Elena FASSIO

 

Kulturbrücke Österreich-Argentinien Literaturhaus Salzburg

KULTURBRÜCKE ÖSTERREICH - ARGENTINIEN: LITERATUR

 

 

Elena FASSIO

 

Elena Fassio

Elena Fassio, Dichterin, geboren in Buenos Aires. Sie hat »Espejos y Laberintos« (1995) veröffentlicht und ist in der Anthologie »Galería« vertreten, in der Poesie und Erzählungen gesammelt sind. Monatlich organisiert sie die Tertulia Bureau de Tango in Montserrat, einem Viertel von Buenos Aires.

Sie koordiniert Literaturwerkstätten für Kinder und Jugendliche an Schulen in Buenos Aires. Sie ist Mitbegründerin und Mitglied der Revista Mural de Poesía Brújula und Produzentin von Radio- und TV-Sendungen.

Sie ist Produzentin und Moderatorin der Sendung Bureau de Arte auf Radio Splendid in Buenos Aires.

Adresse: Bureau de Arte, Radio Splendid, San Martín 569 - 2°p. Of. 6, (1004) Buenos Aires - ARGENTINIEN
E-mail: elenafassio@tutopia.com

Leseprobe (aus XICöATL Nr. 61):

Frau und Geheimnis

Die Frau im Schatten
mit entflammtem Gesicht
und Händen aus Gischt
stickt ein Rätsel
feine Spitze aus Morgenrot und Dämmerung

Bei Einbruch der Nacht
wenn der Vogel sich erhebt,
färben sich die Fäden, gewunden, rosenrot,
die Brise streicht um die Stickerei, bedächtig,
während das Licht langsam sich der Dunkelheit ergibt.

Sie ruht nicht
atmet das zarte Gespinst der Seide
abgründig erscheint der Mond
enthüllt einen Stern über den Schlaflosen
der alten Eule in ihrer stummen Anwesenheit
der Grille und dem Uhu, ihrem heimlichen Chor.

In der weiten Wüste aus Schatten in Blau
webt sie heiter, voll Gleichmut
die Antwort auf ein ewiges Rätsel
in dem ein Kind wohnt und wartet...

Lichtlos

Da ist kein Licht in meinen Augen heute Nacht
nur die Nacht ist voll Leben.
Ich strecke meine Hände aus
das Universum umfängt mich
aber meine Haut schmerzt.

Die Dunkelheit des Mondes
enthüllt Konturen einer Zeit aus Tau
die Einsamkeit weht mit dem Wind
Das Schweigegelübde wispert im Abendstern
Da ist kein Licht, ich erinnere mich auch nicht an das Wort.
Da ist nur ein Zittern.

Hingabe

Es ist Abend, ich entblöße Schattierungen von Blau
inmitten eines langsamen Frühlings.
Das Licht schlägt sich stolz durch die Lücke im Gras,
gibt den Kampf nicht auf,
bleibt dem Puls des Marks verhaftet.
Das Geräusch eines Schattens nähert sich scheu der Rose.
Blütenblätter verabschieden sich fallend
von einem Zittern, einem Vogel mit lebendigen gelben Augen,
mit prächtigem Schwanz und nostalgischem Gefieder.
Die Rose gibt ihren Duft zurück
Die Ähre schwindet in zeitloser und einzigartiger Hingabe.
Der Tau ist gekommen.

Regen

Es regnete am Rosenabend
über die schwarze Kreide
auf einem Papier.
Ich lehnte meinen Kopf an deine Erinnerung
bettete die Träume
zwischen dein Buch und mein Verlangen.
Ich lauschte deinem Namen
in der verborgenen Musik der Blätter.
Ich heftete die Sätze
an den Kopf deines Schattens
und schlief ein
im Netz deiner Verse.
Es bleibt nur der Regen
auf den Linien meiner Hand.

Schöpfung

Am Anfang war die Harmonie
eines Baumstammes und das frische Grün,
Unterschlupf für den empfindlichen Kontrapunkt
deiner Liebe und der meinen.
Danach gebot die vertraute Gewandtheit deiner Hand
der permanenten Verwirrung der Landschaft Einhalt.
Dann nahmen die Form, das Wort, das Licht,
der Tautropfen ihren Platz ein.
Und wir blieben still
Gesang derselben Grille
Flügel derselben Nachtigall.
Am wogenden Ende des Abends
entschwanden wir für immer am Horizont.

Schmerz

In der Schlichtheit
dieser Oktoberverse
vereint sich mein Schatten mit meinem Skelett.
Es liegt kein Frieden in der Zerbrechlichkeit von Glas
Eingegraben von der Zeit
und andere, neue,
tief und leuchtend.
Der Wind weht
die Wolken verlieren den Verstand hinter dem Horizont.
Es gibt keine Sonne
und kein Licht, das die Umrisse
zerbrochener Schönheit zeigt.
Unbeweglich im Norden
der Abendstern
sinnlos, Zeugen meiner neuen Sehnsüchte
und all der Dinge, die ich in einer Truhe verschließe.
Es gibt keinen tiefen Schmerz,
den nicht die Zeit stillen könnte
und ein Haufen weißer Blätter.

Leben

Meine frühen Bäume blühen auf in der Melancholie.
Meine kleine Straße ist eine Schatulle,
die ihre Juwelen zur Schau stellt.
Ist eine Schneeflocke,
die nicht den Winter herbeiruft
das Klopfen der ersten Götter
auf einer Gussform aus Asphalt.
Ohne Eile, mit einem Blick für die kleinen Dinge.
Das Leben scheint mir lebendiger
in der Blüte meiner Bäume,
mit dem Versprechen eines Teppichs in Blau
oder einem profanen Rot
in der Leichtigkeit eines Blütenblattes,
das in das Grau meiner Straße einbricht
mit dem Zittern des ersten Tones.

Elena FASSIO
Buenos Aires - ARGENTINIEN
Übersetzung: Judith MOSER-KROISS