenschaft. Unter den Publikationen Werke für Portugiesisch wie "Langenscheidts Grundwortschatz Portugiesisch" als auch für die Fremdsprachendidaktik in der Erwachsenenbildung wie "Aspekte einer Spielandragogik".
- Dr. Gerhild Reisner. Geboren in Graz. Lehrtätigkeit an verschiedenen Gymnasien in Österreich. Langjähriger Aufenthalt in Brasilien – dort Studium der Vergleichenden Literaturwissenschaft (PUC), Übersetzer- und Dolmetschausbildung für Englisch-Portugiesisch in Rio de Janeiro. Seit 1993 Lehrtätigkeit am Institut für Romanistik der Universität Salzburg im Bereich Portugiesisch-Brasilianisch. Mehrere Übersetzungen für das Lateinamerikanische Kulturmagazin XICöATL
- Mag. Sylvia Jutz. Studium Französisch/Portugiesisch an der Universität Salzburg, Fachbereichsreferentin am Fachbereich Romanistik der Universität Salzburg, freiberufliche Übersetzerin (Portugiesisch). Zahlreiche Korrekturen für das Lateinamerikanische Kulturmagazin XICöATL

Für Spanisch:

- Dr. Kristin Müller, Nach absolviertem Studium der Romanischen Philologie und Kunstgeschichte(1968) zunächst als Assistentin, später Lehrbeauftragte, bzw. Univ. Lehrerin am Institut für Romanistik der Universität Salzburg beschäftigt. Seit den 1970er Jahren Spezialisierung auf Lateinamerika-Kunde mit mehrfachen Studienreisen in diverse Länder Lateinamerikas. An der Universität Sprachkurse, Proseminare und Vorlesungen zu Spanisch und Katalanisch, Ibero-Romanische Sprachwissenschaft, Landes- und Kulturkunde, sowie Literatur Hispanoamerikas. Zuletzt und bis zu ihrer Pensionierung 2003 auch Koordination des gesamten Spanisch-Unterrichts.
- Mag. Judith Moser-Kroiss, Lehrbeauftragte an der Universität Salzburg. Übersetzungstätigkeit u. a. für das Literaturhaus Salzburg und das Museum der Moderne Rupertinum (Salzburg). Zahlreiche Übersetzungen für die Radiosendung Lyrik und Musik aus Lateinamerika (Radiofabrik Salzburg). Zahlreiche Übersetzungen für das lateinamerikanische Kulturmagazin XICöATL
- Mag. Dr. Eva Eckkrammer, Universitätsassistentin für romanische Sprachwissenschaft am Fachbereich für Romanistik der Universität Salzburg; zahlreiche sprach- und übersetzungswissenschaftliche Publikationen und Fachvorträge zum Kreolischen der ABC-Inseln sowie zur vergleichenden Textlinguistik; Verfasserin von Übersetzungen aus dem Papiamentu; Figdor-Preisträgerin für Sprach- und Literaturwissenschaft der Österreichischen Akademie der Wissenschaften 2000.
- Dr. Luis Alfredo Duarte-Herrera, Doktor der Rechts- Sozial und Politikwissenschaft der National-Universität von Kolumbien, Künstler, Schriftsteller, Leiter von YAGE und XICöATL.

Die Jury für Spanisch entschied die Preise an folgende Erzählungen und Autoren zu vergeben:
Der 1. Preis erging an die Erzählung „Concierto en si mayor“, von Jesús OLIVA NAVARRO, einem spanischen Schriftsteller, der in Murcia lebt.
Auf dem 2. Platz gab es ein “Unentschieden” zwischen „Die 42. Symphonie“, einer Erzählung des Schriftstellern Juan PLANAS, der in Barcelona geboren wurde und seit seiner Kindheit in Buenos Aires lebt, und „Flüchtiger Ritt“, einer Erzählung der argentinischen Schriftstellerin Mirta Alicia GISONDI, die in Ituzaingó/Argentinien lebt. Die Jury beschloss, das Preisgeld auf den beiden Schriftstellern aufzuteilen.

Die Jury für Portugiesisch entschied einen Preis an folgende Erzählung und Autorin zu vergeben:
„Mozarte“, von Mariana Luiza MACEDO, eine brasilianischen Schriftstellerin, die in Macaé, Rio de Janeiro, Brasilien lebt.

Folgende Autoren bekommen Ehrenurkunden:
Jorge ANTUNES (Brasilien); Marcos Aurelio ARCAYA PIZARRO (Chile); Pablo Alejandro BRUNET (Argentinien); Antonio CALLE GONZÁLEZ (Spanien); Antonio DAGANZO CASTRO (Spanien); Samuel FIERRO FRANCO (Kolumbien); Félix Amador GÁLVEZ (Spanien); Fabiana GARCÍA (Argentinien); Florie KRASNI-QI (Spanien); Margarita Paulina MALLO (Argentinien); Anabela MIMOSO (Portugal); Eduardo POMBO (Argentinien); Alejandro José RAMÓN (Argentinien); Carola SAAVEDRA HURTADO (Brasilien); Juan María SOLARE (Argentinien); Santiago Blas TORALES (Argentinien); Germán F. TOUZA (Argentinien) und Valentina TRUNEANU (Venezuela);

YAGE, veranstaltet in Zusammenarbeit mit dem Verein Literaturhaus Eizenbergerhof am Donnerstag den 16. Februar 2006 um 19.30 im Literaturhaus Salzburg (Strubergasse 23, 5020 Salzburg) eine lateinamerikanische Hommage in Gedanken an Mozart unter dem Motto “¡Felicidades Amadé!“ (Herzlichen Glückwunsch Amadé!) wo prämierte Werke des 4. Literaturwettbewerbs XICöATL gelesen werden. Bei den Lesung werden Jesús Oliva Navarro und wahrscheinlich auch Mariana Luiza Macedo, zwei prämierte Autoren, anwesend sein. Die herzliche Einladung geht selbstverständlich an alle.
Die Vorstandsmitglieder und die übrigen Mitglieder von YAGE danken den Teilnehmern, der Jury und all jenen, die in Österreich, Europa, Lateinamerika und in der Karibik die Durchführung dieses Wettbewerbs ermöglicht haben.

Dr. Luis Alfredo Duarte-Herrera.
 

Nr 73: >> Musik:

 

Kompositionstreffen INJUVE 2005

Vom 9. - 18. Juli dieses Jahres organisierte der zum spanischen Arbeits- und Sozialministerium
gehörige Kulturservice, das Jugendinstitut INJUVE, sein neuntes Kompositionstreffen. Ziel dieses Treffens
ist es, einen Raum zu schaffen, in dem junge iberoamerikanische und europäische KomponistInnen - jünger
als 35 Jahre - ihre Studien und das Erlernen der Komposition zeitgenössischer Musik durch Interaktion und
bei angesehenen Meistern vertiefen können.
Das Treffen wurde in zwei Teilen durchgeführt: Der erste fand vom 9. - 15. Juli in den Einrichtungen
des Euro-Lateinamerikanischen Jugendzentrums CELUAJ in Mollina statt (der Name kommt aus dem
Lateinischen und bedeutet sanfter und feiner Nieselregen), eine schöne Ortschaft umgeben von weiten
Olivenhainen, Weinbergen, Sonnenblumen- und Getreidefeldern, im Herzen Andalusiens gelegen, etwa 60
km von Málaga entfernt. CEULAJ ist ein für Europa einzigartiges Projekt: Es handelt sich um eine Zitadelle,
die eine Fläche von Hundertausend Quadratmetern einnimmt und 1992 mit dem Ziel gegründet wurde,
Annäherung, Kennenlernen und Zusammenarbeit junger Menschen aus Lateinamerika und Europa zu
fördern. Das CEULAJ kann in seinem Komplex über 250 Personen beherbergen, es verfügt über zwei große
und moderne Auditorien mit Lautsprecher- und Simultandolmetsch-Ausstattung, Bibliothek, Lesesäle,
zahlreiche Grünflächen, Sportanlagen, Computer- und Ruheräume, Restaurants, Waschsalons, Parkplätze
und sogar einen Campingplatz mit 300 Plätzen. Die verschiedenen architektonischen Einheiten, aus denen
sich die Zitadelle zusammensetzt, tragen suggestive und sehnsuchtsvolle Namen: Prinz von Asturien,
Tequendama, Bahía, Orinoco, Cuzco, Cotopaxi, Cuscatlán, Potosí, Jalisco, Puerto Limón, usw. Sie sind
durch drei breite Hauptallen getrennt: die América-Allee, die Andenallee und die Paraná-Allee, die ihrerseits
von Straßen mit schönen Namen wie Río de la Plata, Iguajé-Straße, Karibik-Straße und Antillen-Straße,
gekreuzt werden.
Für den ersten Teil des Treffens wählten die OrganisatorInnen im Vorfeld vierzehn Werke
teilnehmender junger KomponistInnen aus (insgesamt waren es 30), die vom Ensemble Proyecto Guerrero,
dirigiert von Professor Tomás Garrido, vor dem Plenum des Treffens aufgeführt wurden. Das Ensemble
Proyecto Guerrero wurde 1996 mit der Absicht gegründet, neue Musik zu fördern, lehren und verbreiten, und
dabei zu versuchen, ein breites Publikum zu erreichen. In Spanien hat es über 120 Werke aufgeführt, die
Hälfte davon Meisterwerke großer Komponisten des 20. Jahrhunderts wie Schönberg, Grisey, Rihm,
Stockhausen, Messiaen, Huber, Maderna, Ligeti, Sciarrino, Crumb, Marco, Ferneyhough, Berio, Jarrell,
Xenakis, Lachenmann, López López, Cage, de Pablo, Kagel, Nono, Ruedass, Lanchares usw.
Jeden Morgen wurden in einem geräumigen Auditorium des CEULAJ Lesegruppen abgehalten. In
jeder Gruppe wurden drei Werke präsentiert, wobei jedeR ausgewählte junge SchöpferIn die Möglichkeit
erhielt, direkt in die Vorbereitungsarbeit seines Stücks seitens des Ensembles einzugreifen. So konnte sich
jedeR KomponistIn mit den verschiedenen Leseaspekten und mit den Schwierigkeiten oder den
Einfachheiten auseinandersetzen, die seine Partitur sowohl für den Dirigenten des Ensembles als auch für
die Ausführenden darstellten. Eine auserwählte Gruppe von ProfessorInnen und / oder Komponisten, die
sich aus Mauricio Sotelo, Jorge Fernández Guerra und Tomás Garrido aus Spanien, Julio Estradassaus
Mexiko und James Dillon aus England zusammensetzte, analysierte jedes Werk unter den
unterschiedlichsten Gesichtspunkten und trug ihre gewichtige Meinung zur Funktionalität der Schrift,
Instrumentierung, Tonart, Harmonie, Soundeffekten, Ausschmückungen, möglichen Variationen usw. bei. All
dies gereichte zu einer fruchtbaren Dynamik voll von Ideen und Diskussionen, was die Kenntnisse aller
Anwesenden sehr bereicherte. Nachmittags machten die KomponistInnen und / oder die eingeladenen
Professoren Präsentationen mit didaktischem Ziel vor der Gruppe der Teilnehmenden.
Der zweite Teil des INJUVE Kompositionstreffens 2005 fand in Form zweier Konzerte in Madrid statt.
Das erste wurde am Abend des 17. Juli im Festsaal des Museums Thyssen aufgeführt. Bei diesem Konzert
wurden sechs Werke der jungen KomponistInnen gespielt, die von der Professorengruppe aus den vierzehn
für die Lesegruppen ausgewählten ausgesucht wurden. Diese Werke waren Klamery der Komponistin
Raquel Quiaro-Sachx aus Venezuela, Punto de Fuga (Fluchtpunkt) von Hermes Luaces Feito (Spanien),
Glosas (Glossen) von Mario Carro Gigosos (Spanien), La luz infinita II (Unendliches Licht II) von Juan María
Martínez-Cué Jiménez (Spanien), Tras la sombra de la dudass(Hinter dem Schatten des Zweifels) von
IluminadassPérez Frutos (Spanien) und Delirios (Delirien) des peruanischen Komponisten Gonzalo Garrido-
Lecca Saco. Die Werke wurden vom Ensemble Guerrero, dirigiert von Tomás Garrido, aufgeführt. Außerdem
wurden die Preise überreicht, die bei der Ausschreibung geboten wurden: 4.500 Euro für das Werk Punto de
fuga von Hermes Luaces Feito (der Preis wurde vom Jugendinstitut zur Verfügung gestellt) und zwei Preise
von jeweils 3.000 Euro für die Werke Tras la sombra de la dudassvon IluminadassPérez Frutos und La luz
infinita II von Juan María Martínez-Cué Jiménez (überreicht vom Zentrum für die Verbreitung
Zeitgenössischer Musik).
Das zweite Konzert fand am Abend des 18. Juli in der Säulenhalle des Zirkels für Schöne Künste in
Madrid statt. Dabei wurden die Stücke Espace brisé von Jorge Fernández Guerra, Canto Mnémico von Julio
Estradass, Überschreiten von James Dillon und Thallein von Jannis Xenakis aufgeführt. Die Stücke wurden
von der Akademie Zeitgenössischer Musik gespielt, einer Gruppe derzeitiger oder ehemaliger Mitglieder des
Spanischen Staats-Jugendorchesters (JONDE), das 2003 als Ausbildungszentrum für verschiedene
technische und interpretative Aspekte des neuen Repertoires gegründet wurde. Es dirigierte der
valencianische Meister Joan Cerveró. Als Generalprobe wurde dieses Konzert am 15. Juli im Königlichen
Kollegium von Antequera (Andalusien) vor zahlreichem und begeistertem Publikum aufgeführt.
YAGE ist es eine Ehre und eine große Freude, Ihnen außer der Vorstellung neuer junger
lateinamerikanischer KomponistInnen, die beim Kompositionstreffen INJUVE 2005 an verschiedenen
Projekten (Kulturbrücken, Radioprogramm, usw.) teilnahmen, ankündigen zu dürfen, dass wir auf unserer
Homepage www.euroyage.com einen Link zur Kulturbrücke Österreich - Spanien legen werden, die wir mit
KomponistInnen und InterpretInnen beginnen werden, und die wir auf andere kreative Bereiche auszuweiten
hoffen. Die Brücke wird nächstes Jahr im Rahmen des 30. Festivals Zeitgenössischer Musik von ASPEKTE
SALZBURG mit einem Konzert offiziell errichtet, das jungen lateinamerikanischen KomponistInnen gewidmet
und von einer spanischen Gruppe ausgeführt werden wird, möglicherweise vom Ensemble Proyecto
Guerrero.

Übersetzung: Ulrike ZOMORRODIAN-SANTNER


Nr 72: >> 4. Literaturwettbewerb XICöATL:

 

Literaturwettbewerb „W.A. Mozart“

1519 kam Erzbischof Matthäus Lang von Wellenburg (1468-1540), ein despotischer katholischer
Minister, an die Regierung der Provinz Salzburg, dessen Machtexzesse mehrere bewaffnete Konflikte
auslösten, unter ihnen den Bauernkrieg des Jahres 1525. Dabei sah sich Lang aufgrund des Drucks der
Rebellen gezwungen, über lange Wochen auf der Salzburger Militärfestung Zuflucht zu nehmen. Die
Aufständischen umzingelten die Stadtmauern, in der Absicht, die Bewohner der Burg durch Aushungern in
Bedrängnis zu bringen und so ihre Kapitulation zu erreichen. Die Legende erzählt, dass den Salzburgern in
der Zwischenzeit ihre Vorräte ausgingen und ihnen zuletzt nur noch ein schöner, sehr kräftiger und wohl
genährter brauner Stier blieb. Da fiel dem Militärkommandanten ein verzweifelter Trick ein, um die
bewaffneten Aufständischen zu überlisten: diesen Stier an der langen und hohen Stadtmauer herum zu
führen, um den Belagerern zu zeigen, dass die Salzburger noch zu essen hatten. In der Nacht malten die
Bewohner den Stier weiß an, um ihn am nächsten Tag wieder der Mauer entlang zu führen. In der folgenden
Nacht wuschen sie ihn wieder, bemalten ihn schwarz und führten ihn am dritten Tag noch einmal an den
erstaunten Augen der Belagerer vorüber, welche sich demoralisiert zum Rückzug entschlossen. Der Jubel
der Einwohner Salzburgs war riesig. Als sich die Aufständischen schließlich entfernt hatten, führten die
Einwohner den Stier zum Fluss und wuschen ihn mit soviel Seife, dass der Schaum, wie die Legende
erzählt, bis Oberndorf geschwemmt wurde, einem zwölf Kilometer von Salzburg gelegenen Ort. Seit jenen
fernen Tagen kennt man die Einwohner Salzburgs als die Stierwascher und wer das Privileg hat, hier
geboren zu werden, ist stolz darauf, einer von ihnen zu sein.
Unter den Stierwaschern aller Zeiten strahlt der Name des Johannes Chrysostomus Wolfgangus
Gottlieb (auf Lateinisch: Amadeus) Mozart im weltweiten Konzert mit unvergleichlichem eigenen Licht. Sein
Vater Leopold Mozart, Komponist und Musiker am Hof des Erzbistums Salzburg, kümmerte sich darum,
seinen Kindern eine gründliche musikalische Erziehung angedeihen zu lassen. Mit drei Jahren spielte
Wolfgang schon Cembalo, mit vier Geige, mit fünf komponierte er seine ersten Stücke, mit sechs unternahm
er seine erste Tournee durch Deutschland, Frankreich, England, Holland und die Schweiz, gemeinsam mit
seinem Vater, seiner Mutter und Maria Anna, seiner Schwester, und mit neun komponierte er seine erste
Sinfonie. Der Ruhm der Familie Mozart wuchs in ganz Europa maßlos an und nach dieser ersten Reise von
dreieinhalb Jahren kehrte sie am 30. November 1766 nach Salzburg zurück. 1767 übersiedelte die Familie
Mozart nach Wien, wo sie bis 1769 blieb, um dann nach Salzburg zurück zu kommen, an den Ort, wo
Wolfgang unbesoldeter Konzertmeister ad honorem der fürsterzbischöflichen Hofmusik wird. Als
Konzertmeister bildet er, inmitten einer angespannten Atmosphäre mit dem Erzbistum, seinen
Instrumentalstil heraus. Im selben Jahr unternimmt er mit seinem Vater die erste seiner drei großen
Italienreisen, die für seine musikalische Ausbildung und sein künstlerisches Werk entscheidend werden
sollten. Parallel zu seinen Aktivitäten als Konzertmusiker komponiert er Sinfonien, Divertimenti, Serenaden,
Streichquartette und Klavierkonzerte. 1777 reist er mit seiner Mutter über Mannheim, wo er sich in die
sechzehnjährige Aloysia Weber verliebt, nach Paris. Seine Mutter stirbt in Paris und Wolfgang kehrt nach
Salzburg zurück, um seine ursprüngliche Arbeit als Konzertmeister und Organist wieder aufzunehmen. Die
schlechte Beziehung zum Erzbischof verschärft sich und am 8. Juni 1781 wird Mozart aus seinem Amt
entlassen. Nach einer kurzen Zeit in München, wo er seine Oper Idomeneo komponiert, übersiedelt er nach
Wien, wo er Konstanze Weber, die Schwester Aloysias kennen lernt, die er im darauf folgenden Jahr
heiratet. In Wien lebt Wolfgang als frei schaffender Musiker und hat mit seiner Oper Die Entführung aus dem
Serail einen durchschlagenden Erfolg. Dort lernt er Joseph Haydn kennen, dem er sechs Streichquartette
widmet. Während dieser Zeit komponiert er Sinfonien, Streichquartette und Kammermusikwerke.
W.A.Mozart wird berühmt und erhält viele Aufträge, die ihm gutes Geld einbringen. Sein aufwändiger
Lebensstil und die Schwankungen in der Gunst des Publikums jedoch lassen ihn bis ans Ende seiner Tage
nicht aus seinen ständigen Geldnöten heraus kommen. 1786 wurde seine komische Oper Die Hochzeit des
Figaro uraufgeführt, die nicht den erhofften Erfolg erzielte. Wider Erwarten wird sie in Prag ein voller Erfolg
und Mozart komponiert Don Giovanni speziell für diese Stadt. 1787 stirbt sein Vater. Das Wiener Publikum
entzieht ihm seine Gunst, was seine prekäre finanzielle Lage noch zuspitzt. Auf Auftrag des Kaisers
komponiert er 1789 die Oper Così fan tutte. Seine letzte Oper war die Zauberflöte, die am 30. September
1791 mit mittelmäßigem Erfolg uraufgeführt wurde. Im Juli 1791 erhält er den Auftrag, ein Requiem zu
komponieren, welches er nicht mehr beenden konnte. Am 5. Dezember 1791 stirb Wolfgang Amadeus
Mozart fünfunddreißigjährig an einer chronischen Krankheit, die ein Ergebnis seines Wanderlebens und
seiner unermüdlichen körperlichen und geistigen Aktivität war, erschöpft und voller Geldprobleme. Wegen
seiner Armut wurde sein Leichnam in einem Massengrab beigesetzt, was der Grund ist, warum seine
Gebeine nicht aufbewahrt sind.
Wolfgang Amadeus Mozart hinterließ der Menschheit ein unvergleichliches musikalisches Werk voll
von Harmonie, Glanz, Tiefe, Kraft, Freude, Sensibilität, Kontraste, Verschmitztheit und Humor. Als Musiker
war er so universell wie vielleicht kein anderer auf der Welt. Seine Werke zählen zu den großen
Meisterwerken der europäischen Musik aller Zeiten. Wenn Bachs Musik uns zu einer Gott nahen Spiritualität
erhebt, so geben uns die Werke Mozarts das Irdische, das Menschliche in all seinem Glanz, seiner
Schönheit und Symmetrie zurück.
Salzburg und die kulturelle Welt unseres Planeten machen sich bereit, am 17. Jänner nächsten
Jahres den 250. Jahrestag der Geburt Wolfgang Amadeus Mozarts zu feiern. Bei YAGE wollen wir uns dem
Gedenken anschließen und ihm im Namen Lateinamerikas mittels eines Wettbewerbs der Erzählung,
dessen zentrales Thema dieser geliebte Unversalmusiker sein soll, eine verdiente Hommage erweisen. In
der Gewissheit, bei den fruchtbaren schöpferischen Fähigkeiten unserer SchriftstellerInnen auf Echo zu
stoßen, eröffnen wir diesen Wettbewerb, der mit folgendem Reglement abgehalten wird:

TEILNAHMEBEDINGUNGEN:
- Unveröffentlichte Arbeiten in Prosa, maximale Länge 4 Seiten, Format Din A4, Schrifttyp: Times
New Roman 12, einfacher Zeilenabstand.
- Thema: Wolfgang Amadeus Mozart
- Sprache: Spanisch, Portugiesisch
- Genres: Erzählung
- Einsendeschluss: 30. September 2005
Teilnahme: Eine Nachricht per e-Mail mit 2 Attachments im Word-Format: das erste mit "Pseudonym
+ Erzählung" und das andere mit "Pseudonym + Daten" (Name, Postanschrift, e-Mail Adresse, Telefon
und/oder Fax, kurzer Lebenslauf) an: Yage.austria@euroyage.net oder euroyage@utanet.at oder
duarteherrera@hotmail.com
PREISE:
- Es werden drei Preise zu je € 500.- vergeben.
- Ehrenurkunde und 2-sprachige Veröffentlichung der besten Arbeiten.
Die Ergebnisse werden im Heft Nr. 74 von XICöATL, sowohl gedruckt als auch digital auf unserer
Homepage www.euroyage.com, bekanntgegeben (Jahrgang 15, Jänner/März/2006).

Übersetzung: Ulrike ZOMORRODIAN-SANTNER


Nr 70: >> Leitartikel:

 

Ergebnis des 2. Kompositionswettbewerb XICöATL „Ziehender Stern“

"YAGE, Verein für lateinamerikanische Kunst, Wissenschaft und Kultur" und die "Salzburger
Gesellschaft für Musik ASPEKTE", haben im Jahre 2004 den 2. Kompositionswettbewerb XICöATL
"Ziehender Stern", unter der Schirmherrschaft der Salzburger Landesregierung und des Magistrats der Stadt
Salzburg veranstaltet. Es wurden 53 Werke von 48 Teilnehmern aus 17 Ländern, nämlich aus Argentinien,
Brasilien, Chile, England, Frankreich, Israel, Italien, Japan, Kolumbien, Kuba, Mexiko, Niederland, Peru,
Polen, Portugal, USA und Venezuela eingereicht.

Es gab drei Teilnahmebereiche:
" Komposition für Soloflöte
" Komposition für Flöte und Gitarre (Akustisch)
" Komposition für Flöte und Streichquartett

Die Preise:
1. PREIS: 1500 Euro
2. PREIS: 1000 Euro
3. PREIS: 500 Euro
Außerdem, Ehrenurkunden für die besten Werke.

Die Jury setzte sich wie folgt zusammen:

KLAUS AGER: Geboren 1946 in Salzburg. 1975 - 1986 künstlerischer Leiter des Österreichischen
Ensembles für Neue Musik (ÖENM). Seit 1977 künstlerischer Direktor des Festivals ASPEKTE SALZBURG.
Aufführungen bei den wichtigsten Festivals Neuer Musik in der ganzen Welt. Rektor der Universität
Mozarteum (1995-2000) von Salzburg. Zurzeit Professor für Musikanalytik. Er war Juryvorsitzender.

LINDA WETHERILL: wurde in Milwaukee, USA, geboren. Sie machte ihren Abschluss an der
Eastman School of Music und vervollständigte ihre Studien an der SUNY Stony Brook. Als Solistin und
Kulturbotschafterin unternahm sie Reisen durch Europa, Asien und Nordafrika, wo sie mit Komponisten
zusammenarbeitete und die traditionellen Musiken untersuchte. Vier Jahre lang war sie Professorin in der
Türkei, wo sie Konferenzen und Konzerte an den führenden Universitäten und Konservatorien des Landes
gab. Sie war Mitbegründerin der Festivals zeitgenössischer Musik in Istanbul im Jahr 1990. Auf ihren
diplomatischen Reisen durch den Mittleren Osten war Linda die erste Frau, die öffentliche Konzerte für
gemischtes Publikum in Saudiarabien gab. Sie war Soloflötistin des IRCAM in Paris und des Frankfurter
Radiosinfonieorchesters. Gegenwärtig ist sie Erste Flötistin der New York Philomusica. Sie gewann die NY´s
East and West Artist Competition. Vor kurzem hat sie ihr Erstes Konzert und eine Tournee der
Meisterklassen in China unternommen. Sie hat Aufnahmen für die Labels Deutsche Grammophon und
Jecklin Records, für Radio- und TV-Sender der Vereinigten Staaten, Europas und Asiens gemacht.

JUAN MARÍA SOLARE: wurde am 11. August 1966 in Buenos Aires geboren. Er studierte Klavier,
Komposition und Orchesterleitung am Conservatorio Nacional de Música in Buenos Aires und Aufbaustudien
in Komposition an der Kölner Musikhochschule (Deutschland) bei Johannes Fritsch, Clarence Barlow und
Mauricio Kagel, ferner mit Helmut Lachenmann in Stuttgart. Er hat elektroakustische Musik bei Hans Ulrich
Humpert in Köln studiert. Am Konservatorium von Tandil (ARG) hatte er einen Lehrstuhl für Harmonielehre,
Formenlehre und Kammermusik (1986 - 1993). Auszeichnungen in Argentinien, England, Österreich und
Deutschland. Derzeit unterrichtet er an der Musikschule Bremen Klavier, gibt Kurse, Vorträge und Seminare
über zeitgenössische Musik. Ferner leitet er ein der Tangomusik gewidmete Ensemble an der Universität
Bremen. 2002 war er Jury im Klavierwettbewerb Jugend Musiziert. Er hat eine breite Anzahl an Werke
komponiert, viele davon uraufgeführt, die regelmäßig vom Rundfunk gesendet werden (Radio Fabrik
Salzburg, Radio Nacional de España, Deutsche Welle, Radio Bremen, Radio Universitaria Sao Paulo).

KAI RÖHRIG: wurde im Jahr 1971 in Oberhausen geboren. Nach dem Abitur setzte er seine
musikalische Ausbildung zunächst an der Kölner Musikhochschule fort. 1993 wechselte er an die
Hochschule für Musik und darstellende Kunst "Mozarteum" in Salzburg, wo er bei Michael Gielen und später
bei Dennis Russell Davies Orchesterdirigieren sowie bei Walter Hagen-Groll und Karl Kamper Chorleitung
studierte und 1998 die zweite Diplomprüfung mit Auszeichnung absolvierte.
Nach dem Studium arbeitete er zunächst als Repetitor und musikalischer Assistent am
Festspielhaus in Baden-Baden. Von 1999 bis 2002 wirkte er als zweiter Kapellmeister und Solorepetitor am
Landestheater in Salzburg, seit der Spielzeit 2002/03 ist er dort als koordinierter erster Kapellmeister tätig.
Kai Röhrig dirigiert regelmäßig Konzerte mit dem Mozarteum Orchester Salzburg sowie mit dem "Aspekte
New Music Ensemble", dessen ständiger Gastdirigent er seit Herbst 2000 ist. Seit 1996 verbindet ihn eine
enge Zusammenarbeit mit dem Landesjugendorchester von Nordrhein-Westfalen. Außerdem leitete er in
den vergangenen Jahren Konzerte mit verschiedenen europäischen Sinfonieorchestern. Kai Röhrig war
musikalischer Assistent von Bernard Haitink und Claudio Abbado. Kai Röhrig ist Preisträger der
Internationalen Stiftung Mozarteum, die ihn im Oktober 1998 mit der "Bernhard-Paumgartner-Medaille"
auszeichnete.

JOANNA KAMENARSKA: stammt aus Sofia in Bulgarien und erhielt im Alter von 5 Jahren ihren
ersten Geigenunterricht. Nach anfänglichem Studium an der Musikschule in Sofia setzte sie dieses an der
Universität "Mozarteum" in Salzburg bei Ruggiero Ricci fort. Seit ihrem zehnten Lebensjahr war Joanna
Kamenarska erste Preisträgerin zahlreicher internationaler Wettbewerbe wie "Svetoslav Obretenov" und
"junge bulgarische Talente" in Sofia und Varna, Bulgarien, sowie "Jaroslav Kocian" in der Tschechoslowakei.
Zuletzt nahm sie im Januar 2002 am Internationalen Mozart Wettbewerb in Salzburg teil, wo sie mit dem
dritten Preis ausgezeichnet wurde. Meisterkurse bei Petre Munteanu und Miachael Barta in Sofia, Vanja
Milanova in Russland, Ruggiero Ricci in Berlin und Samuel Ashkenazy in Salzburg vervollständigten ihre
Ausbildung. Joanna Kamenarska war Solistin bei der Konzerttournee der Philharmonie Russe in Spanien
1993 und 1994, Konzerttätigkeit als Solistin bei diversen Orchestern, wie dem Berliner Sinfonie Orchester,
den Nürnberger Sinfonikern und Aufnahmen im bulgarischen Rundfunk und Fernsehen sowie beim
Deutschen Rundfunk führten sie durch ganz Europa.

Die Jury entschied die Preise an die folgenden Werke und Komponisten zu vergeben:
- Der 1. Preis erging an das Werk "El Otro Amanecer" ("Der andere Sonnenaufgang") für Flöte und
Gitarre von Fernando MAGLIA, einem argentinischen Komponisten, der in Buenos Aires/Argentinien lebt.
- Der 2. Preis Auf dem 2. Platz gab es ein "Unentschieden" zwischen "Serenata", einem Stück für
Flöte und Streichquartett des Komponisten Rodolfo Coelho de Souza, der in Brasilien geboren wurde und
derzeit in Curitiba lebt, und "Cinco transfiguraciones llanas", einem Stück für Flöte aus der Feder des
venezolanischen Komponisten Mirtru Escalona-Mijares, der augenblicklich in Paris lebt. Die Jury beschloss,
den zweiten und dritten Preis zusammenzulegen und das Preisgeld auf die beiden Komponisten aufzuteilen.

Folgenden Werken und Komponisten wurden ehrenvolle Erwähnungen zuteil:
- "Son del pueblo" ("Klang des Volkes"), für Flöte und Streichquartett, von Víctor Ibarra Cárdenas
einem mexikanischen Komponisten mit Wohnsitz in Matamoros, Mexiko.
- "Latin Molto Follemente, WVE 197b",für Flöte und Streichquartett, von Shingeru Kan-no einem
japanischen Komponisten mit Wohnsitz in Hilgenroth, Deutschland.
- "La vuelta hacia arriba del aire de la mañana" ("Die Drehung der Morgenluft"),für Flöte und
Streichquartett, von Jorge Sad, einem argentinischen Komponisten mit Wohnsitz in Castelar, Argentinien.

Am 15. Februar 2005 findet um 19.00 das Konzert der Preisträger im Rahmen des 29. FESTIVAL
ASPEKTE SALZBURG statt. Es werden die prämiierten Stücke, aber auch jene Werke aufgeführt, die eine
ehrenvolle Erwähnung erhalten haben. Einige der Gewinner haben bereits ihre Teilnahme am Konzert
zugesagt. Die herzliche Einladung geht selbstverständlich an alle.
Die Vorstandsmitglieder und die übrigen Mitglieder von YAGE und ASPEKTE Salzburg danken den
Teilnehmern, der Jury und all jenen, die in Österreich, Europa, Lateinamerika und in der Karibik die
Durchführung dieses Wettbewerbs ermöglicht haben.

Dr. Luis Alfredo Duarte-Herrera.



Nr 69: >> Soziale Ökonomie

 

SOZIALE ÖKONOMIE BEGINNT IN DEN EIGENEN VIER WÄNDEN

Wir sind uns doch einig: angesichts der derzeitigen politischen Entwicklungen bin auch ich
Befürworter der so genannten Sozialen Ökonomie, obwohl dieses Konzept ein echter Turm von Babel ist,
und stelle mich gegen die Ökonomie des neoliberalen Marktes, die sich auf einen Großteil der
Weltbevölkerung und die Umwelt sehr negativ auswirkt. Aus diesem Grund möchte ich Sie im
Zusammenhang mit dem Thema der Ökonomie auf einen alten Konflikt hinweisen, der wegen seiner großen
Bedeutung in der Geschichte des Kapitalismus wieder an erster Stelle genannt werden muss, obwohl er
gegenwärtig aus Unwissenheit oder Unverschämtheit nicht beachtet wird: ich meine den Konflikt zwischen
Arbeit und Kapital.
In der westlichen Welt, sowohl in den reichen, als auch in den armen Gesellschaften, geben sich die
politischen Parteien der Rechten, der Mitte und der Linken einer kindischen Vergötterung des Kapitals hin,
die einzigartig in der Geschichte dieses Planeten ist, und sich auf die Ausbeutung und das Blut der Arbeiter
und Besitzlosen dieser Welt, auf den fortschreitenden Abbau menschlicher Beziehungen und besonders auf
den Abbau der Gesundheit und den Lebensraum der Menschen und Millionen anderer Lebewesen mit
Daseinsberechtigung stützt. Ich weiß nicht, was die Tatsache, dass jeder Mensch "seinen Preis" (in
amerikanischen Dollars) hat, dass jedes Kind, das in den armen Ländern geboren wird, mit Schulden in
Höhe von mindestens 3.000 Dollar als Willkommensgeschenk auf die Welt kommt, oder dass der Wert der
Menschen in allen "verwestlichten" Gesellschaften an ihrem materiellen Besitz gemessen wird, mit der
Schaffung einer neuen Gesellschaft und einer neuen Welt zu tun haben soll
Diese Vergötterung des Kapitals oder, genauer gesagt, des amerikanischen Dollars, ist für die
Aufrechterhaltung alter Abhängigkeitsverhältnisse innerhalb jener Gesellschaften verantwortlich, deren
Wohlstand sich auf Krieg, Verbrechen und Ausbeutung gründet. Diese Vergötterung des Kapitals wirkt als
enorm zerstörerische Kraft auf diesen Planeten, die mit Hilfe technologischer Ressourcen immer weiter
ausgebaut und verfeinert wird. Dies betrifft nicht nur den ökonomischen Bereich, sondern auch die Umwelt,
kulturelle und psychologische, individuelle sowie soziale Aspekte und wirkt sich auf die unterschiedlichsten
Völker aller Breitengrade aus. In diesem Sinne lagen und liegen die Menschen gestern wie heute durch ihre
jeweiligen Regierungen immer noch auf den Knien vor dem allmächtigen Kapital, während jene, die nur über
ihre Arbeitskraft verfügen, weiterhin mit Verachtung oder Geringschätzung behandelt werden.
Es gibt viele wichtige Meilensteine auf dem Weg zur Entstehung einer Gesellschaft, die vom
Frieden, Wohlstand und der Solidarität unter ihren Mitgliedern geprägt ist. Der bedeutendste Faktor ist aber
jedenfalls das Individuum: Veränderungen müssen in jedem Einzelnen von uns beginnen, im Rahmen einer
permanenten Interaktion und im Einklang mit der sozialen Politik, die wir denken und fördern.
Dank der Technologie erleben wir eine Globalisierung, die so rasch und vielfältig voranschreitet wie
noch nie zuvor in der Geschichte der Menschheit. Gegenwärtig liegt die Entscheidung darüber, wohin dieser
Prozess führen soll, in den Händen aller und jedes Einzelnen von uns. Das ist die erste Erkenntnis, die jedes
Individuum ganz deutlich erfahren muss, wenn es in einer echten Demokratie leben möchte. Die Betreiber
neoliberaler Politik fördern grundlegend die freie Zirkulation materieller Güter als Hauptfaktor dessen, was
sie als „Fortschritt“ für die Weltbevölkerung bezeichnen. Auf diese Weise werden wir heute mit einem so
genannten „Wachstum“ konfrontiert, das völlig absurde und brutale Züge aufweist und eine Spur gewaltiger
Umweltprobleme hinterlässt, die durch den Transport von Waren, die riesige physische und mentale
Verschmutzung des Individuums und den Müll der Gesellschaft oder die Expansion der multinationalen
Konzerne entstehen, die nichts mit der Gesundheit oder dem Wohlstand der Gesellschaft zu tun haben. –
Gemeint sind hier unter anderen die multinationale Erdölindustrie, die großen Bier- und Schnapserzeuger,
Tabakkartelle und viele andere Konzerne wie Coca Cola, Mc Donald´s, Red Bull etc.,
Produktionsgemeinschaften minderwertiger, wiederverwerteter Lebensmittel oder von Produkten des
täglichen Bedarfs wie Kleidung, Baumaterial etc., deren Erfolg sich auf die Ausbeutung ihrer Arbeiter
gründet. Und dabei wurde ein sehr heikler Bereich noch gar nicht genannt, der in diesen Foren nie erwähnt
wird – so als hätte er keine Bedeutung: die Industrie des Todes, wie zum Beispiel Waffenfabriken, Armeen
und Betriebe, die Tiere für den Verzehr durch den Menschen halten.
Politik, Wirtschaft, Ethik und Moral dürfen nicht einen Augenblick von einander unabhängig
betrachtet werden, wenn man über jenen Bereich nachdenkt und handelt, der uns alle so sehr beschäftigt:
das Glück und den Wohlstand der Welt, des Menschen und der Gesellschaft. Politische Ökonomie, Ethik
und Moral können auf gar keinen Fall von einander getrennt werden, denn die Abwesenheit eines dieser
Faktoren hat unmittelbar negative Auswirkungen auf die übrigen.
Ich bin fest davon überzeugt, dass das wesentlichste Problem der Welt gegenwärtig in der
menschlichen Gesundheit liegt: es geht sowohl um die physische als auch um die mentale und spirituelle
Gesundheit jedes Einzelnen von uns. Egal, von welchem Standpunkt aus man es betrachtet: es ist völlig
unmöglich, Voraussetzungen für ein klares Denken – sowohl individuell als auch sozial – zu schaffen, wenn
man den gegenwärtigen Zustand der physischen und psychologischen Vergiftung betrachtet, in dem sich ein
Großteil der Menschheit befindet. Ich bin sicher, dass ein Körper, der durch den Verzehr von Tieren, den
Konsum von Alkohol, Koffein, Teein, Nikotin – um nur von den offiziell erlaubten Anregungsmitteln zu
sprechen, durch die der Staat und auch Einzelne große wirtschaftliche Gewinne erzielen – dass ein Körper,
der durch den übermäßigen Konsum oder auch durch den Mangel an den notwendigsten Nährstoffen
vergiftet ist, unter diesen Bedingungen nicht imstande ist, Gedanken und Handlungen zu setzen, die mit
höheren individuellen oder sozialen Zielen im Einklang sind.
Angesichts der Möglichkeiten, die uns jene anbieten, die unfähig waren, eine friedliche Welt zu
schaffen und uns stattdessen eine Menschheit präsentieren, die – obwohl sie im Besitz immenser
technischer Ressourcen ist – in ihrer Mehrheit immer noch ums Überleben kämpft und sich gleichzeitig in
einer materiellen und moralischen Misere befindet: Was können wir tun? Vor allem dürfen wir nicht im
Prozess der Globalisierung auf der Strecke bleiben; damit sind nicht die Waren gemeint, die uns unsere
ideologischen und politischen Gegner anbieten, sondern die Werte und Praktiken, die jede Kultur der Welt
zur Schaffung gesunder und glücklicher Gesellschaften beiträgt, nicht nur für die Menschen, sondern auch
für alle Tiere, Pflanzen und Mineralien dieses Planeten. Nur eine liebevolle und fürsorgliche Beziehung zu
uns selbst und zu dem Umfeld, in dem wir leben, kann den Grund- stock für eine bessere Gesellschaft
bilden.
Einige Beispiele: betreffend den Fleischkonsum stellt sich eine essentielle Frage: Kann eine
Menschheit materiellen und spirituellen Frieden einfordern, die täglich über 100 Millionen Haustiere und
Geflügel tötet, um sie zu essen – ganz zu schweigen von Fischen und Jagdwild? Schon Pythagoras sagte:
„Diejenigen, die Tiere töten, um ihr Fleisch zu essen, neigen dazu, einander selbst zu massakrieren.“ Aber
die Angelegenheit ist nicht nur ethischer und spirituell-gesundheitlicher Natur. Die Industrieländer verwenden
90% ihrer eigenen Getreide- und Gemüseernten sowie einen Teil der Ernten aus armen Ländern für die
Fütterung der Tiere. Für 16 kg Getreide und Gemüse, das an das Vieh verfüttert wird, erhält man nur 1 kg
Fleisch. Der Grad der Verschmutzung des Bodens und der unterirdischen Quellen durch die Exkremente
und besonders der Verschmutzung von Bächen und Fließgewässern durch das Blut und die Abfälle aus
Schlachthöfen und industriellen Farmen ist alarmierend. In einer Welt, in der Wasser ein zunehmend
wertvoller und seltener Rohstoff ist, sind lediglich 60 Liter nötig, um 1kg Weizen zu produzieren, während
man für 1 kg Fleisch zwischen 2500 und 6000 Litern benötigt. Das ganze Leben eines Masttieres ist
unnatürlich: künstliche Aufzucht, Kastration, Ketten, Käfige, Hormone, Beruhigungsmittel, Antibiotika und
viele andere Drogen, anormale Ernährung zur Mast, endlose und unbequeme Transporte und schließlich ein
schrecklicher Tod. Es gibt und kann auch keinen „humanitären“ Schlachthof geben und die industriellen
Schlachthöfe erscheinen wie Visionen der Hölle.
Es steht also fest, dass das Problem nicht in der Frage liegt, welches Fleisch konsumiert werden
soll, sondern dass es darum geht, dass wir uns auf eine friedliche und intelligente Beziehung zu den Tieren
und anderen Lebewesen der Natur hinbewegen. Dieser Schritt, der nicht mehr als etwas Selbstbewusstsein
erfordert, würde auf der Welt große, echte und vorteilhafte Veränderungen bewirken.
Ein weiteres Beispiel: Die Kaffee-Industrie. Das Problem der Kaffee-Industrie besteht nicht darin, die
Produzenten besser oder schlechter zu bezahlen, es geht vielmehr darum, dass eine solche Wirtschaft
weder den reichen noch den armen Ländern nützt. In den armen Ländern hat sie den Anbau eines völlig
überflüssigen Produktes in Monokultur bewirkt, das gar kein Lebensmittel ist, während sie gleichzeitig die
Ökonomie dieser Länder kontrollierbar, manipulierbar und abhängig gemacht hat. Auf der anderen Seite
leiden sehr viele Bewohner der reichen Länder unter einer Abhängigkeit von einem Stimulans, das für den
menschlichen Körper und Geist nicht besonders gesund ist. Und in den so genannten postmodernen Zeiten
werden regelrecht machiavellistische und schädliche Unternehmen wie Red Bull gegründet, eine Fabrik, die
Millionen von jungen Menschen auf der ganzen Welt vergiftet, um sagenhafte Gewinne zu erzielen – und
das alles unter der Bewunderung und dem Wohlwollen der Allgemeinheit und mit der Unterstützung der
Obrigkeiten und der Bürger.
Bei allem Respekt, den Sie und alle anderen Menschen verdienen, muss ich dennoch gestehen,
dass ich mich in ihrer Gesellschaft fühle, als wäre ich unter schlecht erzogenen Kindern, die einfach nicht
erwachsen werden wollen, um so – durch ihre Unwissenheit gerechtfertigt – weiterhin die traditionellen
Fehler machen zu können, die den Planeten und die Menschheit in einen so bedauernswerten Zustand
gebracht haben.

Übersetzung von Judith Moser-Kroiss


Nr 68: >> Hommage an Pablo Neruda:

 

Herzlichen Glückwunsch zum Geburtstag, lieber Pablo!

Herzlichen Glückwunsch zum Geburtstag, lieber Pablo! Aus Anlass deines Geburtstages hat heute ganz Amerika einen guten Grund, voller Stolz und erhobenen Hauptes ein Lied zum Dank an das Leben anzustimmen. Wir schreiben den zwölften Juli; hundert Jahre entfernt liegt Parral, mit seinem südlich-winterlichen Grau, geheimnisvoller Zeuge der ersten Schreie, die du an das feuchte Dach und die duftenden Wände deines bescheidenen Elternhauses gerichtet hast, umgeben vom flackernden Schatten der Öllampen und der unermüdlich tanzenden Flamme des rauchenden Herdes. Draußen verscheuchten währenddessen die Hunde mit ihrem Gebell jeden bösen Geist, der sich deiner vergänglichen Zartheit mit seiner Niedertracht hätte nähern können.
So viel ist seit diesem weit entfernten Tag passiert. Dem Hondero entusiasta, dem Begeisterten Schleuderer, war es nicht vergönnt, für alle Zeit jene Kälte, jene Nebelschwaden und den Regen zu spüren und zwischen den Baumstämmen umherzustreifen, die sterbend im dichten Urwald lagen; er sollte weder die gelben Pfützen, noch die Stoppelfelder und die staubigen Sommer erleben dürfen, die ihre müden, kornbeladenen Karren auf den verschlafenen Wegen des Südens dahinschleppten, auch sollte er keine nass glänzende Schuhe mehr tragen. Die Schienen, die seinem bärtigen Vater und ihm in seiner Kindheit gelegt wurden, bedeuteten lediglich einen Vorwand für die Weisheit der Gestirne, um sein feinfühliges Herz für Mr. North und das Salpeter-Problem im Norden seines geliebten Heimatlandes Chile zu öffnen; auch, um ihm jenen Giftpfeil in die Brust stoßen zu können, der mit ungeahnter Kraft die offene Wunde der chilenischen Kupferminen ausspucken sollte, das Jammern, den Schmerz seiner Salpeterarbeiter, schreiend, begraben und ohne Ausweg, ein schreckliches Jucken geschmiedet in jenen Minen, die unter blutigem Schweiß in die tiefsten Eingeweide der Erde gegraben wurden. Dieselben Schienen sollten dich nach Santiago führen und dort begann Chile und darüber hinaus ganz Amerika vor deinen erstaunten Händen in deinem Bewusstsein zu kreisen. Es begann dieser unkontrollierbare Sog der großen Heimat Amerikas mit seinen wunderbaren, vielzähligen und launischen Bergketten, den riesigen Mengen an Vegetation, Mineralen und Ebenen, Meeren und Auseinandersetzungen, mit den dichten Schwärmen von Grenzen, Vögeln, Kriegen und vor allem mit seinen Menschen, die gleich den Ameisen in alle Richtungen verstreut leben, auf den Bergrücken, dem Grasland und sogar in den verborgensten Winkeln dieser unendlichen Geographie unserer riesigen Insel: nur ein kleiner Teil von ihnen ist stolz und glücklich, die Mehrheit ist niedergeschlagen und unterwürfig. Mit dieser Last, die dir die launischen Götter mit Bedacht in deinen Koffer gelegt haben, bist du einmal mehr über die Schienen hinaus zu den Häfen gelangt und von dort über die Meere in die weite Welt. Rangoon verspürte deinen festen Schritt, Indien erfüllte deine Nase mit dem Duft von Parfums und Ausdünstungen, du kamst nach Madras und Khandy, nach Penang und Saigon und in Batavia bemerktest du zehn Tänzerinnern, die versuchten, mit ihren magischen, wiegenden Bewegungen das wilde Schlingen zu besänftigen, das im Wanst des gerade an der Macht befindlichen Satrapen sprudelte.
Zutiefst beeindruckt von der Weite des Kosmos, von dem üppigen Stückchen, das dir die Götter zu Füßen gelegt hatten, war dir schon sehr früh in deinem Inneren bewusst, dass du etwas zum Tausch anbieten konntest. Überrascht erkanntest du, dass dir das wundervolle Licht des Wortes mit großzügigem Laune geschenkt wurde und von nun an nahmst du dir vor, diese Worte in den Dienst deiner Heimat, deines Kontinents, ja der ganzen Welt zu stellen, vor allem aber Stimme für jene zu sein, die nicht die Fähigkeit haben, jenen Diskurs in ihren Gedanken - und noch viel weniger in ihren Worten - zu führen, der die unseligen Strukturen erbeben lässt, die ihnen jene aufzwingen, die im Hinterhalt lauern und Sklaven halten.
Deine blitzenden, unverwüstlichen Verse bahnten sich seit dieser weit zurückliegenden Entdeckung mit ihrem Gesang über die eigenwillige Schönheit des mestizischen Amerikas unaufhaltsam ihren Weg in alle Winkel der Erde, indem sie sogar in den starrköpfigsten, verbittertsten Gehirnen Bilder von dem süßesten Honig wachriefen, den unsere geliebten Flüsse Bio Bio, Orinoco, Wilkamayu oder Amazonas in ihren Betten mit sich führen. Deine Verse haben sowohl den Blütenstaub der Araukarie, der Lärche, des Mahagonibaums, der Eiche, der Weide und des Kautschukbaums als auch die Stimmen der Jaguare und der Kardinalsvögel, der Anakondas, der Albatrosse und der Flamingos, der Leguane und der Guanakos, der Kondore und der Pumas aber auch den friedlichen, salzigen Glockenklang unserer Ozeane in die Welt getragen. Über den ganzen Erdkreis breiteten sich die unendlichen Weiten und die grenzenlosen Höhen der Anden aus, gekrönt von den Spuren der alten Weisheiten wie der Zubereitung der Maisfladen, der erdbebensicheren Bauweise bis hin zur einfachen Guacamole.
Aber dein Gesang bedeutet viel mehr als das. Durchtränkt vom Meer der vielen vergossenen Tränen, das sich über unsere ganze Insel erstreckt, gehärtet in der unermesslichen Brühe des Schmerzes unserer alten, besiegten Völker, in dem noch warmem Blut Motecuhzomas, Atahualpas, Nutibaras, Cuauhtemocs, Tupac Amarus, Cauplicáns Lautaros, den so zahlreich unnötig und willkürlich ermordeten Zipas, Capacs, Toquis und Kaziken, deine Verse sind ein treffsicheres Schwert, unbesiegbar und ewig, ein blitzender Strahl, der mit glatten Hieben dazu beiträgt, das unerhörte, über unserer Geschichte hängende Spinnennetz zu zerschlagen, das aus dem Betrug und der Lüge unter den Schlägen der Henker von Amerindia und ihren Anhängern gewoben wurde. All die Mörder, Diebe, Ausbeuter, Tyrannen und von der Geschichte hofierten und von der Ignoranz verehrten Halsabschneider haben es verdient, dass du ihre Namen in Kot tränkst.
In deinen Versen stoßen die gemeinen Eckzähne des großen Nuñez de Balboa, die neben seinem Kopf auf einem riesigen Pfahl aufgespießt wurden, ewige Flüche gegen seinen Henker, den erlauchten Gründer Panamas, Pedrerías Dávila, aus. Die verdorbene Habgier Ximénez de Quesadas wird den Fluss Magdalena auf und ab fahren, bis sie endlich in Iraka ankommt, wo das noble Blut der Zipas und deren Juwelen ihren riesigen Reptilsmagen erwartet. In Panama werden das oberste Schwein Francisco Pizarro, der einäugige Diego de Almagro und der Mönch der Finsternis, Hernando de Luque voller Begierde immer wieder die abscheuliche Hostie verschlingen, um damit ihren schändlichen Pakt zu besiegeln, der Tod und Zerstörung über mein Reich bringt. In deinen Versen trägt jeder in seinem Bündel die Last ihrer Namen und die Attribute, die du ihnen so hochmütig und gerechtfertigt verliehen hast: Hernán Cortés, eisiger Blitz, totes Herz in der Rüstung; Pedro de Alvarado, Goldschmied der Grausamkeiten, heimlicher Falke des Todes; Pánfilo de Narváez, in einer Hand das Messer, in der anderen die Eiserne Jungfrau; Fray Vicente Valverde, verräterisches Herz, verfaulter Schakal; Pedro de Valdivia, zorniger Geier, giftiger Henker; Magallanes, den Bart voller Würmer, Bruder des Wassers und der Flöhe; Villagras, Mendozas, Reinosos, Reyes, Morales, Aldaretes, alles Söhne des Hasses und der Lumpen.
Und so, wenn nun an irgendeinem Ort die neugierigen Augen der Welt die Seiten deiner Bücher durchblättern, wird sich die verfluchte Erinnerung an den Todesnarren Juan Manuel Ortiz de Rosas in der Schande seiner Taten wälzen, genauso wie die des handschuhtragenden Schakal Gabriel García Moreno, des greisen und verdienten Zwerges Manuel Estrada Cabrera, der scheuen Nachtratte José Gaspar Rodríguez Francia, der furchterregenden Fratze von Jorge Ubico, der geduldigen Fledermaus der Sakristei Juan Vicente Gómez, des Importeurs der Foltern Gerardo Machado, der betrunkenen Bestie Mariano Melgarejo, der Kröte der schwarzen Sümpfe Eurico Gaspar Dutra, des befleckten Starken Manuel Isidoro Belzú, der hungrigen Dollarpressen, der Doktoren honoris causa der Columbia University Rafael Leonidas Trujillo, Tiburcio Carias Andino und Higinio Morinigo, des Verräters von Chile Gabriel González Videla.
Pablo, wie können wir dir jemals genug danken für deinen Gesang auf Cuauhtémoc, meinen Bruder; für den jungen Atahualpa und sein Glas, das mit Kummer gefüllt ist, der so bitter wie die Rinde des Chinabaums schmeckt; für Tupac Amaru, weiser Gebieter und gerechter Vater; für den Toqui Caupolicán, die schonungslosen Augen der Erde; für Lautaro, Blitz in der Nacht und Sieger über den
Zentauren; für den gutmütigen Mönch de las Casas? Wie können wir dir dafür danken, dass du einmal mehr die Erinnerung an die Kommunarden von El Socorro, O´Higgins, San Martín, Mina, Miranda, Carrera, Manuel Rodríguez, Artigas, Hidalgo, Morelos, Páez, Castro de Alves, Toussaint L´Ouverture, Morazán, Júarez, Martí, Balmaceda, Zapata, Sandino, Prestes und Recabarren, und jene Erinnerung an so viele deiner Freunde und Kollegen, unter ihnen Tomás Lago, Miguel Otero Silva, Rubén Azócar, Rafael Alberti, Juvencio Valle, José González Carbalho, Diego Muñoz, Silvestre Revueltas und Miguel Hernández ehrst?
Ich begnüge mich damit, den Glanz deiner Seele zu spüren wenn ich weiß, dass ich mich in Treue zu Amerika und zu dir jeden Tag aufs Neue in die frische Brise verwandle, mit der in Tocopilla die Müdigkeit Cristóbal Mirandas gelindert wird, der mit seinen kräftigen Muskeln Salpeter in Richtung der Meere des Erdkreises schaufelt; wenn ich weiß, dass ich in Talcahuano mein Mark in den Wellen versenke, um die Musik erklingen zu lassen, die der Schuhmacher Olegario Sepúlveda durch Hammerschläge auf die Sohlen erzeugt; wenn ich weiß, dass mich ein unbändiger Groll und Zorn überkommt, wenn ich auf deinen Seiten wieder und wieder den Todeskampf des Fischers Antonino Bernales erleide, der von Kugeln getroffen an irgendeinem Flussufer Kolumbiens stirbt, oder wenn ich in der Dunkelheit der Grube in der Sierra del Estaño in Oruro das Zirpen der Grillen erahne, die der Bergmann José Cruz Achachalla mit sich in die Tiefe reißt.
Freue dich Pablo, es erwarten dich noch viele Jahrhunderte! Dein Gesang lebt in den entlegensten und tiefsten Wurzeln dieses immerwährenden und geliebten Kontinents; von den Gletschern der Anden, vermischt mit den Strahlen der Sonne, vergießen deine Verse über alle Völker dieser Welt Tropfen für Tropfen ihre unendliche Weisheit, sie werden von den Winden in alle Winkel der Erde getragen, sie geben den Fahnen der Freiheit, die wir anderen heute tragen, weiterhin ihren Geist. Zum Wohl, Pablo, zum Wohl, und nochmals herzlichen Glückwunsch zum Geburtstag!

Übersetzung von Elisabeth Prantner-Hüttinger



Nr 67: >> Internationale Beziehungen:

 

Prinzip der Gegenseitigkeit oder Prinzip der Überlegenheit?

Früher wurde an den juridischen Fakultäten der lateinamerikanischen Universitäten in Bezug auf internationales Recht gelehrt, dass die grundlegende Basis zwischenstaatlicher Beziehungen auf dem Prinzip der Gegenseitigkeit beruhe, was bedeutet, dass kein Staat gezwungen ist, einem anderen Land mehr Absagen zu erteilen und/oder mehr Konzessionen zu machen als umgekehrt. Nur durch entsprechendes Verständnis und Umsetzung einer solchen Grundlage ist es einer Nation möglich, den nötigen Grad an Reife, Stolz und Würde zu erlangen, um Teil einer internationalen demokratischen Gemeinschaft sein zu können. Das Prinzip der Gegenseitigkeit ist eng mit der direkten Ausübung der Souveränität verknüpft, die jeder Staat genießt. Das Prinzip der Gegenseitigkeit schafft die Voraussetzung eines Mindestmaßes an Verteidigung, Gerechtigkeit und Gleichwertigkeit, worauf ein Volk Anrecht hat. Das Prinzip der Gegenseitigkeit formt eine fundamentale psychologische Voraussetzung für die Bewohner eines gegebenen Territoriums: durch seine angemessene und ständige Anwendung erlangen die Bewohner die nötige Selbstsicherheit und den notwendigen Stolz, um sich ihren realen Beziehungen mit den übrigen Bewohnern dieses Planeten - wer auch immer sie sein mögen - auf einer Ebene der Gleichheit und des Gleichgewichts zu stellen.
Die Kolonialmächte haben im Lauf der Geschichte in ihren Beziehungen zu abhängigen Staaten Toilettenpapier aus dem Prinzip der Gegenseitigkeit gemacht, indem sie an seine Stelle und zu ihrem Vorteil das "Prinzip der Überlegenheit" gesetzt haben, das heute mit noch größerem Nachdruck durch die Krise der Werte wirkt, die aus der Konfrontation der Welt mit dem Neoliberalismus entstanden ist.
Die imperialistische Doktrin der Vereinigten Staaten in ihren internationalen Beziehungen macht Schule in den reichen Ländern. Bürger aus Industriestaaten benötigen keinerlei Visum, um ein beliebiges Land dieser Welt zu bereisen, es genügt, ein Flugticket zu kaufen, um die Reise- oder Abenteuerlust zu stillen; im Gegensatz dazu benötigen Bewohner von Ländern der Dritten Welt eine ungeheuere Anzahl an Formularen, Dokumenten, speziellen Versicherungen, Nachweisen für die eigene Zahlungsfähigkeit, die von Freunden oder Verwandten, Fotos, müssen lange Warteschlangen und/oder Wartezeiten sowie zahlreiche Amtswege in Kauf nehmen, um schließlich ein Visum zu erhalten, damit sie dann noch - sozusagen nebenbei - die Früchte der Ausbeutung jener Länder sehen können, die im Laufe der Kolonialgeschichte verarmten. Es wird davon ausgegangen, dass die Bewohner der reichen Länder allesamt ehrenwerte Menschen sind, während die Bewohner der Dritten Welt als Kriminelle betrachtet werden, sofern sie nicht durch Zertifikate der entsprechenden Sicherheitsbehörden und besondere Einschätzungen der Konsulate das Gegenteil beweisen.
Im Bezug auf die Produkte sieht es so aus, dass die reichen Länder das Recht haben, ohne größere Widerstände alles zu exportieren, was sie wollen - bis hin zu ihren hochgiftigen und gefährlichen Abfällen; die armen Länder hingegen müssen, um etwas exportieren zu können, eine endlose Serie von Bedingungen erfüllen und Schwierigkeiten überwinden, die generell nur von den multinationalen Konzernen bewältigt werden können, die sich in jenen Gebieten einnisten, um sich an den hohen Gewinnen zu bereichern, die durch billige Arbeitskräfte und Input entstehen.
Der Planet gehört den Bürgern der reichen Länder; für sie wird eine offene und transparente, vollkommen freie Welt geschaffen, ohne Grenzen, in bar oder auf Kredit zum niedrigste möglichen Preis erhältlich. Diesen Bürgern wird das Recht gegeben, auf jedem Flecken der Erde überlegen zu sein und sich überlegen zu fühlen. Die Bewohner der Kolonien hingegen leben in einer Welt voller Hindernisse und Barrieren, mit immer dichteren und unüberwindlichen Grenzen, mit den höchsten Preisen des Welt-"Marktes" und extrem beschränkten Krediten, wo der Grad der Freiheit unmittelbar mit den wirtschaftlichen Möglichkeiten verknüpft ist, aber auch mit einer Reihe unwegsamer Pfade, die
direkt den haarsträubendsten Terror- und Fantasiegeschichten entsprungen sein könnten. Nach all diesen Widrigkeiten und Erniedrigungen, denen sie auf ihrem Weg in die "Freiheit" ausgesetzt sind, bin ich nicht sicher, ob den Bürgern der Kolonialstaaten noch ein Funken Schneid und Selbstbewusstsein im Kontakt mit ihren Mitmenschen aus der "entwickelten Welt" bleibt.
Die Sklavenhaltergesellschaften und die feudalen Gesellschaften zeigen, dass die Unterwerfung der Sklaven und der Untergebenen nicht auf der rein physiologischen Ebene der Machtausübung bleiben kann; um Verhältnisse von Unterdrückung und Macht zu schaffen, ist es nötig, dass die Sklaven und Untertanen ihre physische, ganz besonders aber auch ihre psychologische Unterlegenheit in Bezug auf ihre Herren akzeptieren. Die moderne Welt, trotz ihrer technologischen Fortschritte, wird nach wie vor getragen von dieser psychologischen Unterdrückung, die sich sehr effektiv auch auf die Anknüpfung von Beziehungen, Geschäften und sonstigen Aufgaben des täglichen Lebens auswirkt, das jene als "Demokratie" bezeichnen, die die Macht innehaben.
Sind die reichen Länder Schuld an dieser unseligen "Demokratie", von der die internationalen Beziehungen beherrscht werden? Ja, ohne Zweifel, sie bestimmen, dass die Dinge so sein sollen; aber größere Schuld tragen die Regierenden in den Kolonien, jene Personen, denen es an Würde und Charakterfestigkeit fehlt, die so viel von Überheblichkeit und Geringschätzung ihren eigenen Mitbürgern gegenüber wissen, die aber in der internationalen Welt auf Knien über harte Marmorfußböden rutschen, um die Krümel aufzusammeln, die von den Tischen der allmächtigen Industriestaaten abfallen. Und noch größere Schuld tragen jene Bürger, die in den Kolonien diese unseligen Personen in die Regierung wählen, damit sie ihre Interessen vor der so genannten "Internationalen Gemeinschaft" vertreten.

Übersetzung von Judith Moser-Kroiss


Nr 65 : >> Maximiliano Kosteki:

 

Maximiliano Kosteki: der Künstler, der keiner sein durfte

"Ich sehe viel mehr als das, was sichtbar ist…"
Maximiliano Kosteki, 25/06/2002


Am 26. Juni 2002 wurden die beiden jungen piqueteros Maximiliano Kosteki und Darío Santillán während einer Demonstration auf der Avellaneda-Brücke in Buenos Aires von der Polizei ermordet.
Maximiliano Kosteki war ein junger, erst 22 Jahre alter Künstler und seit kurzem in Guernica im Movimiento de los Trabajadores Desocupados (MTD) tätig. Zum Zeitpunkt seines Todes war er Student an der Escuela Secundaria No 15 in Lanús, die einen künstlerischen Schwerpunkt hat. Dort beschäftigte er sich leidenschaftlich mit verschiedenen Stilen (Impressionismus, Surrealismus, abstrakte Malerei, Elemente aus Comics und dem phantastischen Genre), Techniken (vor allem Zeichnungen, Farb- und Schwarzweißdruck) und Materialien (Leinwand, Holz, Pappe, Karton, Rasterpapier und sogar Formulare und Papier der Gemeindeverwaltung). Am 1. Mai 2002 nahm er zum ersten Mal an einer Demonstration auf der Plaza de Mayo teil und dort, vor den Augen aller, malte er einen Engel - einen piquetero-Engel, wie einige seiner Kollegen sagten- mit verdecktem Gesicht und einem Pfahl in den Händen.
Vom 28. Juni bis 26. Juli dieses Jahres organisierte die Arbeitsgruppe "LuchArte" in Buenos Aires, in der "fábrica recuperada" Grissinópoli , eine Ausstellung mit dem Titel Maxi Kosteki, der Künstler, der keiner sein durfte. Es wurden 50 von den insgesamt 233 Werken Kostekis ausgestellt, die seine Mutter Doña Mabel Ruiz ihre "233 Enkelkinder" nennt. Die Ausstellung war ein voller Erfolg: allein zur Eröffnung kamen über 500 Leute, darunter bekannte Persönlichkeiten der bildenden Kunst und Kultur von Buenos Aires wie Alejandro Michel, León Ferrari, Gabriela Bocchi, Javier González, Magadalena Jitrik und Luciana Morcillo.
Folgenden Aufsatz hat Eduardo Coiro, der Leiter der Inventiva Social in Buenos Aires, dem jungen Maximiliano Kosteki gewidmet.


Nr 64: >> 11. September:

 

Eine tiefe Wunde im Licht der Geschichte

"… Das Weinen ist versteckt wie eine Pflanze,
deren Samen unaufhörlich auf den Boden fällt
und die großen blinden Blätter ohne Licht wachsen lässt…"
Pablo Neruda, "Die Diktatoren", in Canto General


Als der "Schakal vom Mapocho(1)" , augusto pinochet, am 11. September 1973 den Befehl gab, Chile im Blut zu baden, mit der Absicht, seinem Volk und ganz Lateinamerika eine Lektion darüber zu erteilen, wer die Herren dieser Länder sind und um sie wieder an die Macht zu bringen, welche sie bei den Wahlen verloren hatten, war ich gerade einmal fünfzehn Jahre alt. Trotz meines bereits erwachten Interesses für Politik konnte ich mir die Konsequenzen dieses Ereignisses nicht vorstellen, noch die langen losen Fäden all dessen, was in der Politik meines Kontinents vor sich ging, miteinander verknüpfen. Woran ich mich allerdings in aller Klarheit erinnere, ist, dass jener Militärputsch meine völlige Apathie den lateinamerikanischen Demokratien gegenüber festigte; das war eine unmittelbare, instinktive Reaktion, eine tiefe psychologische Verletzung, die mich seither begleitet und von welcher ich mich bis heute nicht gelöst habe, sicherlich gleich wie Millionen von LateinamerikanerInnen.
Doch Ziel dieser Zeilen ist nicht eine Meditation über die individuellen und/oder sozialen Traumata, welche die Demokratie nicht nur in Lateinamerika im Lauf ihrer Geschichte zurückgelassen hat, … im Lichte der Geschichte übertrieb der Schakal vom Mapocho mit seinem getrübten Blick nicht, wenn er sagte: "Die Demokratie trägt den Keim ihrer eigenen Zerstörung in sich. Man sagt, dass man die Demokratie von Zeit zu Zeit in Blut baden müsse, damit sie weiterhin Demokratie bleibt.(2)" . …Meine Absicht ist es, heute die Geschichte eines beispielhaften Volkes in Erinnerung zu rufen, das über eine hohe politische Kultur verfügt und das mit friedfertigen und demokratischen Mitteln durch die Befreiung seiner Gesellschaft vom Kolonialismus, von der Ausbeutung und vom großen Elend, welche den ganzen amerikanischen Kontinent seit der Ankunft der Europäer unterdrücken, die Grundlagen für ein gerechtes und glückliches Leben einpflanzen wollte.

CHILE UND DER SOZIALISMUS (3)

Die Absicht, in Amerika eine Gesellschaft mit ethischer Ordnung zu errichten, in der der Mensch nicht nur das Instrument einer großen produktiven Maschinerie im Dienste einiger weniger ist, sondern selbst das Ziel der gesamten menschlichen Anstrengung, genießt in Chile eine der längsten Traditionen des gesamten Kontinents.
Schon am 14. April 1850 fand in Santiago die öffentliche Gründung der Gesellschaft der Gleichheit statt, und einer ihrer Gründer sollte 1898 der Arbeiterpartei Francisco Bilbao ihren Namen geben, die sich später als Sozialistische Partei Chiles konsolidierte, indem sie 1901 ihr Programm und Reglement veröffentlichte.
1909 wurde die Arbeiterföderation Chiles (FOCH) gegründet, nach der dramatischen Erfahrung zwei Jahre zuvor, als dreitausend streikende Nitrat-Arbeiter mit ihren Frauen und Kindern in der Schule von Santa María de Iquique ermordet wurden. Und es ist in Iquique, wo der große chilenische Anführer Luis Emilio Recabarren die Gründung der Sozialistischen Arbeiterpartei leitet, die sich später, 1921 in die Kommunistische Partei Chiles umwandelt.
Eine kuriose Anekdote der sozialistischen Geschichte Chiles stellt die Sozialistische Republik dar, die am 4. Juni 1932 durch eine Erhebung des Militärs entstand, welches unter dem Motto: das Volk ernähren, das Volk kleiden agierte, die jedoch nur zwölf Tage andauerte. Monate später präsentierten
die verschiedenen sozialistischen Gruppen ihren Kandidaten Marmaduke Grove, der bei der Wahl den zweiten Platz vor der Konservativen Partei erreichte.
Am 19. April 1933 wurde die Sozialistische Partei Chiles (PSCH) gegründet. 1935 wurden die Föderation Sozialistischer Frauen (FMS) und die Föderation der Sozialistischen Jugend Chiles (FJS) geschaffen. Die Partei machte sich alle demokratischen Ausdrucksmittel zueigen, besonders die der Wahlen, da diese den Mechanismus darstellten, der bei ihrem organischen Wachstum die besten Resultate erbrachte.
Die Arbeiterbewegung macht einen wesentlichen Schritt in Richtung Einheit durch die Gründung der Konföderation der Arbeiter Chiles 1936. Bei den Parlamentswahlen 1937 erreichte die PSCH nach nur vier Jahren ihres Bestehens 11,1% der Stimmen (3 Senatoren und 19 Abgeordnete), während die Kommunistische Partei bei fünfzehnjährigem Bestehen 4,1% der Stimmen erlangte.
Der Triumph der Volksfront 1938 (bestehend aus der Radikalen, der Sozialistischen, der Kommunistischen und der Demokratischen Partei) erlaubte es der PSCH, mit drei Staatsministern an der Regierung teilzuhaben: Salvador Allende für Gesundheit, Oscar Schnake für Förderung und Öffentliche Bauten und Rolando Merino für Land und Besiedlung.
1940 verlässt die PSCH die Volksfront und erreicht bei den Parlamentswahlen von 1941 18% der Stimmen, eine noch nie zuvor erreichte Anzahl, die nur mit den Wahlen von 1973 vergleichbar ist, bei denen sie auf 18,9% der Stimmen kam. Die Sozialisten reihen sich wieder in die Volksfront ein, beteiligen sich an der Regierung und beginnen eine glanzlose Epoche, in der sie einen großen Teil der Unterstützung ihrer Anhängerschaft verlieren. Damals beginnt auch eine komplexe Periode der Umstrukturierungen und Trennungen, bis 1957 der Kongress der Einheit stattfindet, in welchem sich die Sozialistische Volkspartei und die frühere Sozialistische Partei Chiles, entstanden 1948, wieder vereinen.
1958 wird Allende Präsidentschaftskandidat der FRAP (gegründet 1956) und erhält einen hohen Stimmenanteil, dicht hinter dem siegreichen Kandidaten der Rechten, Jorge Alessandri. Die 60er Jahre sind durch die Ereignisse in Kuba gekennzeichnet, die Revolution und die Abrechnung mit dem Imperialismus werden für die progressiven Kräfte auf dem ganzen Kontinent zu einem Beispiel, dem es zu folgen gilt.
1969 wird die MAPU gegründet (Movimiento de Acción Popular Unitaria), Produkt einer Spaltung der Christdemokratie. Im darauf folgenden Jahr stellte die Partei Salvador Allende zum vierten Mal als Präsidentschaftskandidaten auf. Am 4. September 1970 überraschte der Sieg der Unidad Popular, bestehend aus PSCH, PCCH, MAPU, der Radikalen Partei, der API und PIR viele, machte es aber schließlich möglich, an die Regierung zu kommen.

DER TRIUMPH DER UNIDAD POPULAR

Zu den Wahlen von 1970 trat die Nationale Partei mit Jorge Alessandri und die Christdemokratische mit Rodomiro Tomic als Kandidaten an. Die Allianz von Marxisten, Christen, Sozialdemokraten und fortschrittlichen Unabhängigen, genannt Unidad Popular, "einigte sich auf ein Basisprogramm von vierzig Maßnahmen, die dazu bestimmt waren die Wirtschaft umzuwandeln und den himmelschreiendsten sozialen Ungerechtigkeiten ein Ende zu machen. Die Verstaatlichung der Ressourcen Chiles - im besonderen die in nordamerikanischem Besitz befindlichen Kupferminen - sollte, zusammen mit dem staatlichen Besitz der Banken und der wichtigsten Industriemonopole mit so elementaren Maßnahmen wie kostenloser medizinischer Versorgung, Bildung und angemessenen Wohnungen sowie der Zuweisung eines halben Liters Milch täglich gratis für jedes Kind verbunden werden… Chile sollte eine unabhängige Außenpolitik haben und die diplomatischen Beziehungen zu Kuba wieder aufnehmen (4)" . Mitte Jänner 1970 ernannte die Unidad Popular Salvador Allende von der Sozialistischen Partei zum Präsidentschaftskandidaten für die Koalition.
"Der Charakter der Unidad Popular - mit ihrer breiten Basis in der Arbeiterklasse, unter der bäuerlichen Bevölkerung und der Mehrheit der Jugendlichen des Landes - bewirkte, dass die Wahlkampagne grundlegend von der Mobilisierung der Massen abhing. Tausende lokaler Komitees wurden für die Kampagne gebildet: die CUPs, die Komitees der Unidad Popular (5)" . Jedes Stadtviertel, Büro, Fabrik, Schule oder Universität verfügte über ein oder mehrere CUPs.
Da die Rechte die Informationsmedien fast zur Gänze in ihrer Hand hielt, entstand eine neue Ausdrucksform und Volkspropaganda, die im Schreiben von Losungen und Symbolen auf die Wände
bestand. So entstanden im ganzen Land Gruppen oder Brigaden, um die Wände zu bemalen, die erste und berühmteste unter ihnen war die Brigade Ramona Parra oder "BRP", wie sie ihre Schriften signierte, organisiert von der Kommunistischen Jugend. Bald darauf hatten alle Parteien der Unidad Popular eigene Brigaden. Angesichts des Erfolgs dieser Form der Kampagne begann auch die Rechte, Wände zu bemalen oder Reklamen der Unidad Popular zu übertünchen. Der Kampf um die Wände von Santiago und anderer wichtiger Städte wurde jedoch von letzterer mit ihren beeindruckenden menschlichen und kreativen Ressourcen gewonnen.
Schon während der Wahlkampagne keimte seitens der Rechten Gewalt auf. Die Unidad Popular war stolz darauf, sehr große, fröhliche Demonstrationen voll Volkskunst und vor allem friedlich abzuhalten. "Der Klang der Unidad Popular war derjenige der indigenen Instrumente, zu deren Verbreitung Inti Illimani und Quilapayún mit all ihrer Energie so sehr beigetragen hatten… Die Faschisten hatten sowohl in den Städten als auch in den ländlichen Gebieten paramilitärische Gruppen und holten Waffen aus Argentinien herüber, indem sie sie über die Berge schmuggelten… Die Rechte zeigte sich nie in großen Massen auf der Straße. Ihre Macht lag auf anderem Gebiet… wenn sie ausrückte, war das in kleinen Gruppen, um Gewalttaten zu begehen oder zu provozieren (6)."
Schließlich gewann Allende die Wahlen mit 36,3% der Stimmen, gefolgt von Alessandri mit 34,9% und Tomic mit 27,4 %. Die chilenische Verfassung sah vor, dass, sollte der Sieger nicht die absolute Stimmenmehrheit erlangen, der Kongress das Ergebnis bestätigen müsse und theoretisch auch den Zweitplatzierten zum Präsidenten ernennen könne. Die Machenschaften, die den Kongress bewegen sollten, Alessandri und nicht Allende zu ernennen, begannen.
Die erste Etappe war wirtschaftlicher Druck: Panikmache an der Wertpapierbörse, massiver Abzug von Geld aus Banken, Spar- und Kreditinstituten, Schließung privater Industriebetriebe, Spekulation mit Gütern und Dollar auf dem Schwarzmarkt, Hamsterkäufe von Lebensmitteln und anderen Artikeln von allererster Wichtigkeit… über Nacht verschwand das Toilettenpapier aus den Geschäften, welches von der Papierfabrik Puente Alto erzeugt wurde, einer Firma, die das Monopol der Papiererzeugung im ganzen Land inne hatte und Jorge Alessandri gehörte (7). Die Linke griff zum Mittel der Märsche, um Druck zu machen, dass das Wahlergebnis respektiert werden müsse.
Zwei Tage vor der endgültigen Abstimmung des Kongresses, am 22. Oktober, wurde General René Schneider Opfer eines Entführungsversuchs, bei welchem er schwer verletzt wurde und vier Tage später starb. Schneider hatte der Verfassung und dem gewählten Präsidenten seine Treue geschworen. Der Kongress bestätigte Allende als Präsidenten. Am 3. November trat Allende sein Amt an, übersiedelte in den Präsidentschaftspalast La Moneda in Santiago und wurde Zeuge des größten Kulturfestivals der chilenischen Geschichte.
Die Kommunikationsmittel wurden fast gänzlich von der Rechten geführt. "Der Merkur" erhielt hunderttausende Dollar, um seine Propagandakampagne gegen die Regierung der Unidad Popular weiter zu führen (8). Die Kommunikationsmittel verdrehten die Tatsachen, um die öffentliche Meinung zu beeinflussen, sie logen offen und schamlos, schufen Chaos; sie provozierten beispielsweise fiktive Engpässe an Produkten, die in der Folge durch Massen- und Hamsterkäufe zu wirklichen wurden. In Chile gab es kein Gesetz gegen Diffamierung und keinen echten Schutz gegen Verleumdung, so wurden plumpe Lügen über jeden bei völliger Strafffreiheit erfunden.
Im Juli 1971 wurden die Kupferminen verstaatlicht, die wichtigste und populärste aller von der Unidad Popular gesetzten Maßnahmen. Es wurde auch eine Kommission zur Bewertung der Kompensationszahlungen eingesetzt, die Anaconda, Cerro und Kennecott bekommen sollten, jene drei nordamerikanischen Unternehmen, welche die Besitzer der Minen gewesen waren. Die Kommission entschied, dass von den Kompensationszahlungen die Gewinnüberschüsse abgezogen werden müssten, welche besagte Firmen in den vorangegangenen Jahren eingestreift hatten (9). In den Metropolen des Finanzkapitals, besonders in New York, schlugen die Alarmglocken. Große Körperschaften unterstützen den Plan der Destabilisierung der chilenischen Regierung, den die CIA und ITT bereits in Gang gesetzt hatten.
Ende 1971 besuchte Fidel Castro Chile, der erste Besuch, den er seit dem Sieg der kubanischen Revolution einem lateinamerikanischen Land abstatten konnte. Die Rechte war wütend und begann eine Taktik anzuwenden, die bereits 1964 in Brasilien erfolgreich gewesen war, um den Sturz des Präsidenten Goulart einzuleiten: Protestmärsche gegen die Regierung, zu denen Frauen aus der Mittel- und Oberschicht eingesetzt wurden. Der erste Marsch erhielt denselben Namen wie in Brasilien: "Der Marsch der Kasserollen".
Die müßigen Damen der oberen Klassen hatten eine neue Unterhaltung gefunden, sie zwangen oder bestachen ihre Hausangestellten, sie zu den Märschen zu begleiten und wurden dabei von den
paramilitärischen Brigaden der faschistischen Gruppe "Vaterland und Freiheit" beschützt. Trotz allem stieg der weibliche Stimmenanteil zugunsten Allendes zwischen 1970 und 1973 an.
Andererseits begann sich die Rechte zu vereinen, während sich innerhalb der Unidad Popular Spaltungsprozesse anbahnten. 1971 entstand die MIR (Bewegung der Revolutionären Linken), die das Programm der Unidad Popular für obsolet erklärte und dazu aufrief, "Volksversammlungen" anstelle der verfassungsmäßigen Strukturen zu schaffen. Sie erklärten Concepción, wo die Bewegung entstanden war, zum "Freien Gebiet Amerikas".
Auf der Straße gab sich die Ultrarechte Mühe, Gewalt hervorzubringen und präsentierte sich dann als Opfer der "marxistischen Repression (10) " . Im Juni 1971, während die Unidad Popular und die Führung der Christdemokratischen Partei Gespräche führten, um zu einem Ende der Auseinandersetzungen zu finden, ermordete eine neue, angeblich linke Kleingruppe mit dem Namen VOP (Organisierte Avantgarde des Volkes) Edmundo Pérez Zúcovic, Innenminister der Regierung Frei. Seine Ermordung setzte den Gesprächen ein Ende und bildete eine unüberwindliche Hürde zwischen den beiden politischen Kräften.
Im August und September 1972 stieg die Gewalt auf der Straße seitens der ultrarechten und ultralinken Kräfte an. In Santiago setzten Stoßtrupps von "Vaterland und Freiheit" Obusse in Brand und errichteten mit brennenden Reifen Barrikaden. Providencia war ihr Stadtviertel und ihre Anführer trafen sich im Restaurant Munich, das sich in diesem Teil der Stadt befand.
Oktober 1972 war ein bewegter Monat für die Regierung der Unidad Popular. Die Kennecott Copper Company betrieb ein internationales Embargo für das chilenische Kupfer und die chilenischen Schiffe wurden in den europäischen Häfen "angehalten", man verwehrte ihnen die Weiterfahrt oder Entladung. Im Land streikte die mächtige Organisation der Lastwagenunternehmer, vorgeblich gegen die drohende "Verstaatlichung" und die Knappheit an Ersatzteilen und Reifen. In Wahrheit handelte es sich darum, das Land lahmzulegen und den Sturz Allendes voranzutreiben. Wegen der besonderen Geografie Chiles konnte die Paralysierung der einzigen Überlandstraße in Längsrichtung in sehr kurzer Zeit sehr große Schäden anrichten. Der Streik war eine perfekt organisierte Operation. Bewaffnete Banden errichteten Barrikaden und griffen die Lastwägen an, die noch fuhren. Die großen Tankwägen waren aus dem Verkehr gezogen und Treibstoff wurde zu flüssigem Gold; auch Paraffin, zum Kochen und Heizen verwendeter Brennstoff der Haushalte. Nahrungsmittel wurden beinahe unerschwinglich und die wichtigste Milchgesellschaft ordnete an, tausende Liter Milch wegzuschütten, um die Krise noch zu verschärfen.
Die Antwort angesichts dieser Notlage war umgehend und massiv. Ein hoher Prozentsatz kleiner Lastwagenbesitzer weigerte sich, sich dem Streik anzuschließen und gründete die MOPARE, ihre eigene unabhängige Organisation. Arbeiter, Studenten, Professoren, Künstler und viele Freiberufler beteiligten sich an freiwilligen Einsätzen, um die Auswirkungen des Streiks aufzufangen, indem sie Züge be- und entluden und im ganzen Land Lebensmittel und Paraffin verteilten. Dennoch hatte der Streik unheilvolle Auswirkungen auf die Wirtschaft. Die Frühjahrsaussaat verzögerte sich, weil das Saatgut nicht rechtzeitig auf den Feldern eintraf und die Industrieproduktion ging aufgrund fehlender Rohstoffe zurück. Um die Krise noch weiter zuzuspitzen, schlossen sich noch andere Sektoren der Mittelklasse dem Streik an: die Geschäftsinhaber, die Autobusunternehmer, der Ärzteverband und andere Berufsgruppen. Die Freiwilligen arbeiteten mit noch mehr Eifer, die Ärzte, die Allende unterstützten, schufen ihre eigene "Patriotische Front" und arbeiteten doppelte Schichten, um die streikenden zu ersetzen, viele Geschäftsleute hielten ihre Türen selbst angesichts des Risikos offen, mit Steinen beworfen oder überfallen zu werden. Der öffentliche Transport wurde aufrecht erhalten, aber unter großen Schwierigkeiten, weswegen es sehr mühselig war, zur Arbeit zu gelangen. Auch wenn mit der Absicht, Lebensmittel zu offiziellen Preisen zu verkaufen, schon seit Monaten vor dem Streik einige Versorgungs- und Preisgruppen (JAP) bestanden, so war doch das Hamstern, die Spekulation und der Schwarzmarkt das Hauptmerkmal der Güterwirtschaft, besonders bei den aller wichtigsten Gütern.
Die vierzigste Maßnahme des Programms der Unidad Popular betraf die Kultur. Es wurde die Schaffung eines Nationalen Kulturinstituts vorgeschlagen, dessen Funktion es sein sollte, die Volksbewegung anzuregen, zu koordinieren, zu leiten und zu unterstützen. Dieses Projekt wurde nie verwirklicht, jedoch verstaatlichte Allende eines der wichtigsten Verlagshäuser des Landes, welches sich der Veröffentlichung broschierter Werke der chilenischen und der Weltliteratur widmete, die zu sehr niederen Preisen an den Zeitungskiosks vertrieben wurden. Die Auflagen waren fast sofort ausverkauft. Im Nationalstadion von Chile wurden große Musik-, Theater- und Tanzveranstaltungen organisiert. Pablo Neruda war der Literatur-Nobelpreis verliehen worden und Santiago de Chile bot
ihm am 5. Dezember 1972 eine unvergessliche Hommage in besagtem Stadion dar, im selben, das nur wenige Monate später in ein Gefangenen-, Folter- und Erschießungslager verwandelt werden sollte.
Bei den Wahlen vom März 1973 erreichte die Unidad Popular 45% der Stimmen und macht es somit unmöglich, dass die Opposition im Parlament einen anderen Präsidenten als Allende wählte. Die Rechte wurde sich bewusst, dass es ihr auf demokratischem Wege unmöglich sein würde, die Regierung der Unidad Popular zu Fall zu bringen. Andererseits wurde das Leben, je mehr sich der Winter näherte, immer schwerer. Die Schlangen beim Einkaufen wurden immer länger und es nahm fast schon den ganzen Tag in Anspruch, das Nötigste zu kaufen.
Die "Washington Post" hatte begonnen, Enthüllungen über die Aktivitäten des CIA in Chile zu machen. Innerhalb der Unidad Popular gab es immer größere Probleme: einige Sektoren, einschließlich der Kommunistischen Partei, wollten den Dialog mit den Christdemokraten fortsetzen; andere Sektoren forderten die offene Auseinandersetzung und die Bewaffnung des Volkes. Die Mitglieder der Opposition wurden von Tag zu Tag aggressiver; deshalb wurden in den Fabriken, Universitäten, Schulen und anderen öffentlichen Gebäuden Verteidigungskomitees geschaffen, um Sabotageakte und Besetzungen seitens der Opposition zu verhindern.
Am 29. Juni 1973 fand der Versuch eines Militärputsches statt. Panzer fuhren auf den Monedapalast zu. Im letzten Augenblick war ein viel ehrgeizigerer und komplexerer Militärplan fallen gelassen worden, aber nur Oberst Roberto Souper, der Befehlshaber der Panzer, hatte die Nachricht von der Auflösung nicht erhalten oder nicht befolgt. General Carlos Prats, Kommandant der Streitkräfte, befahl den Offizieren, welche die Panzer befehligten, sich zu ergeben; diese ergaben sich, als sie sahen, dass sie isoliert und ohne die erhoffte Unterstützung waren, die Panzer kehrten in ihre Kasernen zurück und Souper wurde verhaftet. 22 Personen starben, unter ihnen ein schwedischer Fotograf, der von einem aufständischen Offizier niedergestreckt wurde.
Nach dem Scheitern des "tancazo" (Panzerschlag), wie der versuchte und vereitelte Militärputsch genannt wurde, startete Allende einen letzen Versuch, sich mit den Christdemokraten zu einigen, aber diese zeigten bereits kein Interesse mehr an Verhandlungen. Innerhalb der Unidad Popular war der Konsens auseinander gebrochen. Die extreme Rechte konzentrierte ihre Kräfte auf die Militärs: Trotz des Scheiterns des Panzerschlags wussten sie, dass sie auf viele Militärs zählen konnten, aber dazu musste man die verfassungstreuen Militärs aus dem Weg räumen. Das erste Opfer war Hauptmann Arturo Araya, Marineadjutant des Präsidenten, der Ende Juli auf dem Balkon seines Hauses ermordet wurde. Es wurde Druck ausgeübt, um die Regierung General Carlos Prats zum Rücktritt zu zwingen. Die Putschisten fanden die Methode, wie sie die Arbeiterschaft mit den Streitkräften in Konflikt bringen konnten: sie entmotteten das Gesetz zur Waffenkontrolle und begannen, das Verstecken von Waffen in verstaatlichten Industrien anzuzeigen, durchsuchten Spitäler, Arbeiterviertel, Universitäten und andere Orte, an denen die Unidad Popular über breite Unterstützung verfügte.
Am 26. Juli 1973 begann der zweite Streik der Unternehmer, diesmal besser organisiert und begleitet von Bomben, Ermordungen, Unruhen und terroristischen Überfällen aller Art.
Am 3. September wird auf einer Massenkundgebung der dritte Jahrestag des Sieges Allendes gefeiert, um die Regierung der Unidad Popular zu verteidigen und zu versuchen, einen Militärputsch zu verhindern. Es sollte zum Abschied des Volkes von seinem Präsidenten werden.

17 JAHRE DIKTATUR (11)(**)

Am 11. September 1973 wird die chilenische Regierung der "Unidad Popular" (ein Parteibündnis unter der Führung von Salvador Allende, dem alle Parteien links der Mitte angehören) mit Waffengewalt von den Streitkräften gestürzt, an deren Spitze oberbefehlshaber general augusto pinochet steht. Der Sitz des Präsidenten Palacio de La Moneda wird bombardiert, Präsident Salvador Allende ermordet und seine Minister verhaftet. Auf diese Weise beginnen 17 Jahre der Militärherrschaft in Chile und eines der größten, selektivsten und grausamsten Massaker der Geschichte Lateinamerikas. In einer Pressekonferenz am 4. Jänner 1974 in Havanna sagt Carlos Altamirano, Generalsekretär der sozialistischen Partei Chiles: "Der Militärputsch hat immense menschliche Verluste verursacht. Über 15.000 Menschen wurden ermordet. Über 30.000 kamen in politische Gefangenschaft. Zehntausende wurden gefoltert. Über 200.000 haben ihren Arbeitsplatz verloren (12)."
Am 12. September treffen die oberbefehlshaber der vier Teilbereiche der Streitkräfte zusammen und gründen die "junta de gobierno". Diese besteht aus augusto pinochet, der für das Heer verantwortlich
ist und zum präsidenten der junta ernannt wird, außerdem gustavo leigh für die Luftwaffe, cesar mendoza für die carabineros (eine den Streitkräften unterstellte Polizeitruppe) und josé toribio merino für die Kriegsmacht zur See. Das erste Kabinett besteht aus zehn Militärs und vier Zivilen. Ein extra Artikel legt fest, dass das neue Regime die Unabhängigkeit der richterlichen Gewalt respektieren muss.
Das Stadium Estadio Nacional de Chile wird in ein riesiges Gefängnis verwandelt. Laut Schätzungen des Internationalen Roten Kreuzes sind am 22. September 1973 ungefähr 7000 Menschen im Estadio Nacional eingesperrt. Das Stadium Estadio Chile wird zum gleichen Zweck verwendet. Zwischen September und Dezember 1973 entstehen im ganzen Land provisorische Gefängnisse in Stadien und militärischen Stützpunkten. Darüber hinaus bauen die militärs zahlreiche Straflager in abgelegenen Gegenden wie Pisagua, Chacabuco, Isla Dawson,...
Am 13. September erklärt der oberste Gerichtshof in einem von dessen vorsitzenden enrique urrutia manzano unterzeichneten Dokument seine Unterstützung für den Staatsstreich. Am 14. September löst die junta das Abgeordnetenhaus auf und macht deutlich, dass die Abgeordneten ihre Ämter sofort niederlegen müssen
Am 18. September wird der spanische Priester Juan Alsina erschossen. Zum Zeitpunkt des Putsches hatte Alsina als Personalbeauftragter im Spital San Juan de Dios in Santiago gearbeitet und war aktiv in der Arbeiterbewegung der katholischen Erneuerungsbewegung "Acción Católica" (MOAC).Alsina wird unweit des Spitals verhaftet und brutal misshandelt. Später wird sein Leichnam am Ufer des Río Mapocho gefunden, mit zehn Schusswunden im Rücken. Die Repression der Bestie des chilenischen militärs beschränkt sich also nicht auf chilenische Staatsbürger. Viele Ausländer werden ermordet, weil sie angeklagt oder einfach nur verdächtigt werden, zur chilenischen Linken zu gehören. All diese Verbrechen bleiben während des langen Bestehens der Diktatur unbestraft. Im neuen Jahrhundert wurde hingegen von der spanischen Justiz eine gerichtliche Untersuchung unter Richter Baltasar Garzón eingeleitet. Pinochet wird der Verbrechen Genozid, Terrorismus und Folter beschuldigt, außerdem wird das Verschwinden von 94 spanischen Staatsbürgern untersucht, darunter der Priester Juan Alsina und der Diplomat Carmelo Soria, der am 16. Juli 1976, zwei Tage nach seinem Verschwinden, tot aufgefunden wurde. Sorias Körper wies deutliche Anzeichen von Folter und Erdrosselung auf. Soria hatte in Santiago für die UN-Wirtschaftskomission für Lateinamerika(CEPAL) gearbeitet. Sein Tod wurde später der zur "DINA", der Geheimpolizei pinochets gehörigen "brigada mulchén" zugeschrieben; das Amnestiegesetz wurde auf den Fall angewandt (13). Durch eines der zahlreichen großen Schlupflöcher, die das kapitalistische Rechtssystem aufweist, konnte sich der "Schakal vom Mapocho" einem Prozess entziehen, der von der internationalen Gemeinschaft gefordert wurde.
Aber kehren wir zurück ins Jahr 1973, in dieses dunkle Kapitel der Geschichte, das von der CIA, der Oligarchie und dem chilenischen Faschismus unter der Anleitung pinochets geschrieben wurde.
Seit dem Putsch waren erst zwei Wochen vergangen, als die USA die junta bereits als Regierung anerkannte. Die junta bot jedem, der Informationen über den Aufenthaltsort von Mitgliedern der früheren Regierung der "Unidad Popular" liefern konnte, eine Belohnung von 500 000 Escudos an.
Zwischen 5. und 9. Oktober bewegt sich eine militärische Delegation unter der Leitung von general sergio arellano stark durch die Provinzstädte. Dabei werden in fünf Städten über 100 Menschen gefangengenommen und ermordet. Die sogenannte "Todeskarawane" ("caravana de la muerte") passiert Cauquenes, La Serena, Copiapó, Antofagasta, Calama und mindestens eine Stadt im Süden. Arellano stark und seine Männer holen Gefangene aus ihren Zellen, um sie hinzurichten. Dies geschieht häufig ohne Zustimmung oder ohne Wissen des für die Region zuständigen Offiziers. Viele der Gefangenen hatten sich freiwillig den Militärbehörden ergeben.
Am 13. Oktober verbietet die junta alle linksgerichteten politischen Organisationen und Parteien. Vier Tage später wird das Verbot auf sämtliche politische Parteien ausgeweitet. Die Güter der Parteien gehen in Staatsbesitz über. Erst 1998 ermöglicht ein neues Gesetz deren Rückgabe an ihre rechtmäßigen Besitzer.
Am 11. März 1974 verkündet die junta ihre "declaración de principios". Diese Deklaration definiert die Ziele des regimes und legt die Grundmauern für ihren Fortbestand. Unter anderem wird dahin festgehalten, dass das regime christlichen Prinzipen folgt und sich ausschließlich mit der "westlichen Zivilisation" identifiziert, dass Chile auf Dauer einen autoritäreren Regierungsstil benötigt und dass das Bestehen des regimes vom Erreichen seiner Ziele abhängt und nicht von Formalitäten.
Am 14. April 1974 ernennt das vierte Kabinett sergio de castro zum Wirtschaftsminister. De castro, früherer Professor an der "Chicago Business School", spielt eine wichtige Rolle bei der Annäherung
des regimes an die Marktwirtschaft. Später stößt Finanzminister jorge cauas zu ihm, ein Monetarist, dessen Ziel die Senkung des Steuerdefizits ist.
Am 14. Juni 1974 wird die Geheimpolizei "dirección nacional de inteligencia"(DINA) gegründet. Unter der Leitung von general manuel contreras besitzt die DINA bis 1977 einen großen Machtspielraum und ist vielleicht die meistgehasste unter all jenen Organisationen, die für Menschenrechtsverletzungen bekannt sind. Die DINA operiert in zahlreichen übers ganze Land verstreuten geheimen Folterzentren und Gefängnissen und ist auch an Verbrechen im Ausland beteiligt, wie an den Ermordungen von Orlando Letelier in Washington D.C. und Carlos Prats in Barcelona und an dem Attentat auf Bernardo Leighton in Rom.
Am 30. September 1974 wird in Buenos Aires (Argentinien) General Carlos Prats González, der während Allendes Regierungszeit Oberbefehlshaber des Heeres war, von einer in seinem Fahrzeug angebrachten Autobombe getötet. Seine Gattin Sofía Cuthbert stirbt mit ihm.
Am 5. Oktober 1974 wird Miguel Enríquez Espinoza, der Generalsekretär der "Bewegung der Revolutionären Linken" (MIR) von Agenten der DINA erschossen. Der Mord an Enríquez bildet den Auftakt für starke Repressionen gegenüber der MIR, die bis Februar 1975 andauern.
Milton Friedman, der Gründer der "Chicago Business School", besucht Chile am 25. März 1975. Sein Aufenthalt findet zeitgleich mit Veränderungen in der Wirtschaftspolitik der junta statt, die von den "Chicago Boys" inspiriert werden, einer Gruppe von neoliberalen Wirtschaftstheoretikern unter Friedman. Der Dollar wird erst um 8%, dann um 15% abgewertet, außerdem werden einige Preise dereguliert.
Am 1. August 1975 setzt der staatliche Fernsehsender Televisión Nacional die Ausstrahlung der Kinderserie "Mafalda" aus, die auf den Comics des argentinischen Künstlers Quino basiert, da sie angeblich aufrührerische und "destruktive" Tendenzen aufweist.
Am 1. September 1975 formiert sich das "comando conjunto", ein neuer antikommunistischer Schwadron, der sich aus Mitgliedern des Geheimdienstes der Luftwaffe(SIFA), offizieren der kriegsmacht zur see, carabineros und Mitgliedern der zivil-paramilitärischen Gruppe "patria y libertad" zusammensetzt. Das Kommando untersteht oberst edgardo ceballos, dessen hauptsächliches Ziel die Ausmerzung der Kommunistischen Partei ist. Von der Gründung des "comando conjunto" bis Ende 1976 werden zwei aufeinanderfolgende Zentralkomitees und zahlreiche Mitglieder der Jung-Kommunisten festgenommen und verschwinden spurlos.
Am 6. Oktober 1975 entgehen Bernardo Leighton und seine Gattin Ana Fresno nur knapp einem Mordanschlag in Rom, wo sie im freiwilligen Exil leben. Leighton, der während Eduardo Freis Regierungszeit Vizepräsident war, war einer der Christdemokraten, die den Militärputsch ablehnten und trat für den Dialog zwischen seiner Partei und der chilenischen Linken ein.
Am 9. Jänner 1976 wird gemäß "Verfassungsurkunde" #1 der Staatsrat gebildet, ein beratendes Organ ohne Entscheidungsbefugnis. Er besteht aus früheren Präsidenten und 16 weiteren Personen, die von pinochet bestimmt werden. Der frühere Präsident Eduardo Frei Montalva lehnt ein Amt im Staatsrat ab, während Gabriel González Videla und Jorge Alessandri sich für die Teilnahme entscheiden.
Am 13. September 1976 wird die Verfassungsurkunde über "konstitutionelle Rechte und Pflichten" erlassen, ein historisches Beispiel für die Funktionsweise des faschistischen Rechtssystems. Unter anderem erklärt dieses Dokument die Verbreitung von jeglichen "regimewidrigen" Ideen für illegal; das Verbot der politischen Parteien unterbindet das Recht, sich zu Vereinigungen zusammenzuschließen.
Am 9. Juli 1977 spricht der "Schakal vom Mapocho" von einem schrittweisen Übergang zu einer neuen Demokratie, der ab dem 1. Jänner 1981 von einigen Verfassungsreformen eingeleitet werden und schließlich in der Wiederherstellung des Parlaments gipfeln solle. Die junta werde weiterbestehen und bis 1985 zwei Drittel der gesetzgebenden Gewalt innehaben. Danach könnten die Gesetzgeber vom Volk gewählt werden. Die Opposition kritisiert pinochets plan, weil dieser das Militärregime noch bis 1985 fortsetzen will.
Am 13. August 1977 wird der Geheimdienst DINA durch die "central nacional de información" CNI ersetzt. Der große Machtspielraum, über den die DINA verfügt, und die Rolle, die sie bei der Ermordung Leteliers gespielt hatte, werden vom Regime als im internationalen Umfeld imageschädigend angesehen und führen zu deren Auflösung. Mehrere wichtige Mitglieder der DINA bekleiden Schlüsselpositionen in der CNI, die in der Ausübung der Repression die Funktion der DINA einnimmt.
Am 4.Jänner 1978 lässt pinochet eine Volksbefragung durchführen, um "Chiles Würde zu verteidigen". Die Wähler werden gebeten, ihre Ablehnung gegenüber der UNO-Resolution deutlich zu machen, die Chile wegen Menschenrechtsverletzungen verurteilt. Der Wähler wird gefragt, ob er "den Präsidenten bei seiner Verteidigung der Würde Chiles unterstützt und die Legitimität der Regierung bestätigt... oder, im Gegenteil, der UNO-Resolution und deren Versuch, uns unsere Zukunft vom Ausland aus aufzuzwängen, zustimmt". Die Auszählung bringt ein Ergebnis von 75% "Ja"-, 20% "Nein"- und 5% ungültigen Stimmen. Die Wahl wird ohne ein Mindestmaß an Demokratie durchgeführt Es gibt zum Bespiel keine Wählerverzeichnisse, da diese nach dem Militärputsch verbrannt worden sind. Laut "Americas Watch" herrschte während der Volksbefragung ein Klima der "extremen Brutalität und Angst, des Ausnahmezustandes, in dem die bürgerlichen Freiheiten sehr stark eingeschränkt waren". Der Schakal vom Mapocho hingegen interpretiert das Wahlergebnis als Legitimation seiner Regierungspolitik.
Am 19. April 1978 wird das "Amnestiegesetz" beschlossen. Das von Justizministerin mónica madariaga ausgearbeitete Gesetz erlässt eine Amnestie für alle zwischen dem 11. September 1973 und dem 10. März 1978 begangenen Verbrechen, ein Zeitraum, der den gesamten Ausnahmezustand umfasst. Von dem Gesetz profitieren Verbrecher, deren Komplizen und diejenigen, die die Verbrechen vertuscht haben. Es beschützt also alle, die während dieses Zeitraums Menschenrechtsverletzungen begangen haben. Auch auf einige politische Gefangene, die in diesen Jahren verurteilt wurden, wird die Amnestie angewandt. Innenminister sergio fernández erklärt diese Tatsache zum "Beginn der nationalen Versöhnung".
Am 24. Juli wird general gustavo leigh, Kommandant der luftwaffe und Gründungsmitglied der junta, seines Ranges enthoben. Pinochet und die beiden anderen Mitglieder der militärjunta, die generäle merino und mendoza, beschuldigen ihn, "sich in mehreren Fällen von den Prinzipien, die die Bewegung des 11. Septembers inspiriert" hätten, "entfernt" zu haben. Tatsächlich hatte leigh die "Volksbefragung" des vorangegangenen Jahres vehement abgelehnt und hatte auch bezüglich der totalitären Natur des Regimes Bedenken geäußert. Er ging sogar so weit zu sagen, dass er die Existenz linker Parteien unterstütze, "so wie es auch die Schweden tun", und fügte hinzu, die chilenische Erfahrung habe bewiesen, dass "Ideen nicht durch Gesetzeserlasse abgeschafft werden können".
Am 19. Oktober 1978 werden sieben Gewerkschaftsbunde, die 550 Gewerkschaften vertreten, von der Regierung zwangsweise aufgelöst.
Am 2. Jänner 1979 tritt der "Plan laboral" der Regierung in Kraft. Das neue Programm spiegelt das neoliberale Modell wider, das bereits auf die chilenische Wirtschaft angewandt wurde. Die Einschränkung des Rechtes auf Verhandlungen ermöglicht eine Lohnsenkung; die Arbeitsbedingungen verschlechtern sich.
Am 1. Mai 1979 werden bei nicht genehmigten Aufmärschen anlässlich des Tags der Arbeit 365 Menschen verhaftet.
Am 15. Juli 1980 wird oberst roger vergara, der Leiter der "escuela de inteligencia del ejército", erschossen, als er sich in seinem Auto auf dem Weg zur Arbeit befindet. Die MIR bekennt sich zu dem Attentat. Dieser Mord ist Anlass für interne Veränderungen in der CNI und für die Gründung des "Kommandos zur Rache der Märtyrer" covema ("comando vengador de mártires"), einer regierungstreuen paramilitärischen Organisation, die Linke entführt, verhört, foltert und ermordet.
Am 12. August 1980 kündigt die Regierung für den 11. September eine Volksabstimmung an, in der die von pinochets Kollegen ausgearbeitete "Verfassung" angenommen werden soll. Die Verfassung schlägt vor, dass der Schakal für weitere acht Jahre als "Präsident" an der Spitze der militärjunta bleiben soll, danach sollen, nach gewissen in der Verfassung festgehaltenen Richtlinien, Präsidentschaftswahlen abgehalten werden.
Die Abstimmung wird ohne Wählerverzeichnisse, ohne politische Parteien und ohne von den Parteien ernannte Wahlbeobachter durchgeführt. Darüber hinaus findet sie in einem Klima der Angst und der Einschüchterung statt, das jeglichen Versuch einer Diskussion zunichte macht. Vor allem aber gibt es überhaupt keine Garantien für die Richtigkeit des Abstimmungsergebnisses, was zu Wahlbetrug im großen Stil führt. Das Ergebnis sind 67% der Stimmen für und 30% gegen die neue "Verfassung", was einer Legitimation des regimes und dessen Pläne für einen Übergang zur Demokratie gleichkommt. In Einklang mit der neuen Verfassung beginnt pinochet eine weitere achtjährige Amtsperiode. Auch wenn die Parteien der "geschützten Demokratie" ("democracia protegida") einmal gewählt sein werden, sichert die Verfassung ihm noch eiserne Kontrolle über zukünftige zivile Regierungen bis über
das Jahr 2000 hinaus, indem sie pinochet und dem rechten Lager überproportional viel Macht im Parlament einräumt.
Am 20. Oktober 1980 wird Andrés Zaldívar, der Vorsitzende der Christdemokraten, des Landes verwiesen, weil er in Mexiko bestätigt, dass die Verfassung illegal ist.
Am 12. März 1981 nimmt der Schakal vom Mapocho den Präsidentenpalast La Moneda in Besitz, nachdem das bei dem Bombardement acht Jahre zuvor schwer beschädigte Gebäude renoviert und umgebaut worden ist.
Am 28. März 1981 bekunden Spitzen der Kommunistischen Partei ihre Unterstützung für den "bewaffneten Kampf" gegen das regime. Die neue Politik der "Massenrebellion" ist eine Reaktion auf die Volksabstimmung über die Verfassung, da damit der Demokratie alle Türen verschlossen wurden und die faschistische Regierung für einen langen Zeitraum institutionalisiert wurde.
Am 11. September 1981 tritt die neue "Verfassung" in Kraft. Gleichzeitig setzt eine Welle der Vertreibung von regierungskritischen einheimischen und ausländischen "Elementen" ein.
Am 10. August 1982 findet der erste Marsch für "Brot, Arbeit, Gerechtigkeit und Freiheit" statt. 32 Menschen werden festgenommen. Trotz der starken Repression werden die Märsche weiterhin fortgesetzt. Als Ergebnis eines langen Prozesses des unerschrockenen Widerstandes gegenüber dem regime finden am 1. Mai 1983 schließlich die ersten landesweiten Protestkundgebungen statt. Diese werden hauptsächlich vom Verband der Kupferarbeiter (CTC) organisiert und von mehreren politischen Gruppen unterstützt. Von der Größe und Vielseitigkeit der Proteste ist die Regierung ebenso überrascht wie die Veranstalter selbst. Die Antwort des regimes ist massive militärische Präsenz in Santiago, vor allem in den Randbezirken, wo die Proteste am heftigsten sind. Während der folgenden zwei Jahre finden fast jeden Monat Proteste statt.
Am 22. August 1983 formiert sich die Alianza Democrática, ein Parteienbündnis aus Christdemokraten, Republikanern, Radikalen, Sozialisten, Sozialdemokraten und der Volkssozialistischen Union. Die führenden Persönlichkeiten dieser Bewegung wollen mit der Diktatur den Übergang zur Demokratie aushandeln.
Am 10. September 1983 wird das Movimiento Democrático Popular (MDP) gegründet, ein Bündnis aus der Kommunistische Partei, die aus der Alianza Democrática ausgegrenzt worden ist, einer Splittergruppe der Sozialitischen Partei, der MIR, der MAPU-Partei der Arbeiter und Bauern und anderen politischen Gruppierungen. Ziele des MDP sind es, rasch das Ende der Diktatur herbeizuführen, eine nationale Einigung mit der Alianza Democrática und die Bildung einer provisorischen Regierung, die alle politischen Lager mit einbezieht.
Am 18. November 1983 veranstaltet die Alianza Democrática einen öffentlichen Akt im O'Higgins Park. Schätzungen zufolge nehmen daran ca. eine halbe Million Menschen teil, damit ist sie eine der größten Veranstaltungen seit dem Putsch. Im Dezember formiert sich mit Unterstützung der Kommunistischen Partei die Frente Patriótico Manuel Rodríguez (FPMR), die den bewaffneten Widerstand gegen das Regime zum Ziel hat.
Am 15. Jänner 1984 ordnet der Wohnungsbauminister einen temporären Baustopp für pinochets Wohnsitz an, da fragwürdige Transaktionen festgestellt wurden. Das im wohlhabenden Viertel Lo Curro gelegene Anwesen, dessen Preis auf 12 Millionen Dollar geschätzt wird, wird auf Gelände gebaut, das von einem privaten Sportklub enteignet worden ist. Der extravagante dreistöckige Bau, der mit mehreren unterirdischen Bunkern ausgestattet ist, steht in krassem Gegensatz zur Wirtschaftskrise, von der das Land zu diesem Zeitpunkt heimgesucht wird. Dies ist der erste in einer Serie von Korruptionsskandalen, in die der Schakal und seine Familie verwickelt sind.
Am 5. Mai 1984 erhebt eine Gruppe von Rechtsanwälten eine Klage gegen pinochet. Er wird korrupter Handlungen in Bezug auf seinen Besitz in Melocotón beschuldigt. Die Anwälte versichern, dass pinochet um nur 585.000 Pesos 13 Hektar Staatsbesitz erworben hat, für die der Staat zuvor über drei Millionen Pesos bezahlt hat.
Am 5. September 1984 erstellt die militärregierung eine Liste von 5000 Chilenen, denen die Einreise in ihr Heimatland verboten wird. Die Liste wird an Fluglinien weitergeleitet, mit dem Befehl, diesen Personen keine Tickets zu verkaufen.
Am 29. Oktober 1985 beschließt der Militärgerichtshof von Antofagasta die Gewährung einer Amnestie für general arellano stark und andere militärs, die im Zuge der sogenannten "Todeskarawane" im Oktober 1973 für den Mord an mindestens 100 Menschen verantwortlich sind.
Die bewaffneten Kommandos der Linken intensivieren ihre Aktivitäten. Auf ihr Konto geht unter anderem die Sprengung zweier Strommasten, die Stromausfälle in Santiago und anderen Städten zur Folge hat. Die Repression nimmt zu; am 15. Mai 1986 greifen Spezialeinheiten der carabineros und die streitkräfte nach zwei Wochen vermehrter Operationen 33 Elendsviertel von Santiago an. Dabei werden ca. 15.000 Menschen festgenommen.
Die Ereignisse des 2. Juli 1986 erschüttern die chilenische Gesellschaft zutiefst. An diesem Tag, an dem ein landesweiter Streik ausgerufen wird, werden Carmen Gloria Quintana und Rodrigo Rojas von einer militärpatrouille bei lebendigem Leib verbrannt. Während einer Protestkundgebung werden die beiden von einer Patrouille festgenommen. Die militärs überschütten sie mit Kerosin, zünden sie an und lassen sie in einer abgelegenen Gegend zurück. Beide schaffen es noch, Hilfe zu bekommen. Rodrigo Rojas stirbt vier Tage später, kann aber noch vor einem Zivilrichter aussagen. Carmen Gloria Quintana bleibt mit Verbrennungen von 60% der Körperoberfläche ihr Leben lang entstellt.
Am 11. August 1986 berichtet die CNI vom Fund eines großen Waffenlagers in der Nähe von Vallenar. Die FPMR hatte vorgegeben, Algen zu sammeln, um heimlich Waffenhandel betreiben zu können. Die Entdeckung des Waffenlagers veranlasst die Alianza Democrática dazu, sich von den linksextremen Gruppierungen, die den bewaffneten Kampf als Mittel zur Wiedererlangung der Demokratie ansehen, zu distanzieren.
Am 7. September 1986 entgeht pinochet einem Anschlag der FPMR. Der Ausnahmezustand wird wieder ausgerufen; es kommt zu einer Serie von Festnahmen durch die CNI. Nach dem Attentat verstärkt das Regime seine Politik der Repression und wendet gewalttätige Repressalien an. Die oppositionellen Zeitungen und Zeitschriften Apsi, Anáslisis, Hoy, Cauce, La Bicicleta und Fortín Mapocho werden verboten, Spitzenpolitiker wie Ricardo Lagos (der heutige Präsident Chiles), Patricio Hales und Germán Correa werden verhaftet.
Am 25. Februar 1987 werden zum ersten mal seit 1973 Wählerverzeichnisse angelegt, und zwar als Vorbereitung für die für das darauffolgende Jahr angesetzte Volksbefragung über die Zukunft von pinochets regime. Durch großangelegte Aktionen können die Organisatoren der "NO"-Kampagne trotz Apathie und Misstrauen der Bevölkerung ca. sieben Millionen Wähler dazu motivieren, sich in die Verzeichnisse eintragen zu lassen. Zuvor waren die politischen Parteien wieder erlaubt worden, aber in sechs Monaten hatten sich nur sieben Parteien neu organisiert, davon drei Oppositionsparteien.
Am 10. April 1987 besucht Papst Johannes Paul II. Chile. Es kommt zu einem heiklen Moment, als das regime darauf besteht, dass der Papst nach Santiago zurückkehren soll, um sich von pinochet zu verabschieden. Durch Intervention des Vatikans willigt pinochet schließlich ein, selbst nach Antofagasta zu reisen, um den Papst zu treffen, bevor dieser seine Reise durch Lateinamerika fortsetzt.
Am 30. August 1988 hebt das militärregime offiziell das Exil auf. So können Tausende im Exil lebende Chilenen in ihre Heimat zurückkehren. Die Entscheidung wird einen Monat vor der Volksbefragung, in der sich entscheiden wird, ob pinochet an der Macht bleibt, und einen Tag nach Ende der Eintragungsfrist in die Wählerverzeichnisse bekannt gegeben. Zu den ersten berühmten Persönlichkeiten, die nach Chile zurückkehren, zählen Hortensia Bussi und Isabel Allende, die Nichte des früheren Präsidenten Salvador Allende. Allerdings wird 177 Personen weiterhin die Einreise ins Land verwehrt. Einige sind politische Gefangene, deren Haftstrafen in Exil umgewandelt wurde, anderen wurde die chilenische Staatsbürgerschaft aberkannt, wie z.B. dem kommunistischen Spitzenpolitiker Volodia Teitelboim, dem früheren General der Luftwaffe Sergio Poblete und dem früheren Leiter des Nationalen Gewerkschaftsbundes(CUT) Luis Meseses.
Am 22. September 1988 unterzeichnet das militärregime die UNO-Konvention gegen Folter. Allerdings meldet Chile bei der Unterzeichnung drei Vorbehalte an: dass sie nicht vor dem 11. März 1990 in Kraft treten soll, dass sie nicht rückwirkend angewandt wird und dass die Rechtssprechung der Vereinten Nationen für interne Angelegenheiten Chiles keine Gültigkeit hat. Spanien erhebt Einspruch gegen diese Vorbehalte und erklärt, dass sie mit den Zielen und Absichten dieses internationalen Abkommens nicht in Einklang zu bringen sind.
Am 5. Oktober 1988 geht pinochet aus der Volksbefragung als Verlierer hervor. Fast 55% der Wähler sagen Nein zu seinem Vorhaben, weitere acht Jahre an der Macht zu bleiben. Das "NO" hat also gesiegt, obwohl Freiwillige und Leiter der Kampagne ebenso wie oppositionelle Medien ständig angegriffen wurden. Dieser Sieg ist der Anfang vom Ende für pinochets regime.
Innerhalb weniger Wochen stellt die Opposition den Christdemokraten Patricio Aylwin als ihren Kandidaten für die Präsidentschaftswahlen auf. Bei den ersten demokratischen Wahlen in der Geschichte des bereits 16 Jahre bestehenden Militärregimes wird Aylwin im Dezember 1989 zum
Präsidenten von Chile gewählt. Die Regierungskoalition aus Christdemokraten und Sozialisten "Concertación de Partidos por la Democracia" mit Aylwin an der Spitze erlangt 72 der 120 Sitze im Abgeordnetenhaus. Im Senat erreicht sie hingegen mit 22 von 38 Sitzen keine absolute Mehrheit, was auf eine Verfassungsklausel zurückzuführen ist, die Pinochet und anderen Mitgliedern des Militärregimes das Recht einräumt, neun der Senatoren zu ernennen.
Am 11. März 1990 tritt Patricio Aylwin sein Amt als Präsident der ersten demokratischen Regierung nach 17 Jahren Militärregime an. Der Christdemokrat und Rechtsanwalt repräsentiert das politische Bündnis "Concertación por el NO", das in den 80er Jahren anlässlich der Volksbefragung vom 5. Oktober 1988 gegründet worden war.

SCHLUSSBEMERKUNGEN (*)

Seit der Ankunft der Europäer in Amerika haben unsere Gesellschaften äußerst unter jeder Art von Gewalt und Nötigung gelitten, welche die historische Erfahrung der so genannten "westlichen Zivilisation" zu erdenken und auszuprobieren fähig war. Im Unterschied zum Europa der letzten zweihundert Jahre galt die zentrale Sorge dort nicht dem Menschen; das Ziel ist immer noch, wie schon vor über fünfhundert Jahren, der Reichtum ihrer Länder. Die unheilvollen Folgen einer solchen Einstellung zeigen sich auf allen Ebenen: die brutalen Veränderungen, welche die Umwelt erlitten hat, die großen und orientierungslosen Gesellschaften, die entstanden sind, eine Produktivität, die, auf der Grundlage erbarmungsloser Ausbeutung, kein anderes Ziel zu haben scheint, als das Produkt selbst und seine Vermarktung, Kulturen, die mehr aus dem Leid denn aus der Freude entstanden sind, eine enorme Masse von Menschen die nur bedeutungslose Nummern ohne Geschichte und ohne Zukunft sind. In Amerika sind seit seiner Entdeckung die Willkür und der Despotismus die wesentliche Spielregel, so will es das politische Vermächtnis, das mit Blut und Feuer von den Imperien auferlegt und von der herrschenden weißen Oberschicht kopiert und fortgesetzt wurde.
In der zweiten Hälfte des vergangenen Jahrhunderts ließ die riesige Menge an Problemen sowie ein hoher Bewusstheitsgrad über ihre Ursachen und mögliche Abhilfen seitens einer beträchtlichen Anzahl von BürgerInnen in ganz Lateinamerika das unmittelbare Bevorstehen einer zweiten Befreiung vom Kolonialismus vorhersehen, den dieses Mal das ausländische Kapital, besonders das der USA und der plündernden heimischen herrschenden Klassen aufzwang.
Die sozialen und Befreiungsbewegungen sprossen überall in Lateinamerika derart hervor, dass es den Imperialisten und den herrschenden Klassen nur möglich war, ihre Privilegien unter Anwendung der erbarmungslosesten Gewalt beizubehalten, die unsere Geschichte seit der europäischen Invasion je erlebt hatte. So setzten sich zwischen den 60er und dem Ende der 80er Jahre, einem Zeitraum von fast 30 Jahren, auf beinahe dem ganzen Kontinent die blutigsten Diktaturen fest, die das Antlitz der Erde je gesehen hat. Die vom Schakal vom Mapocho in Chile aufgezwungene war die schrecklichste von allen. Zu jener Zeit wurden in fast ganz Lateinamerika Millionen militanter Linker ermordet, verhaftet, gefoltert, mussten ihr Land verlassen, um ihr Leben und/oder das ihrer Familien zu retten, oder sie mussten einfach bleiben und ihren politischen Überzeugungen abschwören. Und so konnten in unseren Ländern, nachdem erst der Weg frei war von jeder ernst zu nehmenden Opposition, die zynischsten, unterdrückerischsten, betrügerischsten Demokratien der ganzen Geschichte des "Westens" wieder eingesetzt werden, Demokratien, die ihren Kern in der Korruption, der Angst, der Unwissenheit und, wie es schon Tradition ist, der Unterdrückung haben.
Innerhalb des politischen Klimas Lateinamerikas, das bis zum Überdruss neben anderen Übeln mit Korruption, Lüge und Gewalt getränkt ist, sind die Hoffnungen, Lösungen zu finden, eher schwach. Ich glaube, dass in diesem 21. Jahrhundert wir alle, nicht nur die große Zahl der unterdrückten Völker der Welt, sondern auch ihre Unterdrücker, viel von der ethischen und politischen Weltsicht Mahatma Gandhis lernen und in die Praxis umsetzen müssen. Als Schlusswort dieser Arbeit mögen seine Worte Nahrung für unsere Reflexionen über die Vergangenheit, die Gegenwart und die Zukunft der Völker, besonders derjenigen Lateinamerikas, sein:
"Die Selbstreinigung, auch wenn es scheint als hätte sie keinerlei greifbare Realität, ist das mächtigste Mittel, um unsere Umgebung umzugestalten und die schwersten Hindernisse zu überwinden… sie ist das Mittel par excellence, das direkteste, das sicherste und das kürzeste, um die Befreiung zu erlangen… Euer größter Irrtum ist, zu glauben, es bestünde kein Zusammenhang zwischen dem Zweck und den Mitteln… der Zweck ist so viel wert wie die Mittel… Die gegenseitige Abhängigkeit ist und muss das Ideal des Menschen sein, genauso wie die Autonomie… Der Sozialismus wie ich ihn verstehe, hat die Klarheit des Glases. Er erfordert folglich völlig klare Mittel, um seinen Zweck zu
erreichen… Die ahimsã (GewaltLOSIGKEIT) und die Wahrheit sind so eng miteinander verwoben, dass es praktisch unmöglich ist, sie von einander zu trennen… ich gestehe nicht den mindesten Rückgriff auf die Gewalt zu, um zum Erfolg zu gelangen… Daher werden nur Sozialisten mit reinem Herzen, gewaltlose und wahrheitsliebende, eine wahrhaft sozialistische Gesellschaft in Indien und in der Welt aufbauen können… Die echte Demokratie kann nur aus der Gewaltlosigkeit entstehen… sie kann nie mit unlauteren oder gewaltsamen Mitteln erreicht werden… Die Zukunft Indiens und der Welt hängt von der Annahme der Gewaltlosigkeit ab. Sie ist das wirksamste Mittel zur Durchsetzung der politischen und wirtschaftlichen Rechte aller Unterdrückten und Ausgebeuteten… Der zivile Ungehorsam ist ein unveräußerliches Recht jedes Staatsbürgers. Er kann nicht darauf verzichten, ohne aufzuhören, ein Mensch zu sein… Ich habe es immer für unmöglich gehalten, die soziale Gerechtigkeit zwangsweise durchzusetzen, auch wenn es um die Benachteiligtsten geht. Nach meinem Urteil kann der ungerechten Situation, unter der sie leiden, Abhilfe geleistet werden, indem man sie gebührend in gewaltlosen Methoden trainiert. Ich beziehe mich auf die gewaltlose Verweigerung der Kollaboration. Niemand ist verpflichtet, an seinem eigenen Verlust oder Versklavung mitzuarbeiten… (14)
 

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(1) Mapocho ist ein chilenischer Fluss.
(2) Erklärungen augusto pinochets, veröffentlicht in der Zeitschrift Time am 1. Oktober 1973, entnommen aus "La tragedia de Chile", einer Sammlung von G. Borovic, Edition Presseagentur Nóvosti, Moskau 1974.
(3) Die folgende Zusammenfassung der Geschichte des Sozialismus in Chile basiert auf den im Internet veröffentlichten Daten aus der Homepage der Sozialistischen Partei Chiles: http://www.pschile.cl/historia/historia.htm(3) Die folgende Zusammenfassung der Geschichte des Sozialismus in Chile basiert auf den im Internet veröffentlichten Daten aus der Homepage der Sozialistischen Partei Chiles: http://www.pschile.cl/historia/historia.htm
(4) Die folgende Zusammenfassung beruht auf den im Buch "Víctor Jara, un canto no truncado" ("Víctor Jara, ein nicht verstümmelter Gesang") von Jara Joan, Ediciones LAR, 1988, Santiago de Chile, Seite 137, veröffentlichten Daten.
(5) Ebd., S. 143-144.
(6) Ebd., S. 139.
(7) Ebd., S. 150.
(8) Ebd., S. 166.
(9) Ebd., S. 183-184.
(10) Nach 1973 trat einer der Anführer der MIR, der "Comandante Raúl" als einer der Haupt-Folterknechte der DINA, der Geheimpolizei der Militätjunta, auf. Ebd., S. 182.
(11) Die Daten, auf die in dieser Ausgabe Bezug genommen wird, stammen hauptsächlich von der Internetseite "Derechos Chile": http://www.santiagotimes.cl/derechos/index_esp.html
(12) "La tragedia de Chile" (Sammelband), G. Borovic (Hrsg.), Presseagentur Nóvosti, Moskau, 1974.
(13) Für mehr Information über die Festnahme pinochets und den vergeblichen Versuch seiner Verurteilung in Spanien, siehe http://www.angelfire.com/ri/amintiri/opinion21.html
(14) "Todos los hombres son hermanos", Mahatma Gandhi, Sociedad de Educación Atenas, Madrid 1995. Dieses Werk enhält Passagen aus verschiedenen Schriften Gandhis, die zu verschiedenen Zeitpunkten veröffentlicht wurden. Ich habe einige Sätze Gandhis miteinander verknüpft, ohne die von der Quelle eingehaltene Reihenfolge einzuhalten, der sie entnommen sind.

Übersetzung: Ulrike ZOMORRODIAN-SANTNER (*) und Anna FUCHS (**)


Nr 62: >> José Martí:

 

JOSÉ MARTÍ

Am 28. Jänner dieses Jahres jährt sich der Geburtstag des Kubaners José Martí zum 150. Mal. YAGE und XICöATL widmen diese Nummer des feierlichen Gedenkens eines der größten Söhne Amerikas, der trotz seines kurzen Lebens - das in einer der kriegerischen Auseinandersetzungen um die Unabhängigkeit Kubas von der spanischen Herrschaft sein Ende nahm - eines der großartigsten lyrischen, politischen und journalistischen Vermächtnisse der gesamten hispanoamerikanischen Geschichte hinterlassen sollte.
Wirft man einen globalen Blick auf die 12.500 Seiten, welche die 27 Bände des Gesamtwerks José Martís ausmachen, so strahlt uns als aller erstes seine tiefe Sensibilität und sein Humanismus aus seinen Schriften entgegen, seine fiebrige Intelligenz und Phantasie, welche eine unendliche Abfolge von Ideen, Bildern und Metaphern hervorbringen, einmal ausgedrückt mit überwältigender Einfachheit, dann wieder mit einer anspruchsvollen Komplexität, jedenfalls aber mit einer Klarheit, Feinheit und Aufrichtigkeit, die in der amerikanischen Literatur ihresgleichen sucht. In jeder Zeile legt Martí Zeugnis seiner umfassende Bildung und seines Wissens auf den unterschiedlichsten Gebieten der Wissenschaft und des Lebens ab, seiner großen Bewunderung für den technischen Fortschritt seiner Zeit, seines Respekts vor und Feuereifers für die Großen der Menschheit, und seiner Liebe zur Natur.
Sein politischer oder journalistischer Diskurs ist immer verbunden mit einer hervorragenden Würdigung des Lebens und der großen individuellen und sozialen Ziele, mit einer ständigen Sorge um die Bildung und den Wohlstand seines Volkes, um die Freiheit des Menschen und Amerikas. Seine Verse sind in erster Linie eine kultivierte und sensible Lobpreisung all der Liebe, derer ein Mensch sich selbst, seinen Mitmenschen und all dessen, was uns umgibt, gegenüber fähig ist.
So fruchtbar ist das Werk Martís, dass kein Kind Amerikas wirklich ein solches sein kann, ohne vom klaren Quell seines Denkens getrunken zu haben und ohne am reinigenden Feuer seiner Ideale entflammt zu sein; denn ihm wurde die so spröde Gnade zuteil, den großen freien Geist zu bewahren und weiter zu geben, der über die Gipfel, die Wässer, die Wälder, die Ebenen und die Urwälder Amerikas wandert; ihm, dem großen Liebhaber der Freiheit und Gerechtigkeit, der Aufrichtigkeit und der Arbeit, des menschlichen Wesens und der amerikanischen Völker spanischer Sprache.

DER POLITIKER MARTÍ
Es ist schmerzhaft, festzustellen, dass die derzeitige politische Lage der amerikanischen Gebiete spanischer Sprache im Wesentlichen immer noch die selben Züge aufweist wie zu Zeiten Martís. Unser Amerika hat seinen sklavischen Zustand als Kolonie nicht überwunden, zu welchem es seit seiner Entdeckung durch die Europäer verdammt war. Heute ist Lateinamerika nicht mehr das Dienstmädchen des spanischen Königs, sehr wohl aber die Dienerin der Vereinigten Staaten, eines Staats, der seit der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts begann, den Kontinent mit Hilfe aller Art von politischen Listen und direkten und indirekten militärischen Interventionen nach seinem Gutdünken zu gängeln. Schon 1835 förderten die USA die Unabhängigkeit Texas' von der spanischen Herrschaft, um es dann zu annektieren. 1847 fielen sie in Mexiko ein und entfesselten einen brutalen Krieg gegen das Land, durch welchen es ihnen gelang, sich im darauf folgenden Jahr 55 % seines Staatsgebiets anzueignen (1).
Am 20. Juni 1898, als die Kubaner kurz davor standen, endlich ihre Unabhängigkeit von Spanien zu erreichen, besetzten die USA die Insel vier Jahre lang, in dieser Zeit lösten sie die von Martí gegründete Partei und das Befreiungsheer auf, gründeten eine Neokolonie und erlegten dem Land eine Abänderung der Verfassung auf, die ihnen das Recht gaben, im Land militärisch zu intervenieren, wann immer sie dazu Lust hatten. Puerto Rico wurde zur Kolonie. In Haiti, die Dominikanische Republik, Guatemala, Nicaragua und andere Länder Zentralamerikas, einschließlich Mexiko, intervenierten die USA mehrfach militärisch. Auch trieben sie die Unabhängigkeit Panamas und Kolumbiens mit dem Ziel voran, sich des interozeanischen Kanals zu bemächtigen, den sie bis vor kurzem betrieben und wirtschaftlich ausbeuteten.
Durch große Investitionen, betrügerische Demokratien, Staatsstreichs, schändliche und unterwürfige Militärregimes und durch steigende politische, wirtschaftliche, ideologische und kulturelle Einmischung haben die USA Lateinamerika nach ihrem Gutdünken gelenkt, ganz besonders seit dem Zweiten Weltkrieg.
Die 200 Millionen Armen, welche die Verpflanzung von Werte-, Eigentums-, Erziehungs-, Herrschaftssystemen, Systemen sozialer und wirtschaftlicher Schichtung, die Indoamerika - einem so unendlich reichen Kontinent - fremd sind, hervorbrachte, sind eine entsetzliche Wunde, die jeglicher Modernität und jeglichem Humanismus widerspricht, eine Abart der Sklaverei, welche der Menschlichkeit Schaden zufügt und zu einem wesentlichen Faktor der herrschenden moralischen Verwerflichkeit, dem Fehlen von eigenen Werten und der Zerstörung der Natur und der Umwelt wird, durch diese enge und intensive Interaktion von in erster Linie wirtschaftlichen Interessen, die zwischen Sklavenhändlern und Sklaven besteht.
Die Freiheit kann für die Völker, die eine blutbedeckte Stirn haben, nicht fruchtbar sein (2), legte Martí als Prämisse fest; auch dass ein Wille, der einen anderen Willen unterdrückt, nicht respektiert werden darf (3)...Vaterland ist etwas anderes als Unterdrückung, etwas anderes als Stücke von Land ohne Freiheit und ohne Leben, etwas anderes als erzwungenes Besitzrecht. Vaterland bedeutet Interessensgemeinschaft, einheitliche Traditionen, Einigkeit der Ziele, süßeste und trostreiche Verschmelzung von Lieben und Hoffnungen... Sich gewaltsam durchsetzen ist Sache von Tyrannen. Unterdrücken ist Sache der Ruchlosen (4), schrieb Martí anlässlich der Ausrufung der ersten Spanischen Republik.
Zahlreich und tiefgründig ist das Vermächtnis José Martís' politischen Denkens für die Kinder Amerikas: er nährt stets den Begriff der Freiheit als höchsten ethischen Wert, als unverzichtbare Voraussetzung individuellen und sozialen Lebens, als Achse der täglichen Praxis; er nährt den Begriff der Gleichheit unter den Menschen und identifiziert sich mit den Kämpfen der Arbeiter; er verficht eine Gesellschaft frei von jeglicher Sklaverei und ohne Rassenhass. Martí lehrt uns, dass das Problem der Unabhängigkeit nicht die Veränderung der Formen sondern diejenige der Geisteshaltung ist, Martí fordert die Bildung des Geistes unserer Völker von uns ein und betont sie (5). Martí schenkt uns sein tiefes Verständnis bezüglich der großen Gefahr, die die USA für die Freiheit und den Fortschritt der lateinamerikanischen Nationen darstellen: Von unserer Soziologie weiß man wenig und von diesen Gesetzen, so nötig wie dieses andere: die Völker Amerikas sind umso freier und blühender je mehr sie sich die Vereinigten Staaten fernhalten (6).
Zu Martís Zeiten machten die USA einen Vorstoß zur Schaffung etwas Ähnlichen wie der ALCA (Amerikanische Freihandelsallianz), die sie heute in aller Eile dem ganzen Kontinent aufzwingen will.
Niemals, von der Unabhängigkeit bis heute, gab es in Amerika eine Angelegenheit, die mehr Besonnenheit erfordert, zu noch mehr Wachsamkeit gezwungen, eine klarere und minutiösere Prüfung erfordert hätte als der Vorstoß, den die mächtigen USA, randvoll von unverkäuflichen Produkten und entschlossen, ihre Herrschaft in Amerika auszuweiten, in Richtung weniger mächtiger amerikanischer Nationen machen - die durch den freien und nützlichen Handel mit den Völkern Europas verbunden sind - um eine Liga gegen Europa zu errichten und Beziehungen zum Rest der Welt zu unterbinden (7).
Die Gefahren soll man nicht erst sehen, wenn sie einen schon bedrohen, sondern wenn man sie noch verhindern kann. Das Vorrangige in der Politik ist klären und vorher zu sehen. Nur eine einstimmige und mannhafte Antwort... kann die spanischsprachigen Völker Amerikas ein für alle Mal von der Beunruhigung und Störung befreien, die für ihre Entwicklung so fatal sind... (von) der Jahrhunderte alten Politik, die sich zur Vorherrschaft eines ehrgeizigen Nachbarn bekennt, der sie nie zu fördern beabsichtigte, und sich auch nie an ihrer annahm außer um ihre Ausdehnung zu verhindern, wie in Panama, oder um sich ihres Gebiets zu bemächtigen wie in Mexiko, Nicaragua, Santo Domingo, Haiti oder Kuba, oder um durch Einschüchterung ihre Kontakte mit dem Rest des Universums zu unterbinden wie in Kolumbien, oder - so wie jetzt gerade - um sie zu zwingen zu kaufen, was er selbst nicht verkaufen kann und sich zwecks ihrer Beherrschung zusammenzuschließen... Ein Volk, das die Freiheit, welche das universelle und ewige Bestreben des Menschen ist, als sein persönliches Privileg anzusehen und sie heraufzubeschwören beginnt, um die Völker ihrer zu berauben (8).

DER DICHTER MARTÍ

Sehr wenigen Politikern Amerikas wurde es zuteil, derart poetisch, mitreißend, leidenschaftlich, glänzend und tiefgründig zu schreiben; umgekehrt haben nur wenige Dichter die politische Fähigkeit, die Überzeugungskraft und den scharfen Blick Martís besessen, sei es im Ausdruck oder beim Handeln. Das Geheimnis seines sowohl politischen wie auch literarischen Talents, glaube ich, war die Erforschung der Liebe und der Wahrheit in ihren höchsten möglichen Dimensionen. Bei Martí hat der politische und journalistische Diskurs einen Ton, der entflammt und überzeugt und der Schlüssel zu seinem Zauber ist ein lyrischer, natürlicher, einfacher und belehrender Ton, der so erhabene Ebenen der Spiritualität in sich trägt, dass er den Geist - den plumpsten wie den erlesensten - emporhebt auf unerforschte Stufen intellektueller Reflexion und Genusses.
Andererseits sind seine Verse ein erhabener Ausdruck der größten Sensibilität, die Poesie Martís entsteht aus dem menschlichen Wesen und kehrt zu ihm zurück, voll der Meditationen und Wahrheiten, sie ist ein geläuterter Ausdruck der tiefsten menschlichen Gefühle und Sehnsüchte. Die Poesie Martís geht von der Natur aus und kehrt zu ihr zurück, seine Verse durchdringen ihre Geheimnisse, ihre Weisheit, ihre Gerüche, Geschmack und Farben. Martí fordert die - nicht nur politische sondern auch kulturelle - Emanzipation der lateinamerikanischen Länder und ruft sie aus; zu diesem Zweck trägt er eines der - für denjenigen, der diese komplexe Verbindung des amerikanischen Bodens mit den vielfältigen menschlichen und kulturellen Verquickungen, die aus ihm entsprossen sind - großartigsten und beispielhaftesten poetischen Werke bei. Die Kunst um der Kunst willen ist nicht Martís Sache, für ihn ist Kunst eine richtige Mischung aus tiefem Inhalt und Raffinement, eine Mischung aus Liebe, Schönheit und Gefühl, ausgedrückt durch eine erleuchtete Ästhetik.

EPILOG
Ich glaube, Gabriela Mistral übertrieb nicht, als sie sagte, José Martí sei der reinste Mann der Rasse gewesen. Und diese Behauptung gilt für seine Tugenden genau so wie für seine Schwächen. Seine Tugenden heben sich wie ein klarer Gebirgsbach ab, der sein gesamtes literarisches Werk, sein beispielhaftes Leben - das er hingab, um die Freiheit Kubas zu erreichen und die Freiheit Lateinamerikas zu verteidigen - durchzieht. Seine größte Schwäche war es meiner Ansicht nach, dass auch er von der Macht der Gewalt, welche die gesamte Geschichte des Westens befleckt, gezeichnet war, ohne dass er sie überwinden konnte, was ihn im Krieg das Leben kostete, als er gerade erst 42 Jahre alt war.
Trotz seiner tiefen Kenntnisse all des Besten, das unser amerikanischer Boden hervorbringt, war Martí die Gnade nicht beschieden, die pazifistische Spiritualität vieler unserer alten indigenen Gemeinschaften zu erleben und zu praktizieren, so bedrängt war er durch die historischen Gegebenheiten einer schrecklichen Gewalt und Ungerechtigkeit. Manchmal, wenn ich irgendeine der Schriften Martís lese, so mit tiefer Spiritualtiät behaftet wie sie es sind, befällt mich die Unruhe, zu welchen Überlegungen ihn die politischen, ethischen und religiösen Lehren Mahatma Gandhis inspiriert hätten, dieses großen Führers, dessen Denken so eng verbunden ist mit etwas, das ich als zutiefst unser Eigenes empfinde. Dann erinnere ich mich an diesen erleuchtenden Satz Martís Die Freiheit kann für die Völker, die eine blutbedeckte Stirn haben, nicht fruchtbar sein, welcher mir die geistige Verbundenheit bestätigt, die zwischen diesen zwei großen Meistern besteht.

Übersetzung: Ulrike ZOMORRODIAN-SANTNER

1. Die Daten entstammen der Rede Fidel Castros am 1. Mai 2001 anlässlich des Internationalen Tages der ArbeiterInnen, veröffentlicht in der Zeitschrift Casa de las Américas Nr. 223, April - Juni 2001, Havanna, Cuba, Seiten 23 ff.
2. In: La República Española ante la Revolución Cubana, 1873 in Heftform in Madrid veröffentlicht. Alle Textzitate dieser Arbeit wurden der "Edición Digital de las Obras Completas de José Martí" entnommen, veröffentlicht vom Centro de Estudios Martianos, Calzada 807 esq. A 4, Vedado, CP 10400 Havanna, E-Mail: amarti@cubarte.cult.cu; Tel. (++537) 55 22 97; Fax (++537) 33 37 21.
3. ebd.
4. ebd.
5. "Das Land zu kennen und es entsprechend der Kenntnis zu regieren, ist die einzige Art, es von Tyrannei zu befreien. Die europäische Universität muss der amerikanischen Universität Platz machen. Die Geschichte Amerikas seit der Inkas muss in- und auswendig gelehrt werden, auch wenn die der griechischen Herrscher nicht gelehrt wird. Unser Griechenland ist dem Griechenland vorzuziehen, das nicht unseres ist. Wir brauchen es dringender. Die nationalen Politiker müssen die exotischen Politiker ersetzen. Die Welt möge unseren Republiken eingepflanzt werden, aber der Stamm muss der unserer Republiken sein." In Nuestra América, veröffentlicht in El Partido Liberal, Mexiko, 30. Jänner 1891.
6: In Las Guerras Civiles en Sudamérica, veröffentlicht in Patria, New York, 22. Dezember 1894, zitiertes Werk.
7: In Congreso Internacional de Washington, su historia, sus elementos y sus tendencias, veröffentlicht in La Nación, Buenos Aires, vom 19. und 20. Dezember 1889, zitiertes Werk.
8: In Congreso Internacional de Washington, su historia, sus elementos y sus tendencias, veröffentlicht in La Nación, Buenos Aires, vom 19. und 20. Dezember 1889, zitiertes Werk.

Übersetzung: Ulrike ZOMORRODIAN-SANTNER


Nr 2: >> Mystik und Religion:

 

Mystik und Religion

Die subtilere Geisteswelt ist des Religiösen müde und fühlt sich von ihm überschattet; das menschliche Herz muss seinen Blick wieder dem Mystischen zuwenden, das seine Existenz erleuchtet, umwandelt und führt. In unserer gegenwärtigen Welt geben einige Religionen in ihrem eisern theistischen Selbstverständnis nach, um die "friedliche Koexistenz" mit anderen Kulten zu erweitern, womit sie in ihrem Einflussbereich deren Glaubenssätze und Riten akzeptieren; andere schließen im Gegensatz dazu ihre Türen vollständig für jedes ihren Dogmen und Ausdrucksweisen fremde Wissen.
Das Mystische ist anders: dort ist es nicht das Ziel eine andere Denkweise oder Doktrin, für die Gott das Zentrum der Glaubenstätigkeit ist, zu zerstören; der Mystiker ist tolerant, weil er in der Schönheit des Inhaltes seines Weges aufgeht und weiß, dass dieser Pfad nur seiner ist; aber als fundamentales Prinzip weiß er auch, dass er nicht allein wandert, dass es nur ein Weg mehr ist und teilt daher in Demut das Universum mit anderen.
Der Mystiker ist vollkommen offen für die Erkenntnis; er ist eine nicht zu füllende Leere; er sucht und bleibt ständig voller Aufmerksamkeit für neue Möglichkeiten, seine tägliche Existenz zu bereichern. Wenn sein Leben zur Routine werden würde, würde er sterben wie eine Blume ohne Wasser und Sonnenlicht; er würde vor Traurigkeit sterben, sollte seine Art dem Schöpfer gegenüberzutreten, das Heilige zu spüren, seine Empfindsamkeit und Vertrauen an das Göttliche zum Ausdruck zu bringen, in die Wiederholungen ritueller Formen verfallen.
Der Mystiker ist unfähig, gegenüber Kultformen oder Gottesbilder, die dem seinigen nicht entsprechen, Abneigung zu hegen oder auch nur voreingenommen zu sein; er ist sich des unerschöpflichen Abwechslungsreichtums des göttlichen Universums bewusst und dass er, wie eine weitere Ausdehnung dieses Ursprunges, sich nur seinen eigenen Raum neu erschaffen kann, indem er sich in sich selbst vergeistigt, neu und großartig wieder zu sich kommt und sich durch sich selbst wieder zum Ursprünglichen wandelt.
Der Mystiker ist Gott selbst auf der Erde; bescheidener gesagt, eine winzige, aber großartige Manifestation seiner Obersten Strahlenden Energie; ein Lichtstrahl für die Menschen, dessen bloße Anwesenheit Weisheit und Wissen durchscheinen lässt.
Der Mystiker gehört nicht einer Gemeinschaft spirituellen Wettbewerbs an, noch versucht er Anhänger zu gewinnen oder Beiträge einzuheben; er gibt sich den Menschen
offen, wohlklingend, ohne den Begriff von Sünde, ohne Vorbehalte und Schutz; er ist eine exotische Frucht, gereift auf dem Baum des theoretischen Wissens und der praktischen Erfahrung. Der Mystiker ist weder ein Hirte noch ein Schaf, er predigt nicht, sondern wirkt beispielgebend; er ist eine reine und kristallene Quelle auch in seinen Irrtümern; er könnte an allen verschiedenen religiösen Äußerungen mit der Unbefangenheit, Ekstase und Tiefe der Orthodoxesten und Fanatischsten teilnehmen.
Der Mystiker ist aber auch Mensch und als solcher Übergangsphasen und täuschenden Erlebnissen unterworfen, die sein moralisches Bewusstsein aber bestraft, vergibt, verarbeitet und vergisst; aber im Grunde ist er mit dem Göttlichen in jedem Akt seiner Existenz verbunden, was Abweichungen und Verwirrungen verhindert .
Der Mystiker will keine menschliche Macht; er weiß, dass diese Macht in dem Ausmaß, in dem sie ihre Subjekte ihrem Einfluss unterwirft, ihr mächtiges Antlitz an die Unterworfenen bindet und dadurch ihre Wechselwirkung umgestaltet in eine wechselseitige und stereotype Sklaverei, die einen Beweis für ihre gegenseitige Schwäche darstellt; deswegen ist der Mystiker nur mit Gott vereint.
Der Mystiker ist Freiheit und die Begeisterung für ein an das Einzelne und Besondere gebundene Dasein ist sein Credo. Er schätzt es in keiner Weise gering, der menschlichen Rasse anzugehören und an ihren Fähigkeiten und Schwächen teilzuhaben. Deswegen ist er - wie alle - auf dem Weg zur Selbstbefreiung und Selbstüberwindung, aber seine anarchistische Beschaffenheit bewirkt, dass Beziehungen von Macht und Disziplin seine menschlichen Erfahrungen nicht zum Sklaven machen.
Der Mystiker hat keine Kirche, weil er selbst, alles Erschaffene und Geschaffene sein Tempel sind. Er betet nicht, weil er aus seinem Leben und seinen Handlungen ein ständiges Gebet macht. Er verehrt sich selbst und widmet sich ganz allem Reinem und Sauberen, dort findet er Gott zu seiner Schönheit
und Freude. Der Mystiker ist Prinzip, Weg und Ziel in einem; der Sieger und der Besiegte in seinem eigenen Kampf um das Glück. Er fürchtet weder Leben noch Tod, er stellt keine Vermutungen an über das mehr Dahin oder mehr Dorthin. Er schafft kein anderes Paradies als sein eigenes Dasein; er liebt tief, beschützt eifersüchtig, kämpft unerschrocken, gibt sich hin ohne zu fordern, belässt rücksichtsvoll...

Übersetzung: Christoph Lukits



Nr 1: >> Leitartikel

Familie YAGE:

Das vorliegende Heft ist die erste Ausgabe unserer Informationsbroschüre XICóATL (Ziehender Stern) in der wir unseren Mitgliedern bekannt geben, was im Namen des Vereins gemacht wurde und noch zu machen geplant ist. Die in den ersten zwei Monaten des Bestehens von YAGE durchgeführten Aktivitäten lassen sich folgenderweise zusammenfassen:

DAS POSITIVE: Für die Legalisierung des Vereins wurden alle gesetzlich vorgeschriebenen Unterlagen bearbeitet. Der gewählte Vorstand ist inzwischen von der Bundespolizeidirektion anerkannt und bestätigt worden. Wir haben die in der Generalversammlung vorgestellten Projekte in Angriff genommen. Das Zeitschriftenarchiv "LEON DE GREIFF" ist ab jetzt öffentlich zugänglich und beinhaltet einstweilen drei lateinamerikanische Zeitschriften über deren Inhalt wir Sie im betreffenden Kapitel dieser Broschüre informieren.

DAS NEGATIVE: Unglücklicherweise müssen der Literatur- und Kunstwettbewerb von YAGE aus zeitlichen und wirtschaftlichen Gründen auf einen geeigneten Moment verschoben werden. Trotzdem geben wir unser Ziel nicht auf, aus unserem Lateinamerika eine schöne Muse der ästhetischen Inspiration außerhalb unseres Kontinents zu machen.
Der Weg dorthin ist lang und auch wie die Rose hat er Dornen. Das Wissen und der Glaube an unsere menschlichen, wissenschaftlichen und kulturellen Werte ist die Kraft, die uns bewegt diesen Weg gemeinsam mit denen, die auch daran glauben, zu gehen.....

WAS IST XICóATL?
XICóATL oder "ziehender Stern" ist der Name einer alten Legende der Mexika (aztekischer Stamm) und gibt unserer ersten zweimonatlich erscheinenden Informationsbroschüre den Titel. XICóATL hat das Ziel -außen ein Informationsorgan für unseren Verein zu sein- eine kulturelle und wissenschaftliche lateinamerikanische Zeitschrift in Österreich zu werden, um auf diese Weise einen Teil des immensen Defizits über dieses Thema in unserer Gesellschaft abzudecken. Wir wollen eine Zusammenschau der neuen Werte der Kultur- und Wissenschaftswelt Lateinamerikas ermöglichen; auch möchten wir Sie motivieren bei der Publikation mitzuarbeiten, unter dem Kapitel "Leser" oder in einer der verschiedenen Rubriken, mit denen wir hoffen, die Zeitschrift immer mehr erweitern zu können. Sie sind alle herzlich dazu eingeladen!

LESERSEITE

Lieber Leser:

Wir danken Ihnen, dass Sie diese erste Ausgabe unserer Informationsbroschüre erworben haben, womit Sie uns zum Weitermachen ermutigen. Die "LESERSEITE" steht Ihnen für Mitteilungen, Ideen, Kommentare, Kritik und Anregungen hinsichtlich unserer Zeitschrift sowie zu kulturellen und wissenschaftlichen Themen für den Bereich Lateinamerika zur Verfügung. Es ist unser Bestreben mit den dargebotenen Themen einen größtmöglichen Leserkreis anzusprechen und aus einem gesunden Geist die Werte und das Gedankengut Lateinamerikas zu verbreiten. Ihre Zuschriften können Sie uns in Spanisch, Portugiesisch oder Deutsch zukommen lassen, am Besten wäre es jedoch zweisprachig. Für unsere Leser aus Lateinamerika bieten wir unsere Publikation "XICO TL" als Forum zur Veröffentlichung literarischer oder wissenschaftlicher Arbeiten an. Wir hoffen, dass Sie an dieser ersten bescheidenen Ausgabe gefallen finden, welche wir Ihnen in der Erwartung einer glanzvollen Zukunft überreichen.

Die nächsten Aktivitäten von YAGE:

- Karottenfest: im Juni möchten wir ein Fest spezieller Art veranstalten; hilfst du uns?

- Ab 10. Mai beginnen wir mit den "Sonntagen im Park", mit der Absicht sowohl Mitglieder als auch Interessenten, zu aktivieren.

- Weiters müssen wir unser Zeitschriftenarchiv erweitern, dazu brauchen wir Kontakte in
Gesamtlateinamerika. Mehr Informationen geben wir telephonisch.

Luis Alfredo