Gregorio DE MATTOS e GUERRA

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KULTURBRÜCKE ÖSTERREICH-LATEINAMERIKA: LITERATUR

 

Gregorio DE MATTOS e GUERRA
Gregório de Mattos e Guerra

Gregório de Mattos e Guerra

Gregório de Mattos e Guerra, im Volksmund bekannt als der "Mund der Hölle", wurde am 23. Dezember 1636 in Salvador da Bahia, Brasilien, geboren und war Enkel des Inquisitors Pedro Gonçalves de Mattos und Sohn von Gregório de Mattos und Maria da Guerra. Die Mitglieder der Mattos-Familie waren Großgrundbesitzer, Beamte der Kolonialverwaltung und Unternehmer. Gregório de Mattos studierte am berühmten Jesuitenkolleg in Bahía und später an der Universität Coimbra in Portugal, wo er seine Studien im Kanonischen Recht 1661 abschloss. Im selben Jahr heiratete er die aus einer Beamtenfamilie stammende Micaela de Andrade - eine Verbindung, die seiner Juristenkarriere förderlich war. Nachdem ihm die so genannte Blutreinheit bestätigt worden war, konnte er 1663 ein Amt als Stadtrichter von Alcácer do Sal annehmen und begann somit seine Karriere in der Richterschaft, dann wurde er Vertreter von Bahía in der portugiesischen Ständeversammlung am Hof und später Prokurator. Seine Frau starb kinderlos im Jahre 1678. Vier Jahre zuvor hatte er ein uneheliches Kind auf den Namen Francisca taufen lassen.
1683 kehrte Gregório de Mattos nach Bahia zurück, wo er in den Dienst des Erzbischofs trat. Wenige Monate später wurde er abgesetzt, weil er sich weigerte, die Soutane zu tragen und die Befehle der Vorgesetzten auszuführen. Das zügellose und promiskuitive Leben der Stadt Salvador schürte seine Lust am Schreiben, und er entwickelte sich gewissermaßen zum inoffiziellen Chronisten der Gesellschaft Bahias und deren Gewohnheiten - waren es korrupte Prälaten, Reiche und Regierende, Weiße und Schwarze, Kolonisten und Sklaven, einheimischer Adel und Mulatten. Nachdem er dem Klerikerstand entsagt hatte, - gleiches hatte er mit seiner Richterwürde getan - pflegte Mattos seine poetische Ader auf dem Wege der Satire, der Erotik, der Pornographie sowie der grotesken, der lyrischen und der religiösen Dichtung. 1680 heiratete er Maria de Póvoas, mit der er ein Kind namens Gonçalo hatte. Im Jahr 1685 wurde er bei der Inquisition in Lissabon aufgrund seiner unchristlichen Lebensführung angeklagt. Wegen seiner satirischen Gedichte gegen alles und gegen viele drohte ihm der Tod. 1694 wurde ein Komplott organisiert, um ihn gefangen zu nehmen und nach Angola zu schicken, ohne ein Recht auf die Rückkehr nach Bahía. Bei seiner Ankunft in Luanda unterstützte er den Gouverneur bei der Unterdrückung eines Aufstandes worauf ihm die Erlaubnis erteilt wurde, nach Brasilien zurück zu kehren. 1695 ließ er sich in Recife nieder, wo er 59-jährig am 26. November aufgrund eines aus Afrika mitgeschleppten Fiebers verstarb.

Gedichte

MARINÍCOLAS

Alle Tage sehe ich den Marinícolas
in der Kutsche vorbeikommen
Edelmann von solch schönen Gliedern
Wie London und Paris

Marinícolas war ein Bursche
Der die Früchte vor der Zeit aß
Dass nie er auf Hauben blickte
Denn in den Hosen fand er bessere Unterröcke

Dort sagten sie mir, er hätte viel Unanständi-ges getan
Mit einem bestimmten Cupido, der von hier
Verstoßen wurde von einigen Sodomiten
Im Jahre 1000 irgendwas

Marinícolas war schlussendlich
Jemand mit verschiedensten Qualitäten
Der heute Münzen prägt
Und gestern noch ein mieser Bauer war

DEN KAPITULAREN SEINER ZEIT

In Bahia unser Dom
ist als Festtagsfibel
Weihnachtsstall der Bibel,
wenn nicht Hippodrom:
Sammelt doch penibel
Kirchglockgeschepper,
Totenkopf, den Klepper,
braunes Maultier, den Dechanten,
den Pereira, Rosinanten,
All das sich zusammenläppert.

Gregorio DE MATTOS e GUERRA

Übersetzung: Christine GREIL, Mechthild BLUMBERG, Markus EBENHOCH und Christopher LAFERL