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Aldo Medeiros. Musiker, Komponist, Lyriker, Dramaturg, Deutschlehrer und Übersetzer aus Rio de Janeiro (1961). Studium der Literaturwissenschaft; Magister im Bereich Wissenschaftsphilosophie. Veröffentlichungen: Deixa eu te dar um toque (CD mit brasilianischer Musik und Lyrik, 2002) e Poemas que cansaram da gaveta (Gedichte, die der Schublade müde waren, 2005). Leiter und Autor bei der Theatergruppe Cia. Agradável (Angenehme Gesellschaft); Aufführung von Ex-Atuais-Futuros (Ex-Aktuelle-Künftige), 2007. Entwickelt zurzeit das Projekt MusiLyirk, eine kulturelle Brücke, die brasilianische Musik und deutschsprachige Lyrik verbindet.
Adresse: Rua Edmundo Lacerda, 91, Petrópolis - RJ - 25640.240, Brasil
E-Mail: aldomedeiros1@terra.com.br
Webseite: www.aldomedeiros.com.br
>> Leseprobe aus XICöATL Nr. 85:
Nachricht von E.T.A. Hoffmann
Der Typ begibt sich mal auf meine Spuren
Wer gab ihm so `ne spannende Aufgabe?
Darf ich nicht ruhig ruhen in dem Grabe,
Wenn durch die Zeit verrosten leis die Uhren?
So lustig diese Menschen aus den Tropen!
Die kommen auf so seltsame Ideen
Und glauben, alles wird einfach gut klappen.
(Vielleicht beraten von heimlichen Feen)
Ja, stimmt, dass ich in jener Jägerstraße
War öfters auf der Suche nach den Musen
Und traf das Schicksal, ewige Sackgasse,
Und sah die Mädchen mit so schönem Busen
Ich gebe es zu, ich trank gern, wie mein Vater
Bin Ernst im Namen, aber niemals stur.
Wie üblich war am nächsten Tag der Kater
Doch der war nett und hieß übrigens Murr.
Beamter, Zeichner, Musiker, Schriftsteller
Das Leben lief so schnell und wie in Trance
Oh, gern holt` ich `ne Flasche aus dem Keller
Und würd` neu anfangen, hätt` ich die Chance!
um die Einsamkeit zu schälen
ruf sofort einen Freund an
falls er nicht da ist
geh spazieren und begrüβ alte Leute
falls sie es nicht merken
geh in einen Park
und sieh dir Kinderspiele an
falls es regnet
leg eine alte Platte auf und sing mit
falls der Strom ausgefallen ist
back einige Brötchen
und ruf den Freund nochmals an
denn er ist bestimmt schon wieder zu Haus
der Fachidiot
das Huhn,
vom indischen Bankivahuhn
abstammendes Haustier
(Aussehen ist nett)
das Ei,
weibliche Fortpflanzungszelle
der vielzelligen Lebewesen
(wäre es nicht gewesen,
nichts wäre komplett)
das Öl,
unter normalen Temperaturbedingungen
flüssiges Fett
die Pfanne,
flaches Gefäß, in dem man
Fisch, Fleisch, Kartoffeln brät
nun...
wie bereite ich eigentlich
das Omelett ?
Augen wie Jademagneten
Augen wie Jademagneten
sie geht
leise durch den Flur
lässt auf dem Boden
den Regenbogen
als Spur
Sterne passen auf
lernen aber kaum,
nach ihrer Art auszustrahlen
die Stimme
eröffnet eine Landschaft
aus lila Seidenwolken
berührt mich ihre Haut
dann taut es
in meinem Herzen
(dem kleinen Planeten !)
Augen wie Jademagneten...
mein Land
mein Land ist ´ne besofenne Hebamme
Kinder werden geboren meistens blind
an den Stadtmauern ´ne alte Reklame
wirbt weiter für den nächsten guten Wind
Zukunftsstaub liegt schon lange im Regal
programmierte Hoffnung ist das Motto
fleißig warten alle auf den Karneval
oder, wer weiß, auf die Glückszahl im Lotto
mit Handys, Selbsthilfe und faulem Glanz
poliert die Elite ihre Ignoranz
(doch hier soll ich ehrlich sein – und kalt:
die Sklaven werden pünktlich schlecht bezahlt)
Landlose, Obdachlose, Analphabeten;
aus tausend Stämmen entstandene Familien
- wie lange wirst du um Almosen bitten?
mein armes reiches schönes Land Brasilien
Lied an eine reisende Freundin
guck mal diesen lächelnden Ball, die Welt
übervölkertes verzauberndes Zelt
ganz geeignet zu deinem neugierigen Besuch
(und sind nicht die Reisen genau das ewige Tuch,
das man mit unermüdlicher Geduld webt,
indem man durch jeden Schritt einen Traum sät?)
jedes Dorf, Stadt, Land oder Kontinent
wird zum bunten, geistigen Pergament.
du fährst weiter, Sterne begleiten dich still
mein Gedächtnis zeichnet dein süßes Profil
und bevor zu Zeit hast, zu sagen tschüss
nimm dieses kleine Gedicht wie ein Kuss
Aldo MEDEIROS
Rio de Janeiro - BRASILIEN
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